Der Morgen beginnt mit einem Gang durch das verrückte Labyrinth, das sich B&B nennt 😀 Über mehrere Stufen, Garagen, Wege und über einen kleinen Teich kommt man quer durch die große Anlage zum Frühstücksraum. Dieser liegt direkt am Pool, sodass man hier im Sommer bei höheren Temperaturen direkt auf der Terrasse essen kann.
Innen findet sich ein reich gedecktes Buffet mit allem was man sich nur wünschen kann. Außerdem kann man Ei-Gerichte bestellen und auch der Kaffee/Tee würde einem gebracht werden. Nach einem ausgiebigen Frühstück geht es heute zum ersten mal in einen richtigen Sightseeing Tag in Kapstadt. Wir sind schon gespannt was die Stadt für uns bereit hält und wie es wirklich mit dem Thema Sicherheit aussieht.

Zum ersten Mal Hopp-on Hopp-off Bus

Ja es ist tatsächlich wahr. Wir haben noch in keiner Stadt diese Busse genutzt, weil wir immer lieber die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen und die Stadt auf unserer Route entdecken wollen. Hier in Kapstadt haben wir dafür aber so viele Empfehlungen erhalten, dass wir bei diesem Preis einfach nicht nein sagen konnten. Abgesehen davon fährt der Bus in Gehweite von unserem B&B weg. Und der Weg dorthin ist sowieso ein Traum:

Also wenn der Bus denn erst einmal kommen würde. Denn wir warten fast 45 Minuten direkt am Luxusstrand von Camps Bay.

In dieser Umgebung also nicht wirklich ein Problem, wären da nicht die vielen Verkäufer. Im Minutentakt kommen Händler und Bettler zu uns und sprechen uns an. Ein forsches „Nein“ genügt aber meistens, um diese auf Distanz zu halten. Und dann kommt endlich unser Bus, und wir nehmen natürlich ganz oben Platz.

Über einen Audioguide erfahren wir allerhand über die Geschichte der Stadt. Unter anderem eine Besonderheit bei Immobilien hier. Man würde nun meinen, die Immobilien mit dem besten Blick aufs Meer sind die wertvollsten. Dem ist aber nicht unbedingt so. Hier in Kapstadt gehen nämlich extrem starke Winde und so sind jene Gegenden am teuersten, die windstill sind.

Bei diesen Häusern hier haben die Markler anfangs wirklich versucht den Kunden einzureden, dass es windstill sei. Spätestens bei der Besichtigung sollte einem aber etwas seltsam vorkommen. Na seht ihr es?

Genau. Der Wind geht hier so stark, dass dieser von der Fassade abprallt und die Bäume dadurch sogar ihre Wuchsrichtung verändern.

Victoria & Alfred Waterfront

Die Victoria & Alfred Waterfront, oder auch kurz V&A, ist das touristische Zentrum in Kapstadt. Dabei handelt es sich um eine klassische Hafenfront, die seit 1870 in Betrieb ist. Nach Ende der Apartheit im Jahr 1990 war der Hafen so gut wie bankrott und wurde an Investoren verkauft. Diese bauten den gesamten Hafen innerhalb kürzester Zeit zu einem Touristenmagneten um. Hier gibt es Künstler, ein Riesenrad, einen Foodcourt und vieles mehr. Jedes Jahr kommen Millionen von Touristen hier her und so mancher Kreuzfahrttourist sieht sogar nur diese Hafenfront.

Ich lasse euch einfach mal ein paar Impressionen da.
Der „Künstlermarkt“:

Das gar nicht mal so kleine Einkaufszentrum, natürlich mit allen Luxusmarken:

Und dann die Docks selbst:

Ein ehemaliger Silo wurde vor wenigen Jahren zu einem absoluten Luxushotel umgebaut und erfreut sich seither großer Beliebtheit bei gut betuchten Touristen.

Zum Mittagessen haben wir die Qual der Wahl, denn es gibt eine ganze Lagerhalle voller kleiner Essensständen. Wir brauchen lange bis wir uns entschieden haben, denn eines klingt besser als das andere. Wir entscheiden uns dann aber für Ciabatta, gefüllt mit Springbok-Fleisch. Absolut die richtige Entscheidung 🙂

Mit einem Einheimischen durch Bo-Kaap

Bo-Kaap ist jener Stadtteil von Kapstadt, der uns am meisten Sorgen bereitet hat. Zwar findet man die lustigen bunten Häuser auf dem Titelblatt so mancher Reiseführer, aber die Gegend gilt nicht als so sicher wie die V&A Waterfront.
Und weil ein bloßer Spaziergang durch einen Stadtteil nicht wirklich informativ ist, haben wir uns für eine kostenlose Tour entschieden. Diese „Free Walking Tours“ gibt es mittlerweile in vielen Städten. Einheimische führen die Touristen durch ihre Nachbarschaft und werden mit Trinkgeld dafür bezahlt. Man kann also selbst entscheiden was einem diese Tour wert ist.

Und so treffen wir uns mit dem Guide mitten in der Long Street, eine beliebte Partymeile in Kapstadt. Diese wird in vielen Reiseführern empfohlen. Wir erfahren aber von mehreren Touristen, dass es hier in der Nacht hauptsächlich Betrunkene, Schlägereien und Drogendeals gibt. Also keine wirklich gute Gegend mehr.
Von hier aus geht es zu Fuß die Hügel hinauf. Bereits auf den ersten Metern warnt uns unser Guide, dass die Bewohner dieses Stadtviertels nicht gut gesonnen sind. Wir werden vermutlich beschimpft werden, aber er versucht sein bestes das von uns abzuhalten. Na das klingt ja mal nicht so toll aber wir fühlen uns in der Wahl der Tour bestätigt.

Man muss vielleicht die Geschichte von Bo-Kaap kennen um das Verhalten zu verstehen. Sklaverei war in Kapstadt im 18. Jahrhundert ganz normal. Es gab sogar staatliche Sklaven, denen es noch einmal schlechter ging als den privaten. Zweitere konnten zumindest darauf hoffen etwas am Familienleben beteiligt zu werden oder sogar gänzlich die Freiheit zu erlangen.
Frei gelassene Sklaven suchten einen Ort um sich nieder zu lassen und da bot sich das ein Quadratkilometer große Gebiet an.
Das ist im übrigen auch der Grund für die bunten Häuser. Denn auch wenn es einige „nettere“ Erklärungsversuche gibt, in Wirklichkeit sind die Farben ein Ausdruck der Freiheit. Bis dahin war es Sklaven nämlich verboten etwas anderes als weiß und schwarz zu tragen. Das hat aber auch den Vorteil nicht wirklich eine Adresse zu brauchen. Man sagt einfach „Das Cafe im blauen Haus.“ 😉

90% der hier lebenden Bevölkerung, die immer noch zum großen Teil von den Sklaven abstammen, sind Muslime. Und so verwundert es nicht, dass eine der Sehenswürdigkeiten die erste Moschee in Bo-Kaap ist.

Hier davor lungern überall Gruppen von Jugendlichen herum, die verdächtig genau schauen was wir alles dabei haben. Kein gutes Gefühl, aber in der Gruppe fühlen wir uns halbwegs sicher. Zur drückenden Stimmung tragen außerdem die Schilder und Graffitis bei, die überall verteilt sind. Wie überall auf der Welt versuchen sich die Bewohner nämlich gegen den „Ausverkauf“ durch Immobilienverwalter zu wehren, was aber angesichts der enorm hohen gebotenen Summen schwer ist.

Wir ziehen weiter durch die Straßen und unser Guide erzählt mit viel Liebe wer hier wohnt und wie er hier aufgewachsen ist. Dazu muss man vielleicht noch sagen, dass er selbst weiß ist und damit der absoluten Minderheit hier angehört. Seine Vorfahren stammen aus Holland und er lebt immer noch in dem Haus das vor Generationen von diesen erbaut wurde.
Er selbst wird aber wegen seiner Hautfarbe sehr oft Opfer von Angriffen. Hobbymäßig ist er Fotograf und daher naturgemäß in den Abendstunden unterwegs. Um dies zu verdeutlichen zeigt er uns seine Hände die übersät sind von Narben, die von Messerattacken stammen. Trotzdem würde er hier nicht weg wollen – meint er zumindest.

Wir kommen an tollen Graffitis und bunten Häusern vorbei:

Und an dieser Stelle werden wir dann auch von einem Einheimischen wüst beschimpft. Da hier alle Afrikaans sprechen, verstehen wir nur Fragmente. Das ist möglich, weil im Afrikaans viele Wörter aus dem Deutschen entnommen sind.
Die Situation war nun nicht gerade am eskalieren, aber ich frage mich schon was ich hier eigentlich mache? Wenn wir so unerwünscht sind, sollten wir die Bewohner vielleicht einfach sein lassen? Unser Guide klärt die Situation aber schnell auf. Es reicht hier nämlich, wenn man Afrikaans spricht. Das Beherrschen verschiedener Sprache ist hier in Südafrika generell ein Türöffner.

Und dann kommen wir zu den berühmten Häusern, für die diese Gegend so bekannt ist.

Da wir schon in der Nähe sind, gehen wir zum Abschluss noch in das Honest Chocolate Cafe. Dieses kleine Startup ist mittlerweile richtig berühmt. Sie stellen die Schokolade komplett selbst her und verkaufen dann alles was man daraus machen kann 🙂 Wir gönnen uns Shakes und natürlich einen Schokokuchen. Und ich kann euch sagen es war noch besser als es ausgesehen hat. Einfach nur genial.

Sonnenuntergang auf dem Lion’s Head

Für das Abendprogramm müssen wir ein bisschen improvisieren. Aber da das Wetter fast perfekt ist, entschließen wir uns noch schnell auf den Lion’s Head zu gehen. Zuvor fahren wir noch auf den Signal Hill, der davor liegt. Jedoch sind hier bereits so viele Menschen, dass wir keinen Parkplatz bekommen.

Auf den Lion’s Head geht ein Trail hinauf, der besonders im oberen Stück eher klettern als wandern ist. Für diesen kommen wir leider viel zu spät und wir haben auch nicht viel Interesse mit Flip-Flops tragenden Touristen in der Dunkelheit wieder hinunter zu klettern.

Hier wirft der Lion’s Head seinen Schatten auf den Stadtteil Green Point und der dahinter liegenden V&A Waterfront von heute Morgen.

Wir genießen den Sonnenuntergang mit Blick auf Camps Bay bei einem kleinen Snack.

Erst als die Sonne im Meer verschwindet, machen wir uns auf den Rückweg:

Mit einem Zwischenstopp, weil die Lichter der Stadt wirklich toll wirken:

Von hier aus hat man auch einen tollen Blick auf den Tafelberg. Wer genau hinsieht, kann sogar die Bergstation der Seilbahn erkennen.

Nur wenige Minuten später ist es dann stock dunkel und wir haben die Chance die Innenstadt von Kapstadt bei Nacht zu sehen. Im Hintergrund sind die schachbrettartig angelegten Straßen der Townships erkennbar. Wie bereits erwähnt, wird der Strom dort vom Staat kostenlos zur Verfügung gestellt.

Wir sind so ziemlich die einzigen die Stirnlampen besitzen und so wandern einige in unserem Lichtkegel mit. Gut so, denn die Tiere der Nacht sind bereits wach.

Total erschöpft von diesem Tag fallen wir ins Bett, denn morgen steht noch einmal ein ganzer Tag bevor. Da wir nach Robben Island, der ehemaligen Gefängnisinsel, fahren wird dieser vor allem emotional anstregend.

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