Heute wäre eigentlich ein Tag im Hochland geplant. Genau genommen wollten wir die einfachste Strecke dorthin, nach Landmannalaugar fahren. Dort gibt es einen großen Campingplatz und es ist der Startpunkt einiger toller Trails in eine Landschaft, die man sonst nicht so schnell irgendwo findet.
Hochland ist in diesem Fall aber vielleicht ein wenig übertrieben. Immerhin liegt der größte Teil Islands auf Meeresniveau und so kann alles ab 400 Metern schon als Hochland bezeichnet werden 😉 In dieses Gebiet führen fast ausschließlich Gravelroads die bis hin zu schlimmen 4×4 Pisten gehen können. Dabei müssen nicht selten unzählige Flüsse durchfahren werden. Nichts für schwache Nerven also.

Auf Grund unseres Reifenplatzers vor einigen Tagen, wissen wir nicht nur, dass wir keinerlei Reparaturmaterial für einen Reifen (oder Ersatzreifen) haben, sondern sind auch extrem sensibel was dieses Thema betrifft.
Landmannalaugar war eigentlich der Grund wieso wir den Urlaub zu dieser Jahreszeit machen (der Schnee ist hier erst vor kurzem geschmolzen), wieso wir den „Ring“ verkehrt herum fahren (damit es eben hier möglich spät im Jahr ist) und wieso wir ein 4×4 Auto haben. Deswegen fällt mir (Gerald) der folgende Schritt besonders schwer, aber wir müssen zugeben, dass es unter den gegebenen Bedingungen einfach zu riskant ist den Weg auf einer eindeutig für Allradfahrzeuge gekennzeichneten Strecke zu fahren. Der Punkt ist somit für diesen Urlaub gestrichen.

Wir wollen aber nicht ganz aufgeben und so habe ich die Nacht vorher ewig recherchiert um doch noch einige Punkte im Programm zu retten. Dazu aber nachher mehr.

Auf den Spuren der alten Wikinger

Nach einem homemade Frühstück und dem Verstauen der Koffer im Auto machen wir erst einmal halt an einem Grashaus, dass wir am Vortag gesehen haben. Es stellt sich heraus, dass dieses sogar mit einer Infotafel verstehen und frei zu besichtigen ist. Genau genommen handelt es sich halb um ein Haus und halb um eine Höhle. Deswegen auch der Name „Rutshellir Caves“.
Bei unserer Ankunft stehen vor diesem sogar einige Schafe herum, die dieses Haus als Stall verwenden. In der Gegend gibt es etwa noch 200 dieser Höhlen, wobei nicht geklärt ist wieso es diese sonst nirgendwo auf Island gibt.

Und so wurde das Haus auch konzipiert. Durch eine geniale Stufe im Hausinneren können sich die Schafe nur vorne aufhalten, während hinten in der 20 Meter tiefen Haupthöhle ein Heuschober war. Rechtwinkelig davon zweigt eine etwa 8 Meter tiefe weitere Höhle ab, die vermutlich als Schmiede verwendet wurde. Vermutlich haben hier aber auch Menschen gewohnt oder zumindest zeitweilig Schutz vor der Witterung gesucht.

Unerwartete Überraschung bei einem alten Bekannten

Unserer weiterer Weg führt uns wieder am Skógafoss vorbei und da es noch extrem früh ist beschließen wir kurz zu nachzusehen ob heute weniger los ist. Wir waren extrem verblüfft, denn der Parkplatz war leer und vor dem Wasserfall war niemand. Wirklich absolut niemand!

Ausgiebig nutzen wir die paar Minuten und schießen alle Bilder die am Vortag nicht möglich waren. Und obwohl wir am Vortag auf Grund der Touristenmassen sofort wieder fahren wollten, hat sich der Wasserfall heute in unsere Herz gespült. Hier alleine in der Stille sind die gewaltigen Wassermassen unglaublich und man fühlt sich sehr klein.

Ein geschütztes Tal voller Leben

Eine ewige, mehrere Stunden langen Fahrt liegt nun vor uns bis wir die Zufahrtsstraße zum Gjáin, oder auch „Saga Valley“ erreichen. Die Straße sieht anfangs noch gut aus, wird aber schnell zu einer sehr steinigen Angelegenheit. Für uns viel zu riskant. Weil der Spot aber unglaubliches verspricht, entscheiden wir die 4 Kilometer der Straße entlang zu hiken.

Unser Plan dorthin fahrende Autos anzuhalten und um eine Mitfahrgelegenheit zu bitten geht nicht wirklich auf. Die meisten besitzen sehr kleine Autos und haben dieses bis obenhin mit Gepäck angefüllt. Tramper müssen es ziemlich schwer haben unter solchen Bedingungen. Oder wir haben es einfach nicht drauf 😉

Jedenfalls gehen wir die gesamten 4 Kilometer auf der Straße, was natürlich kein sonderlich abwechslungsreicher Spaß ist, wie man auf dem Bild oben sieht. Besonders Katrins (aber auch meine) Laune sinkt dabei immer weiter, da uns teilweise sogar kleine PKWs ohne 4×4 (verbotenerweise) entgegen kommen. Bodenfreiheit ist hier auch kein Thema sondern eher ein Ersatzreifen 😉
Leider ist es hier auch windstill und abertausende von Midges machen uns das Leben schwer. Diese kleinen Mücken wurden aus Großbritannien eingeschleppt und sind eigentlich ganz harmlos. Wenn es warm wird und stehende Gewässer in der Nähe sind Vermehrenen sie sich millionenfach. Die ausgewachsenen Fliegen leben nur wenige Stunden und nerven dabei Mensch und Tier. Denn bei Windstille wollen sie in Augen, Ohren, Mund und Nase kriechen um keine Ahnung was zu machen. Der Satz „Die wollen nur spielen“ trifft hier wohl gut zu.
Eigentlich soll die Gegend um den See Myvatn zu dieser Jahreszeit ganz schlimm betroffen sein. Dort haben wir aber keine einzige davon gesehen.
Zum Glück haben wir vorgebeugt und uns bereits zuhause Kopfnetze* besorgt (unbedingt besorgen wenn ihr in einem dieser nördlichen Länder unterwegs seid*). Diese besonders feinen Netze stülpt man sich einfach über den Kopf und das Thema ist erledigt. Behindert zwar ein bisschen die Sicht und sieht wirklich albern aus, ist aber ein kleiner Preis.

Als wir aber den Parkplatz erreichen und über die Kante in das kleine Tal blicken, ist alles vergessen und wir sind einfach nur noch begeistert.
Man stelle sich folgende Szenerie vor: hunderte Kilometer in jeder Richtung befindet sich nur Wüste. Mitten in dieser ein Fluss der Leben bringt und hier über einen Wasserfall in ein Tal stürzt. In diesem Tal ist alles grün und blüht wie in einem kitschigen Hollywoodstreifen. Genauso sieht es hier aus – wie eine Kulisse in der man jeden Moment ein „Cut“ oder andere Regieanweisung erwartet.

Dieses Bild entstand übrigens an einem sehr steilen und sandigen Abgrund. Tut sowas niemals eurer Kamera an 😀

Das gesamte Tal steht unter Naturschutz und daher wurden auch Wege angelegt, die das ganze sehr künstlich wirken lassen. Fast wie in einem japanischen Garten wandert man hindurch und entdeckt immer weitere Wasserfälle. Soweit wir wissen wird derzeit diskutiert, dieses Tal ganz zu sperren, da die gesamte Gegend unter Schutz gestellt werden soll. Das wäre sehr schade, dann für uns ist das einer der beeindruckendsten Orte die wir je gesehen haben.

Auch auf dem Rückweg kommt uns so gut wie kein Auto entgegen und so sind wir froh nach einer knappen Stunden wieder am Auto zu sein, wo wir uns erst einmal einen Kaffee und Muffins gönnen.

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Am Rande des Hochlands

Die Straße von hier weg wurde vor kurzem mit dem Bau eines Kraftwerkes asphaltiert und so beschließen wir bis zu deren Ende zu fahren. Nein das Kraftwerk interessiert uns überhaupt nicht. Aber neben ihm gibt es einen Wasserfall, den scheinbar nur sehr wenige kennen. Und dabei gehört dieser für uns zum Unglaublichsten was wir in Island erlebt haben. Und das direkt neben der Straße.
Der Sigöldufoss ist eigentlich im Ablauf des Kraftwerks und daher sollte man auch nicht an sein Flussbett gehen. Dieses kann nämlich jederzeit und ohne Warnung überflutet werden.

Das unfassbar blaue Wasser stürzt hier wunderschön in ein noch blaueres Wasserbecken. Und auch hier kommt es einem vor als hätte jemand an den Schiebereglern im Photoshop getrickst. Der Wind ist hier mittlerweile so stark, dass ich (Gerald) Probleme habe mein Stativ aufzustellen. Uns wird eiskalt aber der Wasserfall hat uns in seinen Bann gezogen. Keine Menschenseele ist hier bei uns und wir können ihn aus allen Blickwinkeln genießen. Dabei muss man aber dazu sagen, dass die Bilder es nicht schaffen die gewaltige Farbenpracht wiederzugeben.

Direkt hier an der Abzweigung zum Kraftwerk treffen zwei Flüsse (oder Abläufe?) zusammen. Den einen kennen wir bereit und der andere ist das genaue Gegenteil davon – braun und schlammig. Gemeinsam ergeben sie aber ein faszinierendes Bild.

Vorletzte Unterkunft nach einem langen Fahrtag

Knappe 2 Stunden eher langweilige Fahrt führen uns zu unserem heutigen Hotel, das eigentlich ein Guesthouse ist. Kurz Zeit für ein Foto, dass schon sehr viele an dieser Stelle gemacht haben. Und das obwohl hier weder ein Platz zum Halten noch sonst etwas ist. Aber die Straße in der Landschaft ist einfach zu perfekt um nicht stehen zu bleiben.

Wieso unser Guesthouse so überschwängliche Bewertungen hat und wir nicht eines der richtigen Hotels in der Umgebung genommen haben wissen wir nicht. War ein klarer Planungsfehler 😉
Es ist jedenfalls ausreichen für die zwei Nächte, aber die Einrichtung ist schon am Ende seiner Lebenszeit. Einige Dinge sind auch nicht sonderlich gut geplant worden, wie zum Beispiel das Bad. Für Tagestouren ins Hochland würde der Ort Fludir aber sehr gut liegen. Das bringt uns aber, auf Grund unserer Reifenplatzers leider auch nichts mehr.
Die Gastgeberin ist sehr nett, muss aber erst einmal gesucht werden. Dann geht es mit den Koffern über einen Schotterweg (sehr sinnvoll?!) zu unserem Zimmer, dass sich mit einem Schlüssel, der an einem gewaltigen Anhänger hängt, öffnen lässt. So ganz wissen wir nicht wieso wir uns in unserer Vorletzten Unterkunft nicht wohl gefühlt haben. Aber auf Grund der Lage und des Frühstücks, das ganz in Ordnung war vergeben wir hier 6 von 10 Punkten. Bei einem Preis von 210 Euro die Nacht bleibt aber ein unzufriedenes Gefühl.

Der Tag war zwar schon sehr lang aber wir brauchen noch etwas zu essen. Und so kommen wir sehr spät noch im Gasthaus Kaffi-Sel an. Dieses ist eher die Kantine eines Golfplatzes, überrascht aber mit sehr guten Burgern und Pizza zu vernünftigen (isländischen) Preisen. Hier finden wir eigentlich kaum Touristen. Für einige einheimische Familien dürfte dies hier aber ihr alltägliches Restaurant sein.

  

Und auch wenn der Tag, im Vergleich zu den vorherigen, keine sonderlich hohen Dichte an Highlights bieten kann, sind wir doch froh über diesen. Wir haben einige Punkte gesehen, die wir gedanklich schon gestrichen haben, das Wetter war beinahe perfekt und wir hatten insgesamt sehr viel Spaß. Das Gjáin Valley hat uns nachhaltig beeindruckt und wird noch lange in unseren Erinnerungen bleiben.

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