Island Tag 8 – Reifenschaden! Ein einsamer Tag im Fjord

Der Tag beginnt diesmal wieder mit einem Frühstück im Hotelzimmer. Denn irgendwie gelingt es uns nicht, hier in der Stadt ein Cafe zu finden, dass bereits um 7 Uhr öffnet. Und weil heute die Sonne bereits in der Früh beim Fenster herein lacht, wollen wir den Tag nutzen und nicht aufs Frühstück warten. Also schnell im Hotel einen Kaffee besorgt und eine Kleinigkeit gegessen. Auschecken und auf geht’s hinein in einen neuen Tag. Dem Hotel werden wir wohl eher nicht nachweinen 😉

Oh Stopp – Sprit brauchen wir auch ab und zu. Das geht übrigens, wie fast überall schon üblich an Automatentankstellen. Die Kulisse ist natürlich ein Wahnsinn 🙂

Schnee im Hochsommer

Gestern haben wir ja aus Zeitmangel den Hengifoss nicht mehr geschafft, aber auch heute wollen wir diesen nicht nachholen. Es würde eine Stunde Umweg bedeuten und wir haben heute noch eine weite Strecke vor uns. Insgesamt müssen wir am Ende vom Tag im Süden, genauer in dem Dörfchen Höfn sein. Die Strecke dorthin führt durch einen Fjord nach dem anderen, die gemeinsam auch die Ostfjorde genannt werden. Wir wollen aber noch zusätzlich zu jenen die man gezwungenermaßen fahren muss, welche dazu nehmen. Heute ist sozusagen der Weg das Ziel, anstatt wirkliche Spots zu haben die anfahren.

Und so fahren wir erst einmal in Richtung des kleinen Dorfes Norðfjörður, das in Mitten einer wunderschönen Bucht liegt. Bevor wir jedoch dort ankommen, nehmen wir einen Umweg über eine kleine Gebirgsstraße. Hier fließt ein Gebirgsbach nach dem anderen in kleineren Wasserfällen die Hänge hinab. Wir genießen die Sonne und wandern ein bisschen umher.

Irgendwie fühlen wir uns wie in den tiefsten Alpen von Österreich. Sogar Schnee liegt hier stellenweise noch herum.

Für wirklich gute Bilder ist es aber, ironischerweise zu sonnig. Das harte Licht und der Schatten machen es fast unmöglich hier einen Wasserfall gut in Szene zu setzen.

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Norðfjörður geht es über die Straße 92 in das noch kleinere Dorf Reyðarfjörður. Hier gibt es einen Kronan, in dem wir noch einmal unsere Vorräte aufstocken wollen. Da dieser aber erst um 11 Uhr öffnet, spazieren wir noch im Hafen herum. Und genau hier sollten wir heute noch einmal ungeplanterweise her kommen.
Normalerweise würde man nun den recht neuen Tunnel benutzen und auf der Ringstraße den Fjord abkürzen. Wir wollen aber die alte Umfahrungsstraße 955 verwenden, die einen um die gesamte Landzunge führt. Was wir nicht wussten ist, dass diese Straße in einem sehr schlechten Zustand ist. Asphalt wechselt sich mit Schottersteinen ab. Die Aussicht ist aber genial:

Und dann macht es „Puff“

Auf den letzten Metern der unbefestigten Straße passierte es dann. Wir hörten auf einmal einen lauten Knall, dem schnell ein Warnton unseres Autos folgt. Und dann hört man von hinten auch schon das verdächtige Geräusch eines zerstörten Reifens. Wir hatten Glück im Unglück, denn genau an dieser Stelle gab es eine Parkbucht am Straßenrand und so mussten wir nicht auch noch die Straße blockieren. Als wir aussteigen, erhärtet sich unser Verdacht. Der rechte hintere Reifen ist komplett hinüber:

Ein riesiger Stein hat ein etwa 5×5 cm großes Loch in den Reifen gerissen. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: dieser Stein hat sich durch den Mantel geschlagen und ist nun im Reifen drin.

Direkt hinter uns folgt uns ein Auto, das wir spontan anhalten. Wir erzählen kurz was uns passiert ist und es stellt sich schnell heraus, dass die beiden Deutsche sind. Sie sind sehr nett und sichern uns zu uns gerne erst einmal zu helfen.
Natürlich wäre der erste Gedanke: Ersatzrad. Doch dieses ist bei solchen großen Autos mittlerweile nicht mehr üblich. Stattdessen gibt es ein Reparaturkit, bestehend aus einem Kompressor und einem Gel, das in den Reifen gespritzt wird. Gut, das Loch ist gigantisch groß, aber versuchen kann und muss man es natürlich. Blöd nur, dass sich schnell heraus stellt, dass ein Werkzeug dazu fehlt, ohne dem wir nicht das innere Ventil entfernen können um das Gel in den Reifen zu bekommen. Die Vollständigkeit des Kits habe ich bei der Übergabe natürlich nicht in diesem Detail überprüft.

Somit haben wir erst einmal keine Chance in das nächste Dorf, und damit zu einer Werkstatt, zu kommen. Während unsere zwei netten Nothelfer auf der Suche nach Werkstätten in der Umgebung sind, rufen wir bei ProCar (unserem Vermieter) an. Hier werde ich erst einmal zu einem Notdienst vermittelt, der aber gerade Mittagspause macht. Er sichert mir zu, mich in spätestens 15 Minuten zurück zu rufen.
25 Minuten später kommt dann der Rückruf mit dem Hinweis ich solle doch das Gel verwenden. Ah geh? Ich sage natürlich, dass uns ein Werkzeug dazu fehlt. Er meinte er muss mit einem Mechaniker sprechen und rufe gleich zurück, was er auch tat. Sein Vorschlag war aber weiterhin, wir sollen es mit dem Gel probieren weil er kennt sich aus und so geht das immer. Ja vielleicht – aber nicht bei diesem Auto 😉

Nun es ging auch nicht, war aber eine riesige Sauerei. Wie soll ein dickflüssiges Gels in einer einfachen Flasche auch durch ein Autoreifenventil gepresst werden?
Ich gebe ihm zu verstehen, dass es nicht funktioniert und der Reifen derart beschädigt ist, dass nur noch ein Tausch hilft. Er wolle sich drum kümmern, dass jemand kommt.
Gute 30 Minuten später, und die Deutschen warten immer noch tapfer mit uns und sind uns eine moralische Hilfe, bekommen wir den Rückruf. Die Werkstatt im nächsten Dorf ist nicht besetzt, weil in diesem Dorf arbeitet kaum noch jemand. Die Werkstätten in dem Dorf aus dem wir kommen fährt nur 10 km weit und alle anderen haben keine Leute zur Verfügung.
Tja nun stehen wir da. Unser Vermieter ist ratlos und wir auch. Aber er wartet noch auf einen Rückruf von einer Werkstatt. Mit den Deutschen mitzufahren bringt nichts, denn das Auto muss dort weg und die Mietwagenfirma hat keine Ressourcen dafür ihn abschleppen zu lassen. Also kein Ersatzwagen für uns wie es normalerweise auf der ganzen Welt funktioniert.
Nachdem wir uns von unseren Helfern verabschiedet haben essen wir erst einmal etwas und langweilen uns dann. Zwar ist der Ausblick umwerfend aber nach einigen Stunden hat man dann doch alles gesehen und fotografiert 😉 Mit den beiden deutschen Touristen haben wir übrigens noch Nummern getauscht, denn sie wollten wissen wie es bei uns weiter gegangen ist. Danke an dieser Stelle allen Menschen die in solchen Situationen stehen bleiben und helfen.

Leider passiert auf dieser Straße nichts, denn es kommt vielleicht jede halbe Stunde ein Auto vorbei. Halt nein, das ist nicht ganz richtig. Nach einiger Zeit kommt auf einmal ein Reisebus und bleibt neben uns stehen. Duzende Touristen steigen aus und fotografieren 15 Minuten lang wirklich jede Blume und jeden Stein auf diesem Parkplatz. Zumindest das heitert uns auf und vertreibt wenigstens ein paar Minuten Zeit.

Geschlagene 3 Stunden später rufe ich nochmals beim Vermieter an und frage was aus dem Rückruf wurde. Jaja er werde nochmal alle anrufen. Nach insgesamt 5 Stunden kommt dann tatsächlich ein Mechaniker dem gesagt wurde wir hätten nur einen platten Reifen. Zum Glück stellt dieser schnell fest, dass der Reifen nicht zu reparieren ist. Leider ist es mittlerweile 17 Uhr und alle Lieferanten und Werkstätten schließen um 18 Uhr. Die Chance auf einen neuen Reifen mit dieser Dimension geht gegen 0.
Er nimmt den Reifen aber erst einmal mit in die Werkstatt, während sein Kollege einen passenden Ersatzreifen sucht. Da uns mittlerweile echt zu langweilig geworden ist, fahren wir mit ihm in das 35 Minuten entfernte Dorf mit.
Schon beim Einsteigen weißt er uns darauf hin, dass er unser Deutsch versteht, denn er kommt eigentlich aus Polen und hat dort Deutsch gelernt. Wir plaudern (auf Englisch) viel darüber wieso er hier arbeitet und, dass er wieder zurück will. „Island ist schön zu besuchen, aber nicht unbedingt zum Leben.“ Das permanent schlechte Wetter und die Dunkelheit im Winter sind laut ihm mühsam. Außerdem ist seine Familie noch in Polen und will auch dort bleiben.
So hat das Ganze noch etwas Gutes, denn wir lernen einiges über das Auswandern, Leben und Arbeiten hier auf der Insel.

In der Werkstatt dann nach einigem hin und her dann die Erlösung. Er montiert uns nun einen Reifen mit dem wir zurück fahren. Dann nehmen wir das Auto wieder in die Werkstatt mit und wir bekommen alle 4 Reifen neu, weil sie eben nur eine Dimension kleiner hätten. So könnten wir dann unseren Urlaub beenden.
Kurz bekommen wir einen Schock, denn für uns hört sich das nicht so an als würde das heute noch funktionieren. Denn eigentlich schließt die Werkstatt um 17 Uhr und es ist mittlerweile halb 6.
Er schüttelt aber den Kopf und meint, das ist gar kein Problem. Er hätte zwar einen Skypecall mit seiner Frau ausgemacht, aber er lässt uns jetzt hier nicht stehen. Die Erleichterung in diesem Moment war uns wohl anzusehen.

Ich kürze die Geschichte nun ab. Nach geschlagenen 8 Stunden sind wir wieder auf unserem ursprünglichen Weg in unser Hotel.
Aber nicht bevor wir die Rechnung begleichen durften. Denn ProCar hat ausrichten lassen, dass wir keinerlei Versicherung haben und sie das auch sicherlich nicht vorstrecken. Zu unserer Erleichterung handelt es sich aber „nur“ um umgerechnet 350€, denn die Reifen hat uns die Werkstatt geschenkt, nachdem sie hörten das wir das bezahlen müssen.
Wir werden nicht für die Werbung bezahlt, aber solltet ihr in den Ostfjorden ein Problem mit eurem Mietwagen haben, dann empfehle ich euch die Werkstatt „Launafl – Birfreiðaverkstæði“ in Reyðarfjörður.

Kleiner Blick in die Zukunft: die Reifen haben wirklich noch den gesamten Urlaub lang gehalten. Die Rechnung wurde uns bis heute nicht von Vermieter in vollem Umfang beglichen. ProCar hat jedoch keinerlei Probleme mehr verursacht.

Fahrt ins Hotel

Es ist mittlerweile 20 Uhr und der Checkin im Hotel endet um 21 Uhr. Uns trennt aber noch eine 3-stündige Fahrt von unserer Unterkunft. Also müssen wir dort auch noch telefonisch um eine Lösung bitten, was aber kein Problem ist.
Natürlich müssen wir nun alle geplanten Sehenswürdigkeiten auf der Strecke auslassen, was besonders Gerald hart trifft. Es waren nämlich einige sehr tolle Fotomotive dabei. Aber es hilft halt nichts, denn es ist nicht zu ändern.

Wer jetzt denkt, dass das Fahren in der Nacht im Sommer kein Problem ist, weil es eh nicht dunkel wird der irrt. Denn wie es das Glück so will ziehen im gesamten Osten gerade schwere Unwetter auf und so fahren wir durch eine Regenwand nach der anderen. Die Wolken sind so dick, dass es fast dunkel wie in der Nacht ist.
Trotzdem kommen wir sicher nach 3 Stunden pausenloser Fahrt in unserem Hotel an, wo uns der Schlüssel in einem Safe hinterlegt wurde.

Es handelt sich diesmal um eine alte umgebaute Milchfabrik, was sehr viel Charme hat. Da Zimmer ist doppelstöckig und obwohl nicht so gebucht, könnten noch 2 Personen hier schlafen. Auf den ersten Blick ein geniales Hotel, dass leider auf den zweiten Blick sehr abgewohnt ist. Aber egal, denn wir gehen sowieso sofort ins Bett.
Da das Zimmer eigentlich für 4 Personen ist, muss man die 320 Euro pro Nacht relativieren. Wir haben nur leider nichts anderes vernünftiges mehr bekommen. Trotzdem ist dieser Preis viel zu hoch und wir können nicht mehr als 4 von 10 Punkten vergeben. Das Frühstück am Folgetag sollte zwar genial aussehen, es findet aber in einem riesigen Raum statt. Das vermittelt maximal den Flair einer Jugendherberge und auch das Essen ist auf keinem sonderlich hohem Niveau.

Ein unglaublich ereignisloser Tag geht zu Ende an dem doch irgendwie viel passiert ist. Der Rat den wir euch an dieser Stelle geben möchten: vergesst diese Reparaturkits, denn die helfen maximal bei einem Nagel im Reifen. Und selbst dann müsst ihr erst einmal eine Werkstatt finden, was in großen Teilen von Island unmöglich ist. Bei einer wirklichen Reifenpanne ist ein echtes Ersatzrad unersetzlich und wahrscheinlich noch viel wichtiger als jede Bodenfreiheit oder 4×4 Antrieb. Wenn möglich, also ein Auto mit einem solchen mieten. In Zukunft verzichten wir wahrscheinlich sogar auf eine Kategorie und nehmen lieber ein kleineres Auto, dafür aber mit Reserverad.

Wir schlafen schnell ein und hoffen, dass wir alle Pannen des Urlaubs damit überstanden haben.