Das war sie also, unsere letzte Nacht in Mývatn und wir müssen sagen, dass wir hier sehr überrascht waren. Einerseits weil das Wetter hier doch deutlich kälter ist als im restlichen Island und andererseits weil es hier ungewöhnlich viel zu sehen gibt. Normalerweise muss man doch einiges an Weg zurück legen um von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten zu gelangen. Hier am See liegt alles sehr nahe beisammen.

Trotzdem wollen wir weiter, also packen wir nach einem spartanischem Frühstück unsere Sachen und machen uns auf den Weg. Vor uns liegen fast 2 Stunden Fahrt durch eine wirklich sehr langweilige Landschaft. Hier im Norden von Island gibt es leider nicht viel zu sehen, außer Sand und Steine. Ja sogar die Schafe sind irgendwann weg und so füllen wir die Fahrt mit Musik und Gesprächen über das Erlebte.

Lange Wanderung zu einem nicht mehr so geheimen Canyon

Bevor wir auf die Schotterstraße und damit die letzten Kilometer bis zu unserem Ziel einbiegen, möchte ich den folgenden Spot etwas erklären. Wir sind auf dem Weg zum Stuðlagil Canyon, der noch vor einigen Jahren nicht interessant war. Was hat sich verändert? Flussaufwärts wurde der Fluss für ein Kraftwerk aufgestaut, womit der Wasserspiegel sank und diesen Canyon erst zugänglich gemacht hat.

Das ist an sich ja nichts Besonderes. Aber da es diesen Canyon erst seit Kurzem gibt ist er noch sehr unbekannt. Es hat uns einiges an Arbeit gekostet heraus zu finden wie man zu diesem hin kommt. Normalerweise beschreiben wir so etwas auch im Blog, aber nach unseren Erlebnissen auf Island mit den vielen rücksichtslosen Touristen möchten wir diesmal davon Abstand nehmen. Wer sich dafür interessiert wie wir zu den folgenden Orten gekommen sind, wird dies im Internet finden. Aber dazu ist etwas Recherche notwendig. Sorry 🙂

Dies vorweg gesagt, müssen wir auch anmerken, dass es prinzipiell ganz einfach möglich ist zum Canyon zu gelangen. Allerdings von der anderen Flussseite, wo man über einen sehr gefährlichen Abstieg bis zur Canyonkante kommt. Dies ist nicht der Weg den wir genommen haben, denn von hier kommt man nicht in den Canyon hinunter. Wer von dieser Seite kommt, darf auf keinen Fall versuchen in den Canyon zu kommen. Das ist lebensgefährlich!

Ebenfalls erwähnen möchte ich, dass unser Weg über Privatland führt. Derzeit ist es noch erlaubt und problemlos möglich. Es müssen aber mehrere Tore passiert werden. Wer diesen Weg geht, sollte sich also respektvoll verhalten. Alles was man auspackt, auch wieder einpacken und Tore hinter einem wieder schließen.
So nach diesem, für uns moralisch wichtigem Teil geht es nun endlich los 🙂

Wir biegen also in eine Schotterstraße ein, vor der wir im Vorfeld einigen Respekt hatten. Es ist weniger die Straße selbst, als die Angst hier eine Panne zu haben. Wir haben nämlich seit einer Stunde kein einziges Haus mehr gesehen und der Handyempfang ist auch nicht so wirklich toll. Es beruhigt uns aber etwas, dass es hier wieder vereinzelt Farmen gibt. Wir würden also zumindest irgendwo Hilfe bekommen.
Die Straße selbst stellt sich als kein Problem heraus. Eine perfekte Schotterstraße, wie man sie sich immer wünschen würde.

Wir fahren diese so weit wir dürfen und stellen unser Auto ab. Von hier aus werden es über 4 Kilometer bis zum Abstieg in den Canyon sein. Also Wanderschuhe anziehen und los geht es. Über eine kleine alte Brücke wechseln wir die Flussseite und sind bereits jetzt beeindruckt von dem klaren, grünen Wasser. Unser Weg führt uns immer entlang des Flusses, wobei wir teilweise auch Zuflüsse überbrücken müssen. Da es lange nicht geregnet hat sind diese heute kein wirkliches Problem. Diese Stellen können aber zu einem unüberwindbarem Hindernis werden. Nicht wenige Touristen mussten hier den Hike abbrechen.

Auf halber Strecke liegt ein gewaltiger Wasserfall, der Stuðlafoss. Diesen können wir aber leider nur per Handyfoto festhalten. Der Wind oben auf der Anhöhe war so stark, dass an ein Stativ nicht zu denken war. Man erkennt gut, wie der Wasserstrahl an der Kante weggeblasen wird. Es ist übrigens so warm, dass der feine Nebel des Wasserfalls richtig angenehm ist 🙂

Über einige Wiesen und durch unzählige Tore hindurch wandern wir fast eine Stunde bis zu dem markierten Spot auf GoogleMaps. Viel mehr als diesen Punkt haben wir leider nicht. Hier vor Ort wird uns allerdings klar, dass wir keine Ahnung haben wie wir in den Canyon hinunter kommen. Wir versuchen unser Glück und gehen quer über die Wiese über Pfade anderer Touristen. Oder zumindest glaubten wir das.

Schlussendlich haben wir uns bis zur Canyonkante vor gekämpft und eigentlich schon damit gerechnet, dass es das für uns war. Zwar ist der Ausblick von hier schon gewaltig, aber unser Ziel war zum Wasser hinunter zu kommen.

Und genau dort wo wir suchten, haben wir dann auch den einzigen Abgang gefunden. Es ist nur ein schmaler Pfad, den scheinbar noch nicht viele Leute gefunden haben. Denn die Spuren verraten diesen nicht.

Unten angekommen sind wir einfach nur überwältigt. Bei unseren Reisen haben wir schon sehr viel gesehen und erlebt. Aber dieser Canyon beeindruckt uns nachhaltig. Ob es das tiefgrüne Wasser, die gigantischen Basaltsäulen oder einfach nur die Mühe hier her zu kommen war, können wir nicht sagen. Wir werden neidisch von den Touristen auf der anderen Flussseite beobachtet, als wir erst einmal eine Pause machen und die Landschaft auf uns wirken lassen.

Auf diesem Bild erkennt man gut wie steil und sandig die Pfade auf der anderen Seite sind. Die Touristen mühen sich teilweise auf allen Vieren ab um bis zur, ungesicherten Kante zu kommen.

Der steinige Untergrund ist teilweise nass und an diesen Stellen glatt wie Eis. Wir müssen höllisch aufpassen um nicht im Wasser zu landen. Uns gelingt aber trotz ungünstiger Lichtbedingungen das klassische Instagrambild von diesem Ort. Wie toll, dass Gerald eine rote Jacke dabei hat 😉

Aber auch die andere Blickrichtung ist beeindruckend:

Leider müssen wir irgendwann auch wieder zurück. Der Rückweg ist ja blöderweise immer genauso lang wie der Hinweg 😉

Aber nach unendlich vielen Schritten kommen wir irgendwann beim Auto an und gönnen uns erst einmal einen kleinen Snack 😉

Ein Wasserfall geht immer noch

Zurück auf der Hauptstraße bleiben wir noch kurz beim Rjukandi Waterfall stehen. Dieser ist wieder ein richtiger Touristenspot, inklusive Bussen. Wir haben aber Glück und sind kurze Zeit völlig alleine. Also Stativ aufgebaut und los gehts.

Das Wetter ist heute wirklich toll und so gelingt Gerald ein fast perfektes Wasserfallfoto:

Eigentlich ist der Rjukandi Waterfall viel zu schön um hier nur kurz zu halten, aber wir sind immer noch so begeistert von dem Canyon und müssen noch einiges an Strecke hinter uns bringen. Also fahren wir zügig die 1,5 Stunden weiter bis Egilsstaðir, unserem Übernachtungsort für heute. Hier tanken wir aber nur kurz und füllen unsere Vorräte auf.

Endlich sehen wir sie: Puffins wohin man schaut!

Wir machen uns sofort auf den Weg bis weit an die Ostküste von Island, der uns fast 2 Stunden Fahrzeit kostet. Wieso das alles? Gerald hat den großen Wunsch Puffins aus der Nähe zu sehen. Wir haben diese kleinen Vögel bereits bei unserer Waltour gesehen und erwähnt. Dort konnten wir sie allerdings nur aus der Ferne beobachten.

Hier in der kleinen Hafenstadt Borgarfjarðarhöfn soll es angeblich möglich sein, diese Tiere aus nächster Nähe zu sehen. Der Weg dorthin wird uns aber im Vorfeld öfters als sehr mühsam beschrieben. Auf GoogleMaps sieht es nicht danach aus, denn es führt eine ganz normale Straße in den Fjord hinein. Vor Ort wird uns aber klar was gemeint ist. Denn die Asphaltstraße endet bald und geht in eine Schotterstraße über. Diese führt über einen Berg und ist dort in einem wirklich schlechtem Zustand. Dem aber noch nicht genug, wird sie im Fjord gerade neu gebaut. Das worüber man dort muss ist keine Straße mehr. Es sieht aus wie ein Steinbruch und wir mache uns ernsthaft Sorgen um unsere Reifen.

Der Ausblick entschädigt aber für alles:

Auf dem Weg gibt es außerdem unzählige Schafe, die hier besonders neugierig sind. Diese beiden Lämmer kommen sogar ganz nahe zu unserem Auto.

Es dauert aber nur wenige Sekunden bis sie durch einen lauten Schrei der Mutter sofort zu dieser laufen. Das ist Erziehung 😉

Wir wollen euch jetzt nicht länger auf die Folter spannen, denn wir kommen im Hafen der kleinen Ortschaft an und sind sofort verliebt. Überall wohin man schaut Puffins.

Um unseren Bildungsauftrag zu erfüllen, erzählen wir aber noch ein bisschen was über diese kleinen Vögel:
Man sieht es auf den Bildern nicht aber Puffins, auf Deutsch „Papageientaucher“ genannt, werden nicht größer als 34cm und wiegen gerade einmal 400g. Da sie ganz spezielle Gebiete zum Brüten benötigen, stehen sie mittlerweile auf der Liste der bedrohten Arten. Man findet sie vor allem in Island, den Färöer Inseln, Irland, Norwegen und Großbritannien. Leider ist die Jagt in Island offiziell erlaubt und wir haben sogar Lokale in Reykjavik gesehen, die deren Fleisch anbieten.

Der Grund wieso diese Vögel so herzig sind ist ihre tollpatschige Art zu fliegen und landen. Zwar können sie fliegen, aber ihr Körper ist eigentlich für das Leben auf dem offenen Meer gebaut. Puffins verbringen nämlich 10 Monate im Jahr auf offener See in der Nähe von Kanada und sind in dieser Zeit auch unscheinbar braun gefärbt. Das auffällige bunte Federkleid tragen sie nur in den 2 Monaten der Paarungszeit.
Puffins sind aber unglaublich gute Jäger, denn sie können bis zu 60 Meter tief tauchen und dabei in ihrem Schnabel gleich mehrere Fische fangen. Die Kombination aus guten Jagderfolgen und schlechtem fliegerischem Talent macht sie jedoch angreifbar. Vor allem Raubmöwen und Seeschwalben attackieren die Puffins in der Luft so lange bis sie den Fisch fallen lassen. Mit der Zeit haben die klugen Vögel aber Strategien entwickelt. Sie fliegen immer in Gruppen zurück zur Insel, was die Angreifer verwirrt. Sollte sie dennoch verfolgt werden, lassen sie sich einfach mit vollem Tempo ins Meer fallen und tauchen ab.

Die Vögel sind monogam, sehen ihren Partner aber nur zur Paarungszeit. Dafür wird in dieser Zeit umso mehr geworben, geschnabelt und sich gefreut 😉 Puffins brüten in, bis zu 1,5 Meter tiefen Höhlen die aus zwei Kammern bestehen. In einer befindet sich das einzige Ei, bzw. Küken und in der zweiten die Toilette 🙂

So jetzt aber wirklich genug mit dem langweiligen Zeug. Bilder, Bilder, Bilder:

Auch Möwen brüten hier in unendlicher Anzahl. Auch diese sind ganz lieb 🙂

Aber auch die Umgebung hier hat einiges zu bieten. Für uns ist das der schönste Fjord in ganz Island.

Auf der Rückfahrt haben wir dann noch Glück, denn einige Schafen legen sich für uns in Pose.

Und auch wenn der Ausblick gewaltig ist, sind wir dann aber auch froh endlich wieder in Egilsstaðir anzukommen.

Endlich zurück im Hotel

Wir checken ein und gehen eine Kleinigkeit essen.
Das „Icelandair Hotel Herad“ markiert leider den Tiefpunkt unserer Reise. Denn die Mitarbeiter sind nicht gerade freundlich, die Zimmer extrem abgewohnt und noch dazu sehr klein. Das wird nur vom noch kleineren Bad getoppt und einem Problem, das wir bisher nicht hatten: das Wasser stinkt nach Schwefel. Zwar betrifft dies immer nur das warme Wasser aber nach dem Duschen hat man trotzdem ein seltsames Gefühl. Mehr als 3.5 von 10 Punkten können wir hier, bei einem Preis von 240 Euro pro Nacht beim besten Willen nicht vergeben. Diese Punkte kommen auch nur wegen der genialen Aussicht und der tollen Verdunklungsmöglichkeiten zustanden.

Der bunte Weg zur Kirche

Es ist jetzt halb 10 am Abend, aber das Wetter ist so toll, dass wir dieses noch ausnutzen wollen. Und so fahren wir über den nächsten Pass in die kleine Hafenstadt Seyðisfjörður. Hier gibt es eigentlich nicht wirklich viel, bis auf einen bunten Weg zu einer Kirche. Und wieso auch immer, aber dieser fasziniert viele Touristen 😀

Ein Wasserfall zum Tagesabschluss

Auf der Rückfahrt kommen wir bei unzähligen Wasserfällen vorbei. Einige davon die schönsten die wir je gesehen haben. Nur leider bietet die Passstraße absolut keine Möglichkeit anzuhalten und so müssen wir diese in unserem Gedächtnis speichern.

Ein Wasserfall hat jedoch einen Parkplatz für 2-3 Autos bekommen, auf dem sich um diese Uhrzeit niemand mehr befindet. Ein kleiner Weg führt hinunter zum Gufufoss, dem wohl fotogensten Wasserfall bisher. Nachdem wir einige Schafe vertrieben haben, gehört dieser auch tatsächlich uns alleine und wir genießen die Ruhe nach diesem anstregenden und ereignisreichen Tag.

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