Heute werden wir in Kapstadt ankommen, womit unser Südafrika Urlaub bereits in den letzten Zügen ist. Der heutige Tag steht aber noch voll und ganz im Zeichen des „Kap der Guten Hoffnung“. Die Fahrt nach Kapstadt wird dann aber völlig anders als erwartet und wirft auch unsere Pläne für den Abend komplett durcheinander. Ich kann aber so viel verraten: der Tafelberg ist dabei 😉

Traumhaftes Frühstück

Bevor es aber wieder ins Auto geht, wollen wir uns natürlich ein Frühstück gönnen. Wir haben, wie nicht anders zu erwarten war, perfekt geschlafen und sind wirklich traurig dieses B&B verlassen zu müssen. Zuerst einmal machen wir uns aber frisch und gehen hinauf ins Dachgeschoss, wo unsere Gastgeber wohnen. Hier ist bereits ein größerer Tisch direkt auf der Terrasse für vier Personen gedeckt.

Unser Gastgeber sagt uns aber, dass das zweite Paar erst später kommt. Wir haben also den ganzen Tisch für uns alleine. Die Aussicht ist einfach perfekt, auch wenn der Himmel noch etwas wolkenverhangen daher kommt. Und ich sehe gerade, dass man diesen auf dem Bild gar nicht sieht 😀 Das hat man davon, wenn man nur das Handy mitnimmt 😉

Unser Gastgeber macht uns wieder ein perfektes Ei mit Speck und Pfannkuchen und wir genießen einfach die Ruhe und Stille mit dem Blick aufs Meer. So muss ein Tag beginnen 🙂

Kap der Guten Hoffnung

Wir befinden uns ja bereits auf der Halbinsel, welche die südwestlichste Spitze Afrikas bildet. Daher sind es auch nur noch ein paar Minuten Fahrt bis in den Nationalpark. Hier im Park gibt es einige Punkte, die man unbedingt machen sollte. Leider sind wir mittlerweile im Einzugsgebiet von Kapstadt, was bedeutet, dass hierher Touristentouren mit Bussen angeboten werden. Daher entscheiden wir uns gleich als erstes den Punkt „Cape of Good Hope“ zu besuchen.

Dabei handel es sich eigentlich nur um eine simple Tafel mit einem großen Parkplatz davor. Nein die da oben ist nur ein Wegweiser 😉 Trotzdem kommen hier tausende Touristen her und wir rechnen auch zu dieser frühen Uhrzeit mit einer langen Schlange. Wir haben uns aber im Vorfeld ausgemacht, dass uns die Wartezeit kein Foto wert wäre.

Als wir ankommen war dort aber niemand. Gemeinsam mit uns kommt noch eine US amerikanische Familie an. Wir machen von uns gegenseitig Bilder, was auch erklärt wieso die halbe Tafel fehlt 😀 Wer unsere USA Blogbeiträge kennt weiß, dass wir nicht gerade begeistert von den Fotokünsten der US-Amerikaner sind 😉

Später habe ich herausgefunden, dass eigentlich eine Seite der Tafel auf Afrikaans sein sollte. Wieso diese ebenfalls auf Englisch geändert wurde, weiß ich nicht. Nunja, wir haben auf jeden Fall dieses Touristenpflichtfoto, das wohl für viele auf der Bucketlist steht.

Wieso das Kap der Guten Hoffnung so heißt, weiß man übrigens nicht mehr. Die Herkunft ist über die Jahre verloren gegangen, aber die wahrscheinlichste Erklärung liefert die frühe Seefahrt. Denn die Atlantikküste entlang Afrikas zählt als sehr stürmisch und ist bei Seefahrern nicht beliebt gewesen. Ab dem Kap der Guten Hoffnung ändert sich jedoch die Himmelsrichtung von Süd auf Ost und damit auch die Verhältnisse.
Eine andere Erklärung wäre, dass Kapstadt jeher als Versorgungspunkt zählt und man sich einfach gefreut hat hier Vorräte auffüllen zu können. Wieder andere Erklärungen gehen davon aus, dass es wegen der Richtungsänderung von Süd auf Ost um eine Art Meilenstein zwischen Europa und Indien handelte. Die Seefahrer waren also einfach froh, hier die Mitte der Reise geschafft zu haben.

Wir entscheiden uns noch ein Stück den Berg hinauf zu wandern, denn mittlerweile kommen die ersten Tourbusse an.

Hier oben ist es wirklich traumhaft schön und wir genießen die Aussicht einige Minuten. Wir sehen von hier allerdings auch die Kolonnen von Bussen, die zu den anderen Aussichtspunkten fahren und machen uns deswegen auch auf den Weg dorthin.

Wanderung auf den Cape Point

Auf den wenigen Metern zum Cape Point halten wir einige Mal an. Denn hier im Park leben Strauße völlig wild. So wie man bei uns ein Reh neben der Straße sieht, stehen hier Strauße herum. Das ist wirklich verrückt 🙂

Und beinahe hätten wir eine Schlange überfahren, die sich offenbar auf der Straße aufwärmt.

Am Cape Point angekommen, bekommen wir einen der letzten Parkplätze. An dieser Stelle muss man sich entscheiden, ob man die 120 Stufen nehmen will, oder mit der Zahnradbahn für ein paar Rand fährt. Da es mittlerweile enorm heiß ist und sich auf den Stufen tausende Touristen nach oben quälen, entscheiden wir uns für die Bahn hinauf. Hinunter werden wir aber auf jeden Fall gehen 🙂

Ganz oben am Leuchtturm angekommen, hat man einen fantastischen Ausblick. Leider habe ich den Turm selbst gar nicht auf einem Bild. Dafür aber von weiter weg:

Aber hier oben sind auch enorm viele Touristen und es macht daher nicht wirklich viel Spaß den Blick zu genießen.

Der Leuchtturm hatte, wie so viele, ein großes Problem: er stand zu hoch und verschwand sehr oft im Nebel, was gerade hier an der Landspitze fatal war. Daher hat man sich entschieden weiter unten, am Diaz Point einen zweiten Leuchtturm zu bauen. Da hiervon kaum ein Tourist weiß und noch weniger den Weg auf sich nehmen wollen, entscheiden wir uns zu diesem zu gehen. Und kaum ist man die berühmten 60 Meter weg, sind wir alleine. Der Weg geht steil bergab (Spoiler: man muss später steil bergauf gehen), ist aber mit dieser Aussicht wunderschön. Ganz zum Leuchtturm kommt man zwar nicht, aber man hier einen wunderbaren Blick auf ihn:

Fahrt nach Kapstadt

Unten am Parkplatz angekommen sind wir schockiert. Tausende Autos stehen kreuz und quer am Parkplatz (der mittlerweile gesperrt wurde) und über die Zufahrtsstraße verteilt. Wir beschließen, dass es nun genug ist und treten die Fahrt nach Kapstadt an. Was aber eigentlich schade ist, denn hier im Park gibt es jede Menge traumhafter Strände, die kaum ein Besucher kennt. Diese müssen aber wohl bis zum nächsten Besuch warten 🙂

Jetzt geht es für uns immer der Küste entlang Richtung Norden. Das letzte Stück nach Kapstadt verbindet die Küstenstraße „Chapman’s Peak Drive“, die von privaten Investoren gesichert wurde. Daher muss man für diese auch Maut bezahlen. Aber so weit kommt es gar nicht, denn sie ist gesperrt. Wieso genau, wissen wir nicht. Am Schild steht etwas von Pflanzenentfernung, der Wachmann erzählt aber etwas von Dreharbeiten. Wir müssten 3 Stunden warten, bevor die Straße wieder geöffnet wird.
Die Gegend in der wir hier sind, kommt uns aber nicht besonders sicher vor und schon gar nicht wollen wir hier durch die Straßen spazieren.

Generell ist es kein Problem um den Berg herum zu fahren. Es kostet auch nicht wirklich mehr Zeit, aber die Aussicht ist natürlich nicht vorhanden. Und man muss durch einige Vororte und Streift vor allem ein Township, durch die man als Tourist eigentlich nicht fahren sollte. Aber uns bleibt keine andere Wahl. Wir hoffen einfach, dass unser Auto nicht genau dort liegen bleibt und fahren los.

Townships und B&B

Ja die Vororte waren etwas ungut, aber solange man hier nicht aussteigt sollte das kein Problem sein. Wir denken uns schon, dass das doch alles gar nicht so wild ist, bevor wir auf einen Hügel hinauf fahren. Rechts und links sind im Moment noch sanfte Hänge, die sich perfekt zum Weinanbau eignen.
Als wir jedoch die andere Seite des Hügels erreichen, tun sich neben uns einige der berühmten Blechhütten auf. Schon dieser Anblick von, mit Müll spiegelnden Kindern schockiert uns. Wir sind fassungslos wie schnell hier von reich auf arm gewechselt wird. Und dann kommt es noch schlimmer. Mit dem nächsten Hügel haben wir eine ziemlich gute Weitsicht und sehen bis zum Horizont nichts als Armut und Elend. Blechhütten bis ans Ende der Welt. Die Anzahl der Menschen, die hier unter härtesten Bedingungen lebt ist erschreckend.

Gute 10 Minuten sprechen wir kein einziges Wort im Auto. Wir müssen uns beide erst einmal sammeln. Und ja es ist sicher nicht populär so etwas öffentlich zu schreiben, aber so schön das Land auch ist: es gibt Probleme. Und wer als Tourist hier her kommt und das leugnet, der hat den Urlaub hier auch nicht verdient. Es ist eine Seite von Südafrika die man gesehen haben muss. Natürlich ist das nicht die ganze Wahrheit. Viele dieser Townships sind illegal. Viele entstehen weil illegale Einwanderer ins Land kommen und so weiter. Aber Fakt ist auch, dass Südafrika mehr dagegen tun könnte. Immerhin werden in den offiziellen Townships Strom und Wasser kostenlos zur Verfügung gestellt und bei Knappheit auch als letztes Rationiert. Das soll aber wohl einfach Aufstände verhindern und weniger die Gebiete attraktivieren.

Der Übergang fällt mir nun besonders schwer, aber es gab auch vor Ort keinen. Also mache ich auch keinen.
Denn mit einem Mal hören die Hütten auf und man befindet sich wieder im Paradies. Es ist so Paradox, dass wir erst einmal stehen bleiben und die Aussicht auf Camps Bay, einem der reichsten Orte Südafrikas genießen.

Und genau dort, inmitten der Bucht, liegt unser allerletztes B&B. Bei diesem wollen wir uns noch einmal richtig Luxus gönnen und geben daher 152€ pro Nacht aus. B&B ist aber auch etwas übertrieben, denn das Gelände ist riesig und beinhaltet mehrere Wohnhäuser. Nach dem Einchecken fährt ein Mitarbeiter mit uns sogar um den Block, da unser Zimmer auf der Rückseite des Geländes liegt.
Dort bekommen wir ein riesiges Zimmer mit Blick auf die 12 Aposteln und den Tafelberg!

Insgesamt vergeben wir für dieses Hotel aber nur 8 von 10 Punkten. Es gibt nämlich nicht wirklich ein Badezimmer. Sowohl Klo als auch Dusche sind eher mit Wänden getrennt, die aber nicht bis zur Decke gehen. Das ist sogar uns etwas zu offen 🙂

Wetterwette auf dem Tafelberg

Der Tafelberg ist wohl das Wahrzeichen von Kapstadt. Es handelt sich eigentlich einfach nur um ein Plateau mit einem traumhaften Blick über die Stadt. Auf dieses kann man wandern oder mit einer Seilbahn fahren. Die Wanderung ist aber lange, anstrengend und an gewissen Teilen nicht ungefährlich (Gefahr von Überfällen). Bei diesem heißen Wetter entscheiden wir uns dann doch für die Seilbahn. Unser B&B gab uns den Tipp gleich heute noch rauf zu fahren, denn morgen soll es stürmen und die Seilbahn wird dann gesperrt.

Das wirft zwar unsere Pläne durcheinander aber was solls. Wir setzen uns gleich wieder ins Auto und fahren los. Natürlich bekommen wir um diese Uhrzeit keinen Parkplatz. Also bleibe ich beim Parkwächter stehen und frage ihn ob er was machen kann. Und er kann 😉 Denn diese Typen hier haben jeden im Blick und wissen genau wann wer wieder fährt. Er gibt uns einen Tipp und keine zwei Minuten später haben wir einen Parkplatz in Gehweite der Seilbahnstation 🙂 Das ist uns natürlich dann auch etwas mehr Trinkgeld wert.

Und dann beginnt der Horror, denn die Schlange ist ewig lang:

Aber es wird noch besser: das ist nämlich die Schlange wenn man bereits ein Ticket hat. Das haben wir aber natürlich nicht 😉

Mit unserer Wildcard bekommen wir Prozente, was sich hier wirklich auszahlt. Daher folgt nun unser 0815 Trick: Katrin stellt sich bereits an und ich kaufe die Ticket. Das funktioniert perfekt, aber dennoch brauchen wir 1,5 Stunden (!) bevor wir überhaupt die Gondel sehen.

Die Fahrt hinauf ist dann aber fantastisch. Man kennt dieses Bild aus dem Fernsehen und von Bildern, aber hier zu sein ist wirklich ein tolles Gefühl.

Oben angekommen, gehen wir schnell weit weg von der Station um den Touristenmassen zu entkommen. Man kann hier weit gehen und bei mehreren Viewpoints quasi 360° in die Tiefe blicken.

Da ist Wien 😉

Und auch Robben Island kann man von hier aus in der Bucht sehen. Die Gefängnisinsel werden wir morgen besuchen. Also dran bleiben 🙂

Mit einem Mal dreht der Wind und von einer Minute auf die andere wird es so nebelig und kalt, dass wir nichts mehr sehen. Alle Touristen wollen natürlich sofort runter vom Berg, auch weil dieser bald schließt. Sollte die Seilbahn, wieso auch immer, nicht mehr fahren, dann muss man zu Fuß hinunter gehen. Das ist leider das Risiko, dass man in Kauf nimmt.
Wieder stehen wir über eine Stunde in der eisigen Kälte, aber zumindest haben wir Jacken mit.

Irgendwie kommen wir dann aber doch noch runter und wollen gleich auf dem Weg im „The Hussar Grill“ essen. Der dortige Parkplatzwächter ist wieder von der coolen Sorte. Denn er sagt wir sollen halb am Gehsteig parken, er klärt das mit den Polizisten. Uns ist zwar nicht ganz gut dabei, aber wir wollen ihn gut bezahlen. Zu unserer Verwunderung nimmt er das Geld aber nicht. Er meint wir sollen nachher bezahlen, wenn wir sehen, dass unser Auto unbeschädigt ist. Na bitte, geht doch 😉

Wir bekommen natürlich keinen Tisch mehr, denn das ist das beliebteste Lokal in Kapstadt 😀 Wir warten an der Bar eine gute halbe Stunde und dürfen uns dann setzen. Zur Vorspeise gibt es ein Springbok Carpaccio, was eines der besten Dinge ist die ich in meinem Leben je gegessen habe. Katrin bekommt eine Tomatensuppe um sich aufzuwärmen 😉

Zur Hauptspeise gibt es dann Steak vom Rind und Kudu, wobei letzteres nicht sonderlich gut war.

Und so geht auch dieser erste Abend in Kapstadt zu Ende. Viel kennen wir von der Stadt ja noch nicht, aber das wird sich morgen ändern 🙂