Island Tag 11 – Berühmter schwarzer Sandstrand und ein Flugzeugwrack

Leider zum letzten Mal genießen wir das Frühstück im Fosshotel Glacier Lagoon.

Kurz darauf müssen wir auch schon unsere Koffer packen und mit einem weinenden Auge auschecken. Allerdings liegt noch so viel vor uns, also los geht es über mehrere einspurige Brücken. Diese sind hier übrigens eher die Regel, als die Ausnahme.

Viele Touristen machen sich vorher Sorgen wie das denn funktioniert. Dabei ist es eigentlich ganz einfach: wer zuerst an die Brücke kommt, hat Vorrang. Was so wunderbar überall auf der Welt funktioniert, würde in Deutschland und Österreich vermutlich zu regelmäßigen Schlägereien führen.
Die Tafel ist übrigens wieder ein Beispiel wie stark skandinavische Sprachen mit Deutsch verwandt sind. Man muss nur den Text lesen und man versteht im Kontext sogar das Wort. Ist halt eine „einbreite Brücke“ 😉

Kurze Zwischenstopps entlang des Weges

Unser erster kurzer Stopp ist ein Spot mit Lacken (Pfützen), Wollgras und einem Berg im Hintergrund (der Lómagnúpur). Eigentlich wollte ich (Gerald) hier das Wollgras in Szene setzen. Das Wetter dafür wäre perfekt. Zu perfekt leider, denn bereits als wir aus dem Auto steigen überfallen uns tausende kleine Mücken. Diese Midges haben wir bereits in Myvatn erwartet, wo sie uns aber verschont haben.
Die Mücken tun niemanden etwas, wollen aber in Nasen, Ohre und Mund fliegen. Wenn davon dann tausende auf einen zukommen kann man nur noch die Flucht ergreifen. Ursprünglich aus Schottland stammend, wurden diese nach Island eingeschleppt und sind hier mittlerweile eine Plage. Leider werden uns diese Tierchen noch den ganzen Urlaub begleiten.

Und so mache ich nur kurz ein Bild und wir flüchten wieder zurück ins Auto.

Die nächsten zwei Punkte sind Opfer des isländischen Massentourismus. Die grasbewachsenen Häuschen „Núpsstaður“ waren bis vor kurzem noch zugänglich. Nun hat der Landeigentümer allerdings das Gelände für Touristen gesperrt.
Ähnlich erging es dem Foss á Síðu, der sich ebenfalls auf Privatgelände befindet. Da sich ein Wasserfall aber schwer verstecken lässt, wird die Sperre einfach zur Bildkomponente 😉

Justin Bieber und ein Canyon

Nein das hier wird nun nicht zu einem Musikblog und nein ich werde auch keine Videos vom ihm verlinken 😉 Was hat also ein Canyon in Island mit diesem Musiker zu tun?
Nun ganz einfach. Dieser hat vor einigen Jahren hier ein Musikvideo gedreht und dabei unzähligen Locations zur Berühmtheit verholfen (zwei davon sehen wir heute). Wegen diesem Video pilgern immer noch Millionen Fans hier her und versuchen die Szenen nachzustellen. Das fordert natürlich einen Tribut an der Natur und so werden viele dieser Orte entweder verwüstet oder gesperrt. Unglaublich welche Auswirkungen Stars heutzutage haben können an die man zuerst gar nicht denkt.

Jedenfalls gibt es da diesen leicht auszusprechenden Canyon – Fjaðrárgljúfur. Hier stand Herr Bieber singend an einer Kante. Und weil das Tausende ebenfalls machen wollten war der Canyon bis vor wenigen Tagen vor unserem Urlaub noch gesperrt. Zu schwerwiegend waren die Zerstörungen der Natur. Wir wollten zwar nicht unbedingt dorthin, aber nachdem sich uns diese Möglichkeit bot, ergriffen wir sie.

Nach einer etwas mühsamen Anfahrt bis zum Parkplatz nahmen wir die kurze, aber extrem steile Wanderung auf uns. Nunja, nicht nur, dass es uns Tausende gleich taten, nein es war auch nicht besonders schön. Der Weg ist klar abgegrenzt und man geht auf Matten eine Wiese hinauf. An den guten Spots ist alles abgesperrt und man sieht quasi nichts.
Ich glaube man kann sich das gar nicht vorstellen wenn man nicht vor Ort war. Aber es gibt unzählige Leute für die Absperrungen kein Hindernis sind. Das ist so schlimm, dass sie die wirklich berühmten Spots sogar mit Stacheldraht (!) sichern mussten:

Wir sind erschüttert von so viel Ignoranz und zu was diese führt. Einige wenige Menschen nehmen jenen nach ihnen die Möglichkeit diese Erfahrung ebenfalls zu machen. Vermutlich ist dies einfach unsere Welt. Die Natur zu schützen macht man nur solange es politisch „cool“ ist. Aber wer sind denn diese Staaten die einem vorschreiben wohin ich zu gehen habe? Ich habe Urlaub und dafür bezahlt, also gehe ich hin wohin ich will. Weil wenn es zerstört ist, ist es mir egal – ich war ja schon da.
Ein dickes Dankeschön an all diese Leute :/

So genug der Aufregung. Wir sind leider trotzdem nicht sehr begeistert. Denn es kommt noch der das harte Licht dazu, das bei Canyons nie ein gutes Bild abgibt.

Einzig belustigend waren die Teenies die hier tatsächlich standen und lauthals die Songs ihres Idols gesungen haben. Muss man sich auch mal trauen 😉 Und so machen wir uns sehr schnell wieder auf den Rückweg und können auch allen nur empfehlen den Canyon auszulassen.

Vertrocknete Lavafelder

Keine 20 Fahrtminuten später erreichen wir die Lavafelder von Eldhraun. Die gesamte Gegend hier wurde bei einem Vulkanausbruch mit Lava überflutet, wobei sich Lavafelder aus abgerundeter Lava bildete. Diese wird mittlerweile von Moos überwachsen. Ein Tritt darauf zerstört die Natur nachhaltig für mehrere Jahrzehnte. Also bitte sein lassen!
Es gibt aber eine kleine unscheinbare Stelle an der ein Trail angelegt wurde. Hier kann man ein Stück durch die Lavafelder gehen. Wir haben uns hier eigentlich saftig grün leuchtende Moosfelder erwartet.

Bekommen haben wir aber eine völlig ausgetrocknete Lavawüste und Busladungen voller Touristen.

Ob diese wegen der längeren Dürre so aussehen, oder generell im Sommer nie grün sind wissen wir nicht. Wir flüchten jedenfalls vor dem laut schreienden Touristen schnell wieder ins Auto und fahren weiter.

Einsames Picknick

Nach so viel Tourismus brauchen wir jetzt erst einmal eine Verschnaufpause, die wir hoffen beim nächsten Spot zu finden. Der Uxafoss liegt gleich vor dem Dorf Vik, dass eigentlich eine Touristenhochburg ist. Wie so oft konzentrieren sich diese aber auf die Spots die in jedem Reiseführer stehen. Und so kennen wohl die wenigsten diesen Wasserfall. Wir können ganz alleine und in Stille unser Mittagessen genießen.

Vik – Zentrum des Tourismus im Süden

Das gesamte Dorf ist auf den Tourismus ausgelegt. Den besten Supermarkt unserer Reise, mehrere Tankstellen, Outdoorgeschäfte und natürlich unzählige Hotels findet man hier. Und dementsprechend laut und wild geht es hier auch zu. Wir nutzen die Chance und füllen unsere Vorräte auf, bevor wir zum Strand hinunter gehen.

Der schwarze Sandstrand ist unfassbar lang und es ist schon fast schade, dass es hier, auf Grund der Temperaturen und Brandung, keinen Badetourismus geben wird.

Wir schlendern diesen entlang und haben von hier auch einen tollen Blick auf die Kirche von Vik, quasi das Wahrzeichen.

Berühmtester schwarzer Sandstrand der Welt

Berühmt, aber auch gefährlich ist er, der Reynisfjara Beach. Aber vielleicht verdankt er seine Berühmtheit auch seiner Gefährlichkeit? Wir wissen es nicht 🙂
Direkt am Strand gibt es einen gigantischen Parkplatz für hunderte Autos und nochmal so viele Busse. Wir erwarten wirklich jederzeit das Disneylogo zu erblicken und eine Mickey Maus die Strandburgen für Touristen baut und für ein paar Dollar für ein Foto posiert.

Ganz so schlimm ist es dann aber doch nicht und wir gönnen uns erst einmal einen Kaffee und Kuchen. Etwas akklimatisiert spazieren wir dann zum Strand runter und sind tatsächlich begeistert. Zu unserer Rechten geht der Strand scheinbar unendlich lang in die Ferne, während zu unserer Linken gigantische Basaltsäulen eine Hochebene tragen. Vor uns schmettern die Wellen die weiße Gischt an den schwarzen Sand und man blickt hinaus auf den unendlichen Atlantik.

Berühmt ist hier vor allem eine Höhle aus Basaltsäulen. Wieso, können wir nicht ganz nachvollziehen. Zwar ist diese beeindruckend, aber tausende von Touristen? Da gibt es in dieser Umgebung wirklich bessere Sehenswürdigkeiten 🙂

Obwohl die Decke der Höhle schon cool ist:

Gleich nach der Höhle ist übrigens kurz nach unserem Urlaub (August 2019) der halbe Hang abgerutscht. Gott sei Dank war der Strand er zu diesem Zeitpunkt schon gesperrt, denn sonst hätte es wohl einige Tote gegeben. Der Strand ist seitdem ab der Höhle gesperrt und wird wohl auch dauerhaft so bleiben.

Der Blick zurück an den Strand verdeutlicht die Touristenmassen:

Die Sperre ist schade, denn gerade hier hinten befindet sich das wahre Highlight in unseren Augen. Bei Ebbe kann man nämlich an einen kleinen abgelegenen Strandteil klettern und hat von hier einen perfekten Blick auf die Basaltfelsen, die Reynisdrangar genannt werden.

Dieser harmlos aussehende Strand mit den kleinen Wellen ist es auch was diesen Ort so tödlich macht. Denn der Strand fällt hier sehr flach ab und es kommt immer wieder zu Wellen die bis an den Felsen heran reichen. Touristen die dann bei der Höhle sind haben kaum eine Chance und werden ins Meer gezogen. Die starken Strömungen verhindern, dass man zurück schwimmen kann und das eiskalte Wasser tut sein übriges. Wer das sehen will, braucht nur den Namen in Youtube eingeben.

Trotz der vielen Warnhinweise ist es den meisten Touristen egal. Die meisten stehen unbekümmert mit dem Rücken zum Meer ohne eine Person die die Wellen beobachtet (niemals, niemals, niemals machen!) und die ganz Dummen spielen Fangen mit den Wellen. Dabei ist es nicht nur ihr Leben, das sie riskieren. Helfer müssen ausrücken und riskieren dabei auch ihres. Das ist dumm und absolut nicht notwendig. Also ebenfalls nicht machen! 🙂

Damit es aber hier nicht ganz zu einer Lehrstunde abdriftet, noch etwas erfreuliches. Jetzt checken wir nämlich im teuersten Hotel unserer Reise ein. Ok das ist an sich noch nicht erfreulich 😀 Dabei handelt es sich eigentlich gar nicht um ein Hotel sondern eher ein Haus. Die Black Beach Suites sind mit 350€ pro Nacht wirklich ein Luxus. Aber diesen bekommt man dann auch:

Parkplatz vor der Tür, ein Vorzimmer das in ein riesiges Bad und einen Wohnraum mit Küche führt. Der Ausblick direkt auf den schwarzen Sandstrand mit Pferdekoppeln davor. Ein Traum wie man ihn sich gar nicht vorstellen kann. Trotzdem fehlt uns ein bisschen die Bewirtung eines Hotels und wegen dem Preis können wir hier nur 8 von 10 Punkten vergeben. Trotzdem bereuen wir keine Sekunde in diesem Hotel übernachtet zu haben. Stundenlang sind wir auf der Terrasse gestanden und haben den Pferden unten beim Spielen zugesehen und den Blick in die Ferne schweifen lassen. Das ist unbezahlbar.

Ein Flugzeugwrack als Touristenmagnet

Direkt nach einem schnellen Essen wollen wir noch das tolle Licht nutzen und fahren zu einem Ort der wahrlich kein Geheimtipp ist. Genau genommen ist es eine völlig überlaufene Touristenattraktion, weshalb wir diese auch in die Nacht verschoben haben.

Wer jetzt denkt, es handle sich um einen Wasserfall, Gesteinsformation, Gletscher oder sonstiges der irrt. Es geht ganz schlicht und einfach um ein altes Flugzeugwrack mitten im Nirgendwo. Um zu diesem zu gelangen muss man einen gut 4 Kilometer langen Trail quer durch die staubige Wüste wandern. Eigentlich keine Zutaten für einen gelungenen Touristenmagnet – wenn, ja wenn da nicht wieder Justin Bieber wäre 😀 Dieser fährt in einem Video mit seinem Skateboard nämlich auf diesem Wrack und hat es damit berühmt gemacht.

So berühmt, dass es anfangst erlaubt war bis zum Wrack mit dem Auto zu fahren. Der Landeigentümer wollte aber dann nicht mehr diese Menschenmassen auf seinem Grundstück haben und so wurde ein Parkplatz neben der Straße gebaut. Der 4 Kilometer lange Trail muss ab jetzt zu Fuß bewältigt werden. Wer diese Zeit gar nicht hat, kann seit Kurzem mit einem Shuttle für einige Euro hin fahren. Je nach Witterung sollten die Sicherheitsregeln beachtet werden. Man befindet sich völlig ungeschützt für Stunden in der isländischen Wildnis.

Als wir beim Parkplatz ankommen, staunen wir nicht schlecht. Obwohl es mittlerweile 20 Uhr ist, sind noch einige Autos hier. Ganze Gruppen von Touristen kommen bereits zurück, was uns kurz Hoffnung gibt.
Den Trail laufen wir dann fast alleine. Bei dieser eintönigen Landschaft und der Stille ist das fast wie eine Therapiestunde für die Seele 🙂

Und dann erreichen wir das Wrack endlich. Mir fällt gerade auf, dass ich jede Menge geschrieben habe, jedoch nicht wieso hier eigentlich ein Flugzeug herum liegt. Wie bereits öfters erwähnt ist Island ein NATO Mitglied und besitzt seit dem zweiten Weltkrieg mehrere Militärbasen der US Streitkräfte. Die Douglas Super DC-3 der US Navy brachte im Jahr 1973 Versorgungsgüter zu einem dieser Stützpunkte (es gab damals noch keine durchgehende Straßen) als sie am Solheimasandur abstürzte. Wieso, weiß bis heute niemand so wirklich. Die Piloten wählten diesen Ort, da sie sich gut an einem Fluss und dem Meer orientieren konnten und die Landschaft hier völlig eben ist. Alle Crewmitglieder konnten gerettet werden, da der Absturz von Farmern beobachtet wurde, die sofort hinaus gefahren sind.
Die US Navy hat entschieden alle wichtigen Teile abzubauen und den Rest liegen zu lassen. Seither setzen Touristen, Einheimische (Stichwort Schießübungen) und natürlich das isländische Wetter dem Wrack sehr zu.

Vermutlich wird dieses auch nicht für immer hier liegen, denn ein einziger Vulkanausbruch, mit anschließender Sturzflut würde genügen um es ins Meer zu spülen. Bis dahin tun wir es aber Millionen anderer gleich und fotografieren dieses stählerne Denkmal.

Anfangs sind wir fast alleine, doch dann kommen immer mehr Touristen:

Wir laufen noch ein bisschen in der beeindruckenden Landschaft umher, als es dann aber immer lauter wurde entschließen wir uns zurück zu gehen. Der Rückweg war übrigens genauso lang 😉

Es gibt noch Licht …

Und deswegen mache ich (Gerald) mich natürlich nochmals auf zum Black Sand Beach. Und auch hier finde ich wieder unzählige Fotografen die teilweise sehr gefährlich mit der Brandung spielen. Wir sichern uns gegenseitig, sodass keiner hier ein Unglück dokumentieren muss. Zu nahe wage ich mich jedoch nicht an die Brandungslinie heran, denn ich habe zu viel Respekt vor den immer wieder anrollenden sneaker waves (gerne mal googlen).

Während über mir mittlerweile einige Drohnen laut surrend Aufnahmen des Strandes machen, gelingen mir einige gute Bilder.

Da ich irgendwann vor lauter Kälte meine Finger nicht mehr spüre, entscheide ich, dass es genug ist. Nur am Rückweg dachte ich eine kleine Kirche gut in Szene setzen zu können. Mehr als ein paar Testbilder wurden es aber nicht. Irgendwie war es für mich keine stimmige Komposition. Manchmal hat man als Fotograf eben keine Verbindung zu einer Location. Dann sollte man weiterziehen 🙂 Ich in diesem Fall ins Bett …

PS: Wie sagt man? Bei Immobilien zählen nur 3 Dinge: Lage, Lage und die Lage. Tja dieses Haus hier hat freien Blick auf einen der berühmtesten Strände der Welt. Feinstaub? Kein Thema 😉

Nächsten Tag lesen ->