Island Tag 9 – Einsame Wasserfälle und die ersten Eisberge

Schon bei der Anreise letzte Nacht mussten wir durch den Speisesaal, indem teilweise noch Geräte wie Kaffeemaschine etc. aufgebaut waren. Diese erhöhten die Vorfreude auf ein gutes Frühstück heute morgen, denn es sah alles sehr gut aus. Da die Zimmer rund um diesen Saal angeordnet sind, mussten wir auch nur vor die Tür treten und waren mitten im Geschehen. Und dies ist auch wörtlich zu nehmen. Denn einige asiatische und französische Touristen tummeln sich bereits hier. Der Raum ist groß und ohne viel Dekoration. Die Einrichtung ist sehr zweckmäßig, was alles dazu beiträgt, dass es sich anfühlt wie in einer Kantine.

Trotzdem gibt das Buffet einiges her, wenngleich auch hier die Qualität eher unterdurchschnittlich ist. Egal, wir sind froh nicht wieder auf unserem Zimmer essen zu müssen und schlagen uns erst einmal den Bauch voll.

Der unbekannte Wasserfall neben der Hauptstraße

Wir packen unsere Koffer zusammen und laden diese, bei strömendem Regen ins Auto. Heute wird uns also auch wieder keine Sonne begrüßen 🙂 Immerhin geht dafür zum ersten Mal auf unserer Reise kein stürmischer Wind. Man kann eben nicht alles haben 😉

Da wir gestern ja einige Dinge, wegen unserer Reifenpanne auslassen mussten (hier nachzulesen), haben wir versucht etwas davon nachzuholen. Leider sind fast alle Punkte so weit entfernt, dass nur ein einziger übrig bleibt. Diesen will Gerald aber unbedingt machen, denn es handelt sich um einen Wasserfall direkt neben der Hauptstraße. Wer jetzt denkt, dass dieser total bekannt und mit Touristen überfülle sein muss, der irrt. Ich weiß nicht wieso, aber diese Naturschönheit, hinter die man sogar gehen kann, ist total unbekannt. Vielleicht weil es keinen großen Parkplatz davor gibt?

Und das ist dann auch schon unser größtes Problem. Der vorgesehene Schotterparkplatz ist einige hundert Meter weit in der Landschaft. Die Straße dorthin sieht aber nicht gut aus und wir wollen unsere neuen Reifen nicht schon heute auf die Probe stellen. Und so bleiben wir einfach auf der Zufahrtstraße so stehen, dass wir niemanden behindern und wandern das kurze Stück.
Zum Glück, denn bereits der Weg ist hier ein Highlight:

Rechts von uns befindet sich ein Fluss, der sich über mehrere kleine Wasserfälle seinen Weg sucht. Einer davon ist besonders fotogen und da wir Zeit haben und hier absolut niemand sonst ist, nehmen wir den Umweg auf uns. Und was sollen wir sagen, es hat sich total gelohnt. Wir haben unseren Spaß und genießen die Stille der Natur.

Jetzt aber zum eigentlichen Wasserfall wegen dem wir hier sind. Dieser nennt sich inoffiziell Skútafoss, wobei ich nicht weiß ob das nicht nur ein frei erfundener Name von jemanden ist. Das einzige Pärchen hier ist gerade am Weg zurück zum Auto und wir haben somit die gesamte Umgebung für uns alleine.

Das Tolle an diesem Wasserfall ist, dass man ganz einfach dahinter gehen kann, ohne dabei wirklich nass zu werden. Und auch hier nutzen wir die tolle Stimmung und machen ein Bild nach dem anderen.

Eine Filmkulisse ohne Film

Wir fahren wieder zurück in die Richtung aus der wir gekommen sind. Gleich nach einem Tunnel biegen wir ab und fahren in Richtung Vestrahorn, einer Landzunge die ins Meer hinein reicht. Und obwohl dieser Teil von Island eher Fotografen mit seiner Küste und schwarzen Sanddünen begeistert, gibt es hier noch eine andere Kleinigkeit zu sehen.

Vor einigen Jahren wurde ein ganzes Wikingerdorf als Filmkulisse gebaut. Der Witz an der Sache: der Film wurde aus Kostengründen nie gedreht, die Kulisse blieb aber stehen. Die Landeigentümerin sperrte den Bereich kurzerhand ab und verlangt nun dafür Eintritt, und zwar gar nicht einmal so wenig. Wobei eigentlich wird hier immer von „Erhaltungsgebühr“ gesprochen, denn Eintritt hören die Isländer nicht gerne.
Soweit ich gehört habe, darf sie mittlerweile auch nur noch eine Gebühr fürs Parken verlangen.

Das Dorf selbst ist zwar nett, dafür aber extra Eintritt bezahlen muss man nicht. Es gibt einige Häuser (ohne Innenleben) zwischen denen man durchlaufen kann. Wie authentisch diese Siedlung ist, können wir nicht sagen, aber fotogen ist sie allemal.

Der Traum und Fluch aller Fotografen

Durch einen Schranken kommt man auf die Straße hinunter zur Stokksnes Landzunge. Diese Straße wurde eigentlich für eine NATO Radarstation gebaut, von denen man hier auf Island mehrere findet. Wie im Vorwort schon erklärt, ist Island nämlich schon sehr früh dem Verteidigungsbund beigetreten. Aus Mangel an Truppen unterstützen sie den Bund aber mit der Abtretung von Land- und Luftrechten. Und so gibt es seit dem zweiten Weltkrieg hier unzählige Radar- und Versorgungsstationen.

Wie auch immer, das ist wohl der Grund wieso man diesen Ort hier überhaupt kennt. Was ihn bei Fotografen so bliebt macht, ist die Kombination aus flachen, spiegelndem Sandstrand, schwarzen Sanddünen und einem gewaltigen Bergmassiv im Hintergrund. Leider frustriert dieser Ort auch viele der Fotografen. Denn nur selten erlebt man diesen bei gutem Wetter und noch seltener zeigt sich hier ein schöner Sonnenauf- oder untergang. So mancher war schon einige Male hier und wurde enttäuscht.

Und natürlich ist das auch bei uns heute so 😀 Von den Bergen ist nicht wirklich etwas zu sehen, denn dichte Wolken hängen bis fast an die Küste herunter und es ist eiskalt. Es entstehen trotzdem sehr stimmungsvolle Bilder.

Die ersten Eisberge unseres Lebens

Wir haben zwar noch lange nicht genug von der Gegend um Höfn, aber vor uns liegt noch eine weite Strecke. Wir fahren immer entlang der Südküste Islands in Richtung Reykjavik und je weiter wir kommen, desto mehr Autos begleiten uns. Man merkt deutlich, dass der Tourismus hier dichter wird.

Und dann tauchen völlig unvermittelt Eisberge vor uns am Horizont auf. Wie leuchtende blaue Berge werden diese immer größer und wir entscheiden spontan heute schon bei der berühmten Lagune Jökulsárlón stehen zu bleiben. Denn eigentlich war diese erst für morgen früh geplant.

Unfassbare Mengen an Autos reihen sich auf dem großen Parkplatz dicht an dicht, aber wir sind ja nur hier um uns ein bisschen umzusehen 🙂
Wir haben schon viel erlebt und gesehen, aber das Gefühl auf einmal vor gigantischen, blau leuchtenden Eisbergen zu stehen die an einem vorbei schwimmen ist irre. Wir können uns gar nicht satt sehen an den Formationen und Farben. Die Menschenmassen stören weniger als gedacht, denn die Lagune ist groß und man muss nur ein paar Meter gehen um Luft zu bekommen.

Dies ist auch der Ort wo wir erstmals Touristen in Jean und normalen Schuhen sehen. Jene mit Wanderbekleidung mischen sich aber immer noch zur Hälfte darunter. Es dürfte also ein Übergangspunkt zwischen Tagestouristen und Langzeittouristen sein 😉

Auch extrem viele Fotografen, oder zumindest Leute mit ernsthafter Fotoausrüstung sind hier anzutreffen. Dieser hier meint es besonders ernst (zur Erinnerung: es hat um die 5°C):

Wie ihr sehen könnt sind wir mittlerweile an den nahe gelegenen „Diamond Beach“ gewandert. Damit ihr euch das vorstellen könnt, erkläre ich kurz wie es hier aussieht. Die Gletscherzunge mündet in der Lagune, die aus dem Wasser dessen geformt wurde. Am Rand des Gletschers brechen immer wieder Eisblöcke ab und werden durch die Strömung in Richtung Meer getrieben. Die Gezeiten und Wellen spülen einige dieser Eisberge wieder an den schwarzen Sandstrand und andere treiben hinaus aufs offene Meer um dort zu schmelzen.
Und genau an diesem schwarzen Eisbergenfriedhof stehen wir nun. Von der Größe eines Kieselsteins bis hin zu mehreren Metern Höhe findet man hier unzählige Figuren aus Eis.

Das Ergebnis sieht dann größer aus als erwartet 😉

1000 Jahre alter Eiswürfel mit Salzgeschmack 🙂

Auf der anderen Seite vom Strand sieht man wie sehr hier auf Island der Wind geht. Und heute ist es noch vergleichsweise windstill.

Mit ein bisschen Glück kann man in und um die Lagune auch viele Seelöwen sehen die sich hier fortpflanzen und spielen.

Die kleine Schwesterlagune

Unser ursprünglich geplanter nächster Halt ist nicht weit entfernt. Die Schwesterlagune von Jökulsárlón, die Fjallsárlón klingt zwar nicht wirklich anders, ist sie aber komplett. Ein kürzlich erst gut ausgebauter Parkplatz mit Kaffeehaus erwartet uns bei der Ankunft. Es sind einige Meter über einen Hügel bis man die deutlich kleinere Lagune vor sich sieht. Sonst ist aber alles gleich: Gletscherzunge (vom selben Gletscher), Lagune, Eisberge, Abfluss ins Meer und schwarzer Sand 😉

Und obwohl es unglaublich neblig und sau kalt ist, ist es hier komplett windstill. Die Lagune beeindruckt uns sofort deutlich mehr als die letzte. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass es hier wegen dem fehlenden Wind und Touristen so friedlich ist.

Weil einige immer wieder fragen wieso man nicht einfach mit dem Handy Fotos macht. Nunja hier erkennt man den kleinen Unterschied (oben teure Kamera und unten teures Handy):

Was soll ich noch weiter dazu sagen? Es sieht nicht nur atemberaubend aus, es ist ganz einfach so. Ich (Gerald) stand schon im Yellowstone vor bunten Pools und Bären, bin in den Grand Canyon gewandert, habe die Milchstraße im Monument Valley bestaunt und den Sonnenaufgang auf einem Vulkan in Hawaii gesehen, aber das hier zähle ich zu den beeindruckendsten Momenten meines Lebens. Und das sind auch jene Momente, an denen man dankbar sein muss zu haben was man hat.

So Ende der Philosophiestunde 🙂 Die Aussicht ist übrigens eher bescheiden, macht aber nix, weil ist trotzdem toll 😉

Kleine Überraschung vor dem Hotel

Der Tag war lang und die Ereignisse haben uns fast erschlagen. Daher wollen wir nun ins Hotel. Das „Fosshotel Glacier Lagoon“ ist das 3. teuerste der Reise und soll laut Berichten eines der besten Hotels der Insel sein. Erst kürzlich, mitten im Nichts von Island gebaut, ist es mittlerweile schon zu klein und wird gerade vergrößert.

Doch bevor wir überhaupt auf dem Hotelparkplatz ankommen, sehen wir von der Straße aus direkt neben dem Hotel einen tollen Wasserfall. Achja: wir sind 20 Minuten gefahren und natürlich hat es hier 10°C mehr und der Himmel ist blau 😀

Wir wandern das kleine Stück und tatsächlich ist vor uns ein wunderschöner kleiner Wasserfall umgeben von herrlich blühenden Lupinen (das sind die blaulila Blumen da).

Der Checkin im Hotel verläuft dann wie es soll, denn er ist nach 30 Sekunden erledigt. Wir beziehen unser Zimmer und sind sprachlos.

Ok ernsthaft, wir sind die kommenden zwei Tage stundenlang nur noch am Fenster gesessen und haben den Ausblick bewundert. Rund um das Hotel grasen natürlich überall Schafe mit Lämmern und glaubt es oder nicht, man kann diesen stundenlang zusehen.

Beim Checkin konnten wir noch einen Tisch im Restaurant reservieren, allerdings hatten wir dazu nur 10 Minuten Zeit. Hier gibt es aber sonst nicht wirklich etwas und so nehmen wir das vermutlich teure Essen in Kauf. Und kurze Zeit später sitzen wir, völlig underdressed für so ein Restaurant, mit genau dem selben Ausblick wie in unserem Zimmer an einem Tisch.

Das Essen ist so genial, dass ich euch daran teilhaben lasse. Es gab sogar einen Gruß aus der Küche. Ich esse normalerweise keine Meerestiere, aber das hier ist von einer anderen Welt.

Und dann gab es Lamm und Fisch. Beides nicht vergleichbar mit heimischen Speisen. Weder hat der Fisch nach Fisch, noch das Lamm nach Schaf geschmeckt. Einfach nur perfekt.
Ja, das Abendessen war sehr teuer aber wir haben schon mehr ausgegeben und nicht so gut gegessen. Man muss aber schon mit 40 Euro pro Person rechnen.

 

Achja, in meiner Euphorie habe ich ganz vergessen das Hotel zu bewerten. Ok, ich versuche jetzt mal objektiv zu bleiben 🙂

Die Zimmer sind so groß, dass man 2 Koffer öffnen kann. Das Badezimmer ist ebenfalls akzeptabel, wenn auch nicht ganz zu Ende gedacht. Die Raumhöhe ist gigantisch, denn man liegt gute 4 Meter unterhalb der Deckenbeleuchtung. Für den Ausblick gibt es sowieso einen Punkt extra. Freundlichkeit, Zustand des Inventars und Sauberkeit sind auf einem perfekten Niveau. Ähnliches haben wir nur vor einigen Jahren in Las Vegas im Vdara erlebt. Nur damals war das Zimmer gigantisch groß und hat nicht einmal die Hälfte gekostet. Bei einem Preis von 320 Euro die Nacht muss hier einfach ein Punkt fallen. Und auch die begrenzte Zimmergröße kostet etwas. Wir kommen aber, trotz des horrenden Preises, auf eine Bewertung von 8.5 von 10 Punkten. Das hätten wir auf Island nie für möglich gehalten.

Wir beobachten noch stundenlang den hereinziehenden Nebel und das Gewitter an unserem Fensterplatz. Gerald entscheidet sich dazu heute nicht mehr zurück zur Lagune zu fahren und hofft morgen auf besseres Wetter. Wir werden sehen.

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