Unglaublich, aber wir wachen heute bereits am letzten Tag unserer Islandreise auf. So lange haben wir geplant, darauf gewartet, so viel erlebt und nun endet alles wieder bevor wir überhaupt realisiert haben, dass wir hier sind. Heute haben wir nicht mehr wirklich ein geplantes Programm und daher lassen wir den Tag ganz ruhig beginnen. Wir genießen ein ausgiebiges und hervorragendes Frühstück in unserem Hotel und packen dann ein letztes Mal unsere Koffer.

Beim zurück Fliegen ist das nicht wirklich problematisch. Es muss nichts kreuzt gepackt werden, da es nicht so schlimm wäre wenn ein Koffer auf der Strecke bleibt. Also wird alles eher schnell verstaut und darauf geachtet, dass das Gewicht nicht überschritten wird.
Das tolle an Island ist, dass wir die Koffer heute bedenkenlos im Auto lassen können. So brauchen wir uns nicht darum zu kümmern diese irgendwo sicher abzustellen. Wir checken also aus und nachdem wir das Auto noch kurz aufgeräumt haben fahren wir los.

Im Westen von Reykjavik

Ganz westlich in Reykjavik liegt die Halbinsel und Gemeinde Seltjarnarnes. Eine sehr hübsche, und wohl auch wohlhabende Vorstadt. Hier gibt es viel Grün, einige Häuser, einen kleinen See mit tausenden Vögel und einen gigantischen Golfplatz. Die meisten Besucher kommen jedoch für den Leuchtturm auf Grótta Island hier her. Diese kleine Insel ist eigentlich eine Halbinsel, die aber nur bei Ebbe zugänglich ist. Daher kann man sie schon als Insel bezeichnen 😉
Leider kommen wir genau einen Tag zu früh, denn im Frühling wird die Insel für die Brutsaison der Vögel hier gesperrt. Und so bleibt uns leider nur der Blick aus der Ferne, der aber auch nicht übel ist:

Wir spazieren fast um die gesamte Halbinsel, weichen dabei tödlich fliegenden Golfbällen und nicht weniger gefährlichen Vögeln aus und genießen die Ruhe des Morgens. Nur wenige Touristen und einige joggende Einheimische kommen uns entgegen und grüßen uns freundlich. Auf dem Rückweg finde ich (Gerald) einen kleinen Abstieg zum Meer. Da es gerade Ebbe ist, ist dieser nicht leicht zu bewältigen. Dafür stehen wir nun aber an einem einsamen Strand und können den Ausblick auf das Meer genießen.
Auch von hier aus sieht man den Leuchtturm auf der (Halb)Insel:

Wie aus dem Nichts taucht auf einmal ein Kreuzfahrtschiff, die Norwegian Spirit, auf.
Funfact zu diesem Schiff: es war 1998 das erste Kreuzfahrtschiff mit Hubschrauberlandeplatz, der bereits bei der ersten Testfahrt gebraucht wurde. Ein Besatzungsmitglied hatte einen Blinddarmdurchbruch und musste an Land gebracht werden.
Verglichen mit den gigantischen Kreuzfahrtschiffen am Mittelmeer oder den USA ist dieses aber eher klein:

Die Wärmequelle Reykjaviks

Auf der anderen Seite der Stadt befindet sich, neben der markanten Kirche von gestern, das wohl berühmteste Wahrzeichen Islands – Perlan. Dabei handelt es sich tatsächlich um einen Warmwasserspeicher, der die Stadt mit – Überraschung – warmen Wasser versorgt.
Die fünf noch in Betrieb befindlichen Tanks umfassen jeweils unfassbare 4 Millionen Liter Warmwasser mit einer Temperatur von 85°C, das völlig ohne Pumpen alle Haushalte in Reykjavik versorgt.

Und auch hier habe ich einen Funfact für euch: wusstet ihr, dass viele Gehwege und Straßen in Reykjavik im Winter beheizt werden, sodass sie nicht frieren? Das ist ein Luxus den man bei unbegrenzter vulkanischer Wärme hat 😉

Eigentlich wollten wir auf die Aussichtsterrasse des Perlan, aber scheinbar ist diese nicht mehr frei zugänglich. In dem Gebäude befindet sich ein tolles Museum aber für dieses haben wir heute leider nicht genug Zeit. Diese sollte man sich aber nehmen, denn der Eintrittspreis ist enorm hoch und zahlt sich nur aus, wenn man den ganzen Tag hier verbringt. Dieses Museum besitzt unter anderem einen künstlichen Geysir und Gletscher samt Eishöhle.

Da uns der Blick von der Terrasse verwehrt bleibt, spazieren wir rund um das Gebäude, dass sich auf einem Hügel direkt vor Reykjavik befindet und somit einen tollen Überblick über die Stadt bietet. Wir haben Glück und finden einen Platz, an dem sogar eine Sitzbank steht. Von hier aus kann man gut die Hallgrímskirkja erkennen.

Direkt unter uns (leider auf den Bildern nicht zu sehen) befindet sich außerdem der Flughafen Reykjavik von dem aus immer noch zahlreiche Inlandsflüge starten. Das Flugfeld wurde von den USA im zweiten Weltkrieg gebaut um eine Zwischenstation nach Europa aufzubauen. Erst später wurde dieser dann für die zivile Luftfahrt umgebaut.

Außerdem scheint hier ein Sportplatz eines Profivereins zu sein, denn uns kommen duzende junge Männer beinahe ohne Kleidung entgegen, die gerade ihre Laufrunden drehen. Bei nur 5-10°C Außentemperatur dann doch etwas frisch.

Einsames Gruselhaus

Leider ist es in dieser Gegend gar nicht einfach ein gutes Essen zu finden. Denn die Isländer essen zumittag eigentlich nicht wirklich. Wir ließen uns leider von den Bewertungen im Internet blenden und landeten in einem Restaurant, dass heute nur ein Buffet hat. Dieses ist eher auf Bauarbeiter ausgerichtet und ziemlich durchschnittlich. Egal, Hunger haben wir zumindest keinen mehr 🙂

Jetzt geht es bereits auf in Richtung Flughafen. Direkt neben der Hauptstraße gibt es noch einen Spot an dem ich unbedingt stehen bleiben will. Aber schon die Zufahrtsstraße löst in uns Flashbacks an unseren Reifenschaden aus. Wir schaffen es dann aber doch zum Parkplatz vor dem Haus und sind uns nicht wirklich sicher ob wir hier sein dürfen. Nur vereinzelt fahren Autos zu den weiter dahinter liegenden Häusern.
Wir wandern ein bisschen um das Haus, bei dem es sich eigentlich um ein Atelier handelt, herum. Jene Spots die ich heraus gesucht habe sind nicht wirklich zugänglich. Der Boden unter unseren Füßen wird immer weicher und wir haben Angst irgendwann ins Meer zu fallen. Ich finde dann aber doch einen genialen Spot und bin mehr als zufrieden mit dem Bild das hier entsteht:

Nach einem schnellen Kaffee wollen wir uns hier aber nicht länger aufhalten, denn der Himmel ist mittlerweile sehr bewölkt und der Wind hat stark zugelegt, sodass uns etwas frisch wird.

Die berühmteste Therme der Welt

Da noch ein bisschen Zeit übrig ist, beschließen wir uns noch die Blue Lagoon von außen anzusehen. Diese Therme, die mittlerweile sogar ein Hotel, ein Forschungszentrum, eine Klinik und eine eigene Pflegeproduktlinie hat, wurde in den letzten Jahren immer berühmter und wird mittlerweile von Millionen Touristen besucht.

Dabei entstand dieser Ort eigentlich zufällig. Die Abwässer des Geothermalwerks wurden einfach hier in das Lavafeld geleitet. Über viele Jahre was es ein Treffpunkt und Ort der Entspannung für die Einheimischen. Bis irgendwann jemand auf die Idee gekommen ist, das ganze zu vermarkten und Eintritt zu verlangen. Eine wortwörtliche Millionenidee. Denn die Nähe zum Flughafen ermöglicht einen Besuch sogar bei einem Stopover.

Das Wasser mit den enthaltenen Algen hat offenbar solche Heilkräfte, dass hier sogar eine Klinik gegen Schuppenflechte gebaut wurde.
Wirklich berühmt wurde diese Therme aber wegen dem blau-weißem Wasser, dass von Kieselalgen und Mineralien in dem Salz-Süßwassergeschmisch stammt.  Da das Abwasser des Kraftwerkes nicht mehr ausreicht, gibt es mittlerweile eine eigene Quelle nur für das Thermenwasser.

Jetzt aber der Grund wieso hier so viele Menschen her kommen:

Und der Grund wieso wir nicht rein gehen? Wir haben leider keine Zeit dafür und der Eintritt ist unverschämt hoch. 50 Euro kostet der Tageseintritt pro Person, und dann muss man sich das Becken mit tausenden Touristen teilen. Nicht ganz das wonach wir nach zwei anstrengenden Wochen suchen 😉

Die Abreise

Zwar ist es noch sehr zeitig, aber wir sind uns sehr unsicher wie die Mietwagenrückgabe funktionieren wird. Daher entscheiden wir uns jetzt schon zum Flughafen zu fahren. Wir tanken noch schnell das Auto voll und fahren dann zu unserem Autovermieter.

Wie zu erwarten war, müssen wir hier erst einmal erklären wieso unser Auto vier viel zu kleine Reifen hat 😀 Dazu wird sogar der Supervisor geholt, aber es ist im Endeffekt kein Problem und wir haben einige Wochen nach unserem Urlaub auch alle Kosten ersetzt bekommen. Kommentar des Supervisors „Normalerweise verrechnen wir einen neuen Reifen, aber ihr habt ja nun 4 neue Reifen gebracht. Wir sind quitt.“ 😉

Allerdings wird bei der Inspektion bei jeder kleinen Delle davon ausgegangen, dass wir das waren. Zum Glück haben wir bei der Abholung des Wagens so viele Bilde gemacht, dass ich jeden einzelnen Schaden belegen kann. Und so werden wir nach einer halben Stunde mit dem Shuttle zum Flughafen verabschiedetet. Puh – nochmal gut gegangen. Wir lernen aber eindeutig aus diesem Urlaub, dass wir nur noch bei großen Mietwagenunternehmen buchen und enorm viel Wert auf den Ersatzreifen legen. Außerdem muss man sich viel Zeit bei der Abholung nehmen und jeden noch so kleinen Kratzer und Delle fotografieren. In wenigen Wochen fliegen wir nach Südafrika und werden dort diese Strategie ein erstes Mal durchziehen 😉

Am Flughafen Keflavik können wir bei der Austrian Airlines als einzige (!) Airline unseren Koffer noch nicht aufgeben.

Erst 1,5 Stunden vor dem Flug, der kurz vor 1 Uhr abhebt, öffnet der Schalter. Bis dahin sitzen wir im öffentlichen, unbequemen Bereich des Flughafens und schauen stundenlang Serien auf unserem Tablet. Nur unterbrochen von einem HotDog, der gar nicht mal so übel ist. Der Flughafen in Keflavik enttäuscht uns sehr. Für die Menge an Menschen die hier abgefertigt wird, sollte dieser eindeutig renoviert werden.

Unser Flug hat dann leider auch noch eine halbe Stunde Verspätung weil der Zugwagen am wiener Flughafen kaputt ging und das Flugzeug quasi als Geisel genommen hat 🙂 Irgendwann beginnt aber dann doch das Boarding:

Das Gute an der Austrian Airlines ist, dass sie Verspätungen einfach durch ein höheres Tempo aufholen. Und so landen wir, nach einem Sonnenaufgang über den Wolken ziemlich pünktlich in Wien.

Wie es sich für einen Urlaubsflieger gehört, parkt dieser am hintersten Ende des Airports und wir werden mit Bussen zum Terminal gebracht.

Ein Urlaub mit unglaublichen Eindrücken geht zu Ende. Wir haben Dinge gesehen, von denen wir bis heute nicht glauben können, dass es sie gibt. Und ja das Wetter hat mit uns gemacht was es wollte und uns so einige Tage durcheinander gebracht, aber das war es wert. Die Kälte und der Regen sind schnell vergessen und tragen sogar zu der Magie dieses Ortes bei.
Mir als Fotograf ist nun klar, wieso diese Insel als Pflichtprogramm für jeden zählt der Landschaftsfotografie nur irgendwie ernst nimmt. Aber auch ohne Kamera ist die Lebensweise, Gesellschaft, Natur und auch das Wetter die Reise wert.
Vor allem, oder gerade weil wir aus Mitteleuropa wirklich keine lange Anreise haben. Wir bedanken uns mal noch nicht fürs mitreisen, denn es folgt natürlich noch ein Fazit 🙂