Der heutige Tag wird etwas bedrückend und emotional fordernd sein. Wir wandern nämlich auf den Spuren von Nelson Mandela und vielen weiteren politischen Häftlingen die auf der Gefängnisinsel Robben Island oftmals aus fragwürdigen Gründen inhaftiert wurden. Danach machen wir spontan eine Hafenrundfahrt und genießen den Abend in Green Point. Aber alles der Reihe nach.

Die Gefängnisinsel Robben Island

Nach einem hervorragenden Frühstück fahren wir wieder zur V&A Waterfront. Und auch wenn unser Hopp-on-Hopp-off Ticket noch gültig ist, nehmen wir das Auto. Wir wollen heute nämlich den Abend hier verbringen und der Bus fährt nur bis 18 Uhr. Also stellen wir das Auto schon in Green Point, einem Stadtteil von Kapstadt, ab und fahren den Rest zur Waterfront mit dem Touristenbus.

Nach Robben Island kommt man nur mit einem Shuttleboot. Ist ja immerhin eine Insel und die Entfernung zum Hafen sind gute 12 Kilometer 😉 Die Karten für die Inselbesichtigung sind schwer zu bekommen und so mussten wir uns schon Tage vorher festlegen, wann wir fahren wollen. Das alles erinnert uns sehr stark an unseren Besuch in Alcatraz in San Francisco. Wer das also nachlesen will, hat nun die Gelegenheit dazu 😉

Wie üblich nehme ich meinen Bildungsauftrag ernst und daher kommt nun ein wenig Geschichte über die Insel. Ihr solltet sie nicht auslassen, denn wer lernt nicht gerne dazu? Wer will, überspringt den folgenden Absatz aber einfach und bleibt unwissend :p

Die Insel hat eine Ausdehnung von 3,2 mal 1,3 Kilometern, ist damit nicht sonderlich groß, aber immerhin die größte Insel vor der Festlandküste. Weite Teile der Insel sind unbebaut, da sie dem Steinabbau dienen. Auch ein Flugplatz wurde hier zwischenzeitlich angelegt.
Bereits im 17. Jahrhundert erkannten die Bewohner von Kapstadt, dass sich die Insel auf Grund der Entfernung zum Hafen, der Kälte des Wassers und gefährlichen Strömung optimal als Gefängnis eignet. 1785 wurde der erste Muslime auf der Insel interniert. Abdullah Qadi Abdussalam hatte das Ziel die Bevölkerung von Kapstadt zum Islam zu konvertieren. Der Plan ihn davon abzuhalten ging aber gewaltig nach hinten los. Angeblich schrieb er in den Jahren seiner Haft den gesamten Koran aus dem Gedächtnis nieder. Wieso er so bedeutend ist? Weil er 1795 der erste Imam in der Moschee in Boo-Kap wurde. Ihr erinnert euch an das Bild dieser gestern in Boo-Kaap? Die Moschee ist für die Bewohner und ihre Vorfahren sehr wichtig und bildet einen wichtigen Teil der südafrikanischen Geschichte.

Danach diente die Insel als Leprakollonie und als Militärstützpunkt im zweiten Weltkrieg. Bis sie von 1961 bis 1991 (!) unter der Apartheit für politische Häftlinge genutzt wurde. In dieser Zeit saß auch Nelson Mandela fast 20 Jahre hier in einer Einzelzelle. Das Gefängnis war allerdings nicht für alle Gefangenen gedacht. Denn glaubt es oder nicht, aber sogar bei Häftlingen wurde zwischen den Rassen unterschieden. Und so „durften“ die weißen Gefangenen in moderaten Gefängnissen am Festland leben, während hier nur Mensch mit schwarzer Hautfarbe und Asiaten eingesperrt wurden. Und selbst zwischen diesen gab es noch Unterschiede, denn den Schwarzen ging es bei weitem schlechter.

So aber genug von der Bildung. Wir beginnen natürlich mit dem Boarding am Schiff, ein sehr modernes Shuttle.

Nach einigen Minuten Fahrt ist dann auch schon die Gefängnisinsel in Sichtweite.

Man darf sich allerdings nicht frei auf der Insel bewegen, sondern wird direkt nach der Ankunft in einen Bus gepfercht. Hier sind die Sitze viel zu eng und der Bus ist viel zu voll. Man wird in den nicht besiedelten Teil der Insel gebracht und an verschiedenen Stationen gibt es Erklärungen.

Der wichtigste Stopp ist aber sicherlich der Steinbruch, indem die Häftlinge arbeiten mussten. Die schwarzen unter ihnen haben noch nicht einmal Handschuhe oder Hüte bekommen, während dies für Asiaten obligatorisch war. Eine grausame Welt.

Aber wieso ist dieser Steinbruch denn nun so wichtig? Auf dem Bild oben erkennt ihr zwei Dinge die geschichtlich tatsächlich von massiver Relevanz für Südafrika sind. Zunächst einmal die Höhle. Denn sie war der einzige Ort der Insel der nicht überwacht wurde. Eigentlich durften die Häftlinge hier drin nur Essen und ihr Geschäft verrichten. Nelson Mandela erkannte aber die Chance und funktionierte die Höhle zu einer Art Universität um. Er hielt darin Vorträge und bildete seine Mitgefangenen. Schwer vorstellbar, dass die Wärter nichts davon wussten, aber hier hat wohl die Menschlichkeit gesiegt.

Dann gibt es da noch diesen Steinhaufen, der allerdings erst nach der Schließung 1991 entstand. Nelson Mandela und viele seiner Mithäftlinge entschlossen sich noch einmal auf die Insel zurück zu kommen. Und nach einer Rede hier im Steinbruch nahm er einen Stein und legte ihn auf den Boden. Alle der ehemaligen Häftlinge taten es ihm gleich. Dieser Steinhaufen liegt bis heute unberührt an dem selben Platz.

Eine lange Pause machen wir an einer Stelle mit Souvenirladen (ah geh?) und Toilette. Ich nutze die Zeit aber eher für schöne Bilder des Leuchtturms der Insel und dem Ausblick auf Kapstadt:

Führung durch das Gefängnis

Zurück bei den Gefängnisgebäuden dürfen wir aussteigen und werden wieder in Gruppen aufgeteilt. Jede Gruppe wird von nun an von einem ehemaligen Häftling durch die Gebäude geführt. Diese erzählen weniger über die Geschichte, als mehr von ihrem Leben hier. Das gibt dem Ganzen einen wirklich menschlichen Charakter, lässt die Stimmung aber ziemlich in den Keller sinken. Deswegen habe ich mich auch entschlossen, nach dem „Gruppenbild“ alle Fotos in Schwarzweiß zu halten.

Begrüßt wird man von einem Stacheldrahtzaun, der die gesamte Außenanlage umspannt.

Die Gebäude auf den oberen Bildern wurde von den Häftlingen der Apartheit mit Steinen aus dem örtlichen Steinbruch per Hand (!) in jahrelanger Arbeit erbaut.

Vorbei an den Duschräumen geht es zu einem Aufenthaltsraum, wo uns so einiges über das Leben hier erklärt wird. Unter anderem eben, dass Asiaten deutlich bessere Kleidung und vor allem mehr Essen bekommen haben. Die offizielle Erklärung war, dass Schwarze weniger Nahrungsmittel benötigen würden, was natürlich völliger Unsinn und purer Rassismus ist.

Über den Innenhof geht es dann wieder zurück zur Fähre.

Nelson Mandela hat über die Jahre übrigens einige Erleichterung durchgesetzt. So gab es zum Beispiel am Wochenende frei und die Häftlinge durften sogar Tennis spielen (das da oben ist wohl ein Tennisplatz gewesen).

Alle Zellen hier sehen gleich aus und in Wirklichkeit gibt es nicht die eine Nelson Mandela Zelle, denn die Häftlinge wurden regelmäßig verlegt. Aber so sahen die Zellen alle aus:

Auf der Rückfahrt begleiten uns Wale und unendlich viele Seelöwen im Wasser, die ich aber leider nicht fotografieren konnte. Dafür hatte man eine super Sicht auf das Fußballstadion, dass zur WM erbaut wurde.

Durch die Hafenkanäle von Kapstadt

Spontan entschließen wir uns eine Hafenkanalrundfahrt zu machen. Diese ist in unserem Hopp-on-Hopp-off Ticket enthalten und wir haben sowieso noch ein bisschen Zeit. Außerdem sind wir die einzigen Gäste 😀

Auch hier bekommt man über einen Audioguide wieder tolle Erklärungen zu den einzelnen Gebäuden.

Spaziergang zum Green Point

Da wir irgendwie wieder zum Stadtviertel Green Point und unserem Auto kommen müssen, entschließen wir uns zu Fuß zu gehen. Die Gegend gilt generell als sicher und so haben wir zuerst keine Bedenken. Doch kurz nach der V&A Waterfront sehen wir keinen Polizisten mehr und auch die Touristen sind hier sehr dünn gesät.

Direkt vor dem Green Point Stadion sieht alles sehr heruntergekommen aus. Das Fußballstadion wurde zur WM 2010 um 500 Millionen Euro erbaut und fasste damals 68.000 Besucher. Da in Südafrika aber eigentlich jeder Rugby spielt, ist das Stadion heute eher nutzlos und kostet jährlich Millionen. Es gibt daher sogar Rufe es abzureißen. Und ganz ehrlich: es passt auch überhaupt nicht in das Stadtbild, denn es ist umgeben von schönen Parkanlagen und eben der Waterfront.

Ein Bild davon habe ich aber erst später gemacht, denn direkt davor haben wir uns nicht getraut. Unzählige Blechhütten mit Obdachlosen und leere Handtaschen, die vermutlich geraubt wurden, haben uns schnell zum Weitergehen animiert.

Der Green Point Park ist dagegen aber wieder bewacht und wunderschön. Auf einer riesigen Fläche finden sich Bäche, Seen, Wiesen und Sportstätten. Außerdem gibt es einen einmaligen Blick auf das Green Point Lighthouse:

Wir spazieren entlang des Wassers und genießen den Ausblick, bevor wir wieder einmal in ein Steakhaus gehen 🙂

Bei perfekten Blick auf das Meer genießen wir Billtong (traditionelles südafrikanisches getrocknetes Ringfleisch) und Steak.

 

Sonnenuntergang wie aus dem Bilderbuch

Zeitlich ging es sich optimal aus, dass wir bequem nach dem Essen wieder an den Boardwalk gingen. Hier genossen wir den Sonnenuntergang mit Blick auf den Lions Head. Was für ein Traum.

Auf unserem Parkplatz haben sich mittlerweile zwei selbsternannte Parkwächter breit gemacht. Diese waren aber eindeutig auf Drogen und machten allen Umstehenden etwas Angst. Wir sind so schnell wie möglich zurück zu unserer Unterkunft gefahren, denn es wird hier sehr schnell stockdunkel.

Das war also unser letzter Abend des Urlaubs, denn den nächsten werden wir schon am Flughafen verbringen. Davor steht uns aber noch ein ganzer Tag in Kapstadt bevor. Also dran bleiben 🙂