Da uns, wie berichtet, der fehlende Ersatzreifen unseres Autos einen Strich durch die Rechnung macht, mussten wir das Programm dieser Tage etwas umbauen. Eigentlich wären heute nämlich erst die Wasserfälle auf dem Weg ins Hochland geplant, die wir gestern ja bereits teilweise gemacht haben.
So beschließen wir uns heute doch bereits auf den Golden Circle (isländisch: Gullni hringurinn) zu begeben. Und keine Angst, heute gibt es noch einmal eine gewaltige Flut an genialen Landschaftsaufnahmen 🙂
Der Golden Circle ist quasi die beliebteste Route in Island. Hier findet man am meisten Touristen und das hat einen einfachen Grund: wir sind mittlerweile so nahe an Reykjavik, dass man hier her an einem Tag mit dem Bus fahren kann. Auf dieser Route liegen die ganz großen Naturwunder Þingvellir, Gullfoss und der Geysir bzw. sein kleiner Bruder Strokkur.

Doch alles der Reihe nach, denn zuerst gehen wir Frühstücken. Da es hier in unserem Übernachtungsort Fludir wirklich nichts gibt, sind wir froh darüber, dass bei unserem Guesthouse ein Frühstück inkludiert ist. Gemessen am Zimmer haben wir uns nicht viel erwartet, aber das Buffet war ausreichend und die Gastgeberin extrem bemüht alles schnell nachzulegen. Ein Pluspunkt an dieser Stelle.

Heiße Wasserfontänen

Gleich danach machen wir uns zu jenem Spot auf, an dem wir die meisten Touristen erwarten, dem „Geysir“. Ja der Geysir heißt einfach „Geysir“. Und nein die Isländer sind nicht so unkreativ in der Namensgebung sondern dieser ist tatsächlich jener Geysir von dem alle anderen ihren Namen haben. Ironischer Weise ist der „Geysir“ aber mittlerweile etwas altersschwach und bricht nur noch sehr selten aus, was man von seinem kleineren Bruder, dem „Strokkur“ nicht behaupten kann. Dieser sollte eigentlich alle 10 Minuten Dampf und Wasser spucken. Bei unserem Besuch waren es aber eher zwischen 1-5 Minuten. Ein wahres Feuerwerk für Geysirjunkies also 😉

Die Ausbrüche von „Strokkur“ sind überhaupt nicht mit jenen des Old Faithful zu vergleichen. Bei diesem, weltweit wohl bekanntesten Geysirs im Yellowstone Nationalpark in den USA waren wir ja erst vor 2 Jahren. Wir können also den Vergleich wagen.
Old Faithful bricht deutlich seltener, aber dafür gewaltiger aus. Der Ausbruch des Strokkur dauert nur einige Sekunden und ist eher eine Wasserdampfexplosion. Man muss also schon sehr schnell sein um ein gutes Bild zu bekommen, während das bei seinem US Freund kein Problem ist.

Der richtige Moment ist entscheidend. Hier kurz vor dem Ausbruch:

Und dann in voller Größe:

Mit den umliegenden Pools lässt er sich auch gut in Szene setzen. Es macht ungeheuer Spaß hier zu fotografieren. Das Gebiet ist übersichtlich und es sind kaum Leute hier:

In dem Gebiet gibt es auch es auch noch einige weitere Dampfquellen und Pools die wir uns in Ruhe ansehen. Wie gesagt ist das alles absolut kein Vergleich zum Yellowstone. Solche Quellen würden dort vermutlich nicht einmal groß auffallen 🙂

Besonders schön waren die Beschriftungssteine für die beiden Geysire. Das sollten sie in den USA auch so machen 🙂

Ein berühmter, gewaltiger Wasserfall

Weiter ging es dann zu eine der berühmtesten Wasserfälle Islands, dem Gullfoss. Praktischerweise liegt dieser nur 10 Fahrminuten entfernt, weshalb er ebenfalls Touristenmassen anzieht. Und diese sind hier auch zu sehen. In einer unendlichen Schlange an Touristen, die aus einem Bus nach dem anderen ausgespuckt werden schieben sich Menschen aus aller Welt die Plattformen entlang. Das sind die kleinen Punkte die aussehen wie Ameisen neben dem gewaltigen Wasserfall, der sich über zwei Stufen die noch dazu versetzt zueinander liegen, in den Canyon ergießt.

Wir haben aber mittlerweile gelernt diese etwas zu ignorieren und so baut Gerald auch hier in Seelenruhe sein Stativ auf. Je nach Nationalität bekommt dieser Vorgang mal mehr und mal weniger Respekt. Insgesamt weichen die Leute aber zurück und halten Respektabstand. Sieht ja doch etwas professioneller aus 😉 Achtung: Bilderflut 🙂

Und hier das Ende vom Wasserfall:

Totgesagte Wasserfälle leben länger

Nach einigen Bildern aus allen Blickwinkeln fahren wir die Straße wieder zurück. Erst am Abend vorher hat Gerald im Internet gelesen, dass der nächste Punkt nun doch wieder erreichbar ist. Es handelt sich um den Bruarfoss, einem Wasserfalls der vor einigen Jahren einen richtigen Hype in den sozialen Medien ausgelöst hat. Daraufhin pilgerten tausende Instagrammer auf der Suche nach dem Perfekten Bild durch eine Ferienwohnhausanlage und hinterließen dort nicht nur ihren Müll und Zerstörung, sondern leider auch ihr Geschäft. Für uns ist diese Respektlosigkeit gegenüber einem fremden Land, der Umwelt und anderen Menschen gegenüber völlig unverständlich und so war es für uns auch ok, dass die Anrainer die Zufahrt gesperrt haben.

Ich (Gerald) strich diesen Punkt von der Liste. Doch wie bereits erwähnt gibt es mittlerweile wieder einen legalen Weg zum Wasserfall zu kommen. Dieser ist jedoch mit einem 1 stündigen Walk durch Felder, Schlamm und Steinen am Fluss verbunden. Wir haben viele Leute beobachtet die, wohl von GoogleMaps geleitet, am Parkplatz ausgestiegen sind und nach dem Lesen der Trailtafel einfach wieder gefahren sind. Einen kurzen Walk will dann also doch keiner auf sich nehmen.
Die wenigen die den wirklich tollen und mittlerweile gut angelegten Weg auf sich nehmen, erwartet ein unglaubliches Naturschauspiel. Bereits am Weg liegt der Midfoss, an dem man bereits die tolle Farbe des Wassers erkennen kann. Und ja, diese war wirklich so!

Der Bruarfoss selbst stürzt mehreren Stufen von zwei Seiten eine Kante hinunter und ergibt so einen Wasserfall, den man wohl nicht alle Tage sieht. Für mich (Gerald) einer der schönsten bisher:

Am Rückweg legen wir noch einen kleinen Stopp für ein Fotoshooting ein 😉

Nach dem Rückweg in der prallen Sonne sind wir etwas erledigt und fahren erst einmal wieder ins Restaurant vom Geysir um einen Kaffee und einen Schokokuchen zu essen, der vermutlich 10 mal mehr Kalorien hat, als wir gerade verbrannt haben. Aber es ist ja Urlaub, richtig? 😉

Zurück Richtung Hochland

Es ist zwar schon spät aber Gerald möchte noch unbedingt zwei Punkte am Rande des Hochlands nachholen. Beide sollten ohne große Dirtroadfahrten erreichbar sein.
Nach einer 45 minütigen Fahrt durch unglaublich tolles Gelände erreichen wir die Wikingersiedlung mit dem klingenden Namen „Þjóðveldisbærinn“. Eigentlich handelt es sich dabei um den Nachbau einer Siedlung die hier in der Nähe gefunden wurde. Es ist normalerweise ein Museum mit ordentlich hohem Eintritt, das aber mittlerweile geschlossen hat. Und so befinden wir uns hier auch völlig alleine. Natürlich können wir deswegen nicht das Innere der Hütten besuchen, aber das soll auch nicht so aufregend sein.

Wir laufen auf dem kleinen Gelände herum und bestaunen die Baukunst der alten Häuser. Weil die ersten Wikinger das dicht bewaldete Island komplett abgeholzt haben, hatten es ihre Nachfahren sehr schwer an Bauholz zu kommen. Daher mussten die alten Siedler kreativ werden und bauten ihre Häuser aus Erde und Gras. Nur wenige Holzstämme, meist Treibgut, dienten als Stütze. Heute ergibt dies das romantische Bild von grasüberwachsenen, niedlichen Häusern. Aus Erzählungen weiß man aber, dass die Lebensbedingungen alles andere als toll waren. Vor allem die Feuchtigkeit und damit Schimmelbildung war ein großes Problem. Sehr alt wurden die damaligen Menschen hier sicher nicht.

Dieser Ort ist wieder mal bekannt geworden durch die HBO Serie „Game of Thrones“, wo die Wildlings ein Dorf südlich der Wall überfallen. Man beachte auch den Wasserfall im Hintergrund, der zu unserem Besuch leider wenig Wasser führte und somit nur schwer zu erkennen ist.

Wir nutzen den Parkplatz um mal ein Foto von unserem Auto mit viel zu kleinen Reifen zu machen. Sieht schon lustig aus 🙂

Ein Wasserfall ganz für uns alleine

Langsam aber sicher neigen sich die Wasserfälle dem Ende zu und so ist der folgende bereits der vorletzte Wasserfall unserer Reise 🙂

Weiter geht es also zum nahe gelegenen Hjalparfoss, bei dem die Zufahrtsstraße nicht mehr ganz so toll ist. Mit keiner Chance auf einen neuen Reifen treibt das den Puls ganz schön in die Höhe und wir haben Mühe den Wagen zwischen den spitzen Steinen hindurch zu manövrieren. Wir schaffen es aber zum Parkplatz und sind hier nach wenigen Minuten ganz alleine.
Der Wasserfall selbst ist nicht umwerfend, aber die Umgebung in der dieser liegt macht ihn zu etwas Tollem. Man kann hier bis an das Wasser hinunter gehen und ihn aus allen Winkeln fotografieren. Und so genießen wir die Ruhe, lauschen dem Rauschen des Wasserfalls und machen Fotos. Ein herrlicher Ort.

Kleiner Funfact: ohne es zu wissen wo dieser Ort ist habe ich kurz vor unserem Urlaub von genau hier ein Hochzeitsfoto gesehen. Es gibt also wirklich Bräute die sich mit ihrem Hochzeitskleid hier raus ins Niemandsland trauen 😉

Erst eine halbe Stunde später treffen einige Autos ein die wohl gerade aus dem Hochland zurückkommen. Da es uns hier nun zu laut wird, treten wir den Rückzug ins Hotel an.

Dort essen wir eine sehr gute Pizza im nahegelegenen Restaurant „Mika“. Das ist zwar die teuerste Pizza unseres Lebens, da sie aber sehr groß ist können wir uns eine teilen. Das macht das Ganze wieder erschwinglich 😉

Abgesehen davon war die Pizza wirklich extrem gut.

Ein letztes Mal durch die isländische Nacht

Spät in der Nacht fahre ich (Gerald) dann noch einmal raus zum Geysir, da sich endlich einmal ein Sonnenuntergang am Himmel abzeichnet. Dieser findet auch statt, ist aber alles andere als spektakulär und nach 30 Minuten auch schon wieder vorbei.
Eher schön ist das Licht direkt vor dem Sonnenuntergang. Irgendwo im Nirgendwo halte ich einfach an, denn diese Szene musste ich erstens minutenlang in Stille und alleine genießen und zweitens natürlich festhalten. Es ist einer dieser Momente im Leben wo man ganz alleine mit seinen Gedanken ist. Kein Tier, kein Mensch und kein Geräusch ist zu hören. In solchen Momenten bin ich dankbar genau hier sein und das alles erleben zu dürfen.

Irgendwann zwingt die isländische Kälte einen aber doch wieder ins Auto zurück und so fahre ich nochmals zum Geysir bzw. Strokkur von heute früh. Überraschenderweise sind jetzt deutlich mehr Leute hier als noch vor einigen Stunden. Es sind wieder US Amerikaner die einfach in ihrer Zeitzone bleiben und vermutlich erst vor kurzem aufgestanden sind.

Ich wiederhole mein Lieblingsbild von heute Früh bei zwei verschiedenen Pools und ich muss sagen, dass mir hier die Simplizität, besonders im zweiten Bild, besser gefällt.

Und dann habe ich doch noch Glück und die Sonne schafft es ein bisschen rotes Licht an die Wolkendecke zu werfen, während Strokkur unaufhaltsam eine Fontäne nach der anderen ausspuckt.

Mittlerweile gibt es schon ein paar Minuten Nacht und als das Licht verschwindet, bleibt für mich nichts mehr zu tun als zurück ins Guesthouse zu fahren. Unser letzter voller Tag in der Natur geht damit zu ende. Morgen werden wir uns bereits auf den Weg nach Reykjavik machen. Aber keine Sorge, es sind noch einige Tage offen und wir werden noch sehr viel erleben 🙂

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