Island Tag 6 – Blubbernde Schlammlöcher, Filmlocations und ein See

Wie am Vortag erwähnt, gibt es hier am See Mývatn nicht wirklich Restaurants. Etwas zum Frühstücken gibt es dann leider gleich gar nicht. Somit essen wir wieder am Zimmer und holen uns dazu einen Kaffee aus dem Hotel. Fragen sich einige hier nun wieso es Kaffee aber kein Frühstück gibt? Nun, in fast jedem Hotel gab es tatsächlich ein ausgiebiges Frühstück. Wenn dieses nicht inkludiert war, kostet es allerdings zwischen 20-25 EUR pro Person und das war es uns dann doch nicht wert.

Da wir in diesem Hotel zum ersten Mal zwei Nächte in Folge schlafen, brauchen wir heute nicht zusammen packen und können somit gleich nach dem Frühstück aufbrechen. Draußen ist der Himmel leicht bewölkt, es hat zwar nur knapp über 0°C aber es lässt sich in der Sonne aushalten. Unser erster Stopp liegt nur 10 Fahrminuten entfernt. Die Strecke führt uns aber über jenen Berg, über den wir gestern schon gekommen sind.

Yellowstone im Miniaturformat

Als wir den Gipfel des Berges erreicht haben, staunen wir nicht schlecht. Auf der anderen Seite des Bergrückens stauen sich gewaltige Schneewolken auf. Mit einem Mal beginnt es wie wild zu schneien und auch die Temperaturen fallen um einige Grad. Zur Erinnerung: wir sind gerade einmal 10 Minuten gefahren.
Am Parkplatz angekommen warten wir noch ein bisschen bis der schlimmste Schnee nachlässt. Wir ziehen uns wieder mal alles an was wir dabei haben und lesen die Infotafeln um einen Überblick über dieses überschaubare Gebiet zu bekommen. Wir befinden uns bei den „Schlammtöpfen von Hverir“, dass man gut mit dem Yellowstone vergleichen kann. Wie ihr seht passt das gesamte Gebiet, sogar mit Schneesturm, auf ein Bild:

Ohne wirklichen Absperrungen kann man hier zwischen den dampfenden Quellen und blubbernden Schlammtöpfen umher wandern.

Wir wandern einmal alle Pfade durch und entdecken am Ende des Gebiets einen kleinen Trail der hinauf in die Berge führt. Es gibt zwar keine Beschriftung, aber wenn es so einen ausgewanderten Weg gibt, muss dort oben doch etwas sein? Das Wetter wechselt mittlerweile im 15 Minuten Takt zwischen Schneesturm und Sonnenschein, was sehr mühsam ist. Da uns aber gerade eine Sonnenphase beglückt, wandern wir den Trail entlang.
Die ersten Meter geht es noch recht gemütlich voran, bis dieser nach einigen Minuten steil bergauf geht. Auf dem losen Sand hinauf zu kommen macht bei dieser Steigung wenig Sinn. Soviel wir sehen geht das so noch für viele hunderte Meter weiter. Wir beschließen daher diese Erkundung abzubrechen und genießen erst einmal die Aussicht auf das Gebiet von Hverir.

Beim Rückweg kommen wir bei einem Steinhaufen vorbei, der offenbar über einer Dampfquelle aufgestapelt wurde.

Da dieser nicht abgesperrt ist, kann man bis direkt zu den Felsen vor gehen und sich ein wenig wärmen. Vorausgesetzt der Schwefelgeruch stört einen nicht. Die Windrichtung ist also genau zu beachten 😉

Übrigens diente dieser Ort, genauso wie der nächste, als Kulisse in der Serie „Game of Thrones“. In der Serie wurde aber so viel nachbearbeitet, dass man die Orte kaum wieder erkennt.

Die Höhle aus Game of Thrones

Wer ein Game of Thrones Fan ist, wird sicherlich die Szene in Erinnerung haben bei der es zwischen Jon und Ygrittes in einer Höhle heiß zur Sache geht. Keine Sorge, es ist jetzt nicht wirklich notwendig die Serie gesehen zu haben um die folgende Höhle toll zu finden 😉
Jedenfalls war die Crew mit Dreharbeiten in Hverir und rund um Myvatn beschäftigt, als ein Einheimischer von der Höhle Grjótagjá (viel Spaß beim Aussprechen 😉 ) erzählte. Die Crew war so begeistert, dass sie eine Szene erfunden haben nur um diese Höhle einbinden zu können. Wieso die Produzenten sofort so verliebt waren ist leicht zu erkennen.

Durch einen kleinen Einstieg geht es 2 Meter hinunter bevor man direkt am heißen Thermalwasser steht, das tatsächlich so blau schimmert wie auf dem Bild zu sehen ist. Vor einigen Jahrzehnten war die Höhle ein beliebter Badeort der einheimischen Farmer. Nach einem Erdbeben erwärmte sich das Wasser aber derart, dass man heute nicht mehr hinein gehen kann. Wie lange diese Höhle bei den Touristenmassen noch zugänglich sein wird, ist fraglich.

Fun Fact: Die Filmcrew stand nun also vor dem Problem wie man im bis zu 60°C heißen Wasser und den beengten Platzverhältnissen Szenen drehen sollte. Ab und zu ist zu lesen, dass Tonnen an Eis hinein geworfen wurden, nur damit die beiden Darsteller für einige Minuten ins Wasser konnten. Richtig ist aber, dass die Höhle komplett in einem Set nachgebaut wurde. Schon verrückt, was der Anblick eines solchen Naturwunders bei manchen Menschen auslöst 😉

Aber auch wir waren extrem begeistert. Es ist kaum zu glauben, dass so etwas nur von der Natur geschaffen wurde. Und man fragt sich, wie viele solcher Wunder noch unentdeckt oder geheim sind. Die Touristen hinter uns waren teilweise so rücksichtslos, dass wir es dann vorzogen die Höhle zu verlassen bevor wir kopfüber ins Wasser gestoßen werden.

Aber auch die Umgebung der Höhle ist wirklich nett. Hier prallen alle Farben direkt aufeinander und mitten drin – Schafe 😉

Die leider nicht besuchte Therme

Eigentlich ist der Besuch einer Therme in Island ja schon fast Pflicht. Tausende Touristen zieht es jährlich in die Blaue Lagune in der Nähe des Flughafens (sehen wir am letzten Tag). Aber auch heir in Myvatn gibt es mit dem „Mývatn Nature Baths“ eine sehr beliebte, deutlich günstigere und vor allem weniger besuchte Therme. Sie ist auf diesem Bild im Hintergrund zu erkennen.

Und eigentlich wollten wir heute dorthin gehen. Knapp 40 Euro kostet der Eintritt pro Person. Es war allerdings an diesem Tag so kalt und stürmisch, dass wir absolut keine Lust darauf hatten. Man muss hier nämlich im Freien zum warmen Thermalwasser gehen und das war uns angesichts des Wetters keine 40 Euro wert.

Wanderung entlang des Kraterrand

Über eine sehr lange Schotterpiste geht es zum Hverfjall Krater. Das Bild zeigt übrigens ein schöne Beispiel wie auf Island für Touristen neue Straßen gebaut werden. Sehr oft sieht man noch die Überreste der alten, deutlich schlechteren Straße.

Dieser Krater entstand durch eine gewaltige Gasexplosion. Dabei erhitzt Magma unterirdisches Wasser so lange bis alles verdampft ist und der Druck an der Oberfläche entweicht. Der Krater ist gut besucht, denn der große Parkplatz ist randvoll. Hier sehen wir auch zum ersten Mal eines der Toilettenhäuschen, für das man bezahlen muss. Mitten im Nirgendwo, aber natürlich mit Kreditkarte 😉 Ihr fragt euch nun was einmal aufs WC gehen in Island kostet? 300 ISK, also umgerechnet etwas über 2 Euro 🙂

Auf den Kraterrand hinauf geht es über einen steilen Pfad der extrem sandig ist. Es heißt also zwei Schritte vor und einer zurück. Aber die Aussicht auf den Lake Mývatn ist es absolut wert.

Natürlich legen wir auch heute eine Bonusmeile ein und umrunden den Krater komplett, was uns in etwa eine Stunde kostet. Wir sind dabei aber größtenteils alleine und das Wetter ist, bis auf den Wind, auch sehr schön. So lässt sich Island absolut genießen.

Hier sieht man die Mitte des Kraters. Und auch wenn es so aussieht: hier gab es nie Lava.

Und ein bisschen künstlerisch wertvolle Bilder.

Mittagspause!

Als wir endlich wieder beim Auto sind, sind wir überraschend erledigt. Stundenlang über den Sand zu gehen ist doch sehr mühsam. Wir wollen uns also heute ein etwas deftigeres Mittagessen gönnen und entscheiden uns für eine Pizza bei „Daddi’s Pizza“. Das ist weniger ein Restaurant, als ein Container mit angeschlossener Küche. Wie ich bereits erwähnt habe, ist hier alles nochmal teurer und so teilen wir uns besser eine Pizza. Denn diese kostet alleine schon 25 Euro. Da wir noch einiges an Wanderkilometer vor uns haben, ist das vermutlich auch vernünftiger 😉

Wanderung zwischen Lavaskulpturen

Weiter geht es nach „Dimmuborgir“, eines der touristischen Highlights in dieser Umgebung. Dabei handelt es sich um ein Lavafeld, dass durch seine Skulpturen beeindruckt. Bisschen Nerdwissen gefällig? Die Skulpturen entstanden weil sich hier ein Lavasee über einem Sumpf gebildet hat. Das verdampfende Wasser stiegt nach oben und bildete diese Säulen. Der See wurde so lange aufgestaut, bis die Oberfläche erstarrte. Dann brach der Damm, die Lava floss in den heutigen Myvatn See und zurück blieben die bizarren Skulpturen.

Innerhalb des Parks wurden mehrere Wanderrouten angelegt. Diese sind zum großen Teil entlang von asphaltieren Wegen, was uns etwas enttäuscht hat. Den Touristenmassen entkommt man, wenn man einen der längeren Trails wählt.

Insgesamt bleiben wir bei den Bildern aber zurückhaltend.

So ganz ist der Funke nicht übergesprungen. Wieso das so ist wissen wir nicht. Aber wir waren vor 2 Jahren ja bereits im Crater of the Moon Nationalpark in den USA und letztes Jahr in Hawaii. An beiden Orten sind die Lavafelder bei weitem beeindruckender und vor allem nicht so touristisch gestaltet. Trotzdem ist dieser Park einen Stopp wert, vor allem da es keinen Eintritt gibt.

Berühmt ist unter anderem ein Arch, zu dem man aber nicht mehr hin gehen darf.

Und dann noch eine große Höhle, die in ihrer Form an eine Kirche erinnert, weshalb sie auch Kirkjan Cave genannt wird. Ich glaube man sieht wieso:

Ein weiterer Funfact: die Metalband „Dimmu Borgir“ wurde genau nach diesem Ort benannt.

Zum Abschluss der Wanderung gönnen wir uns noch einen Kaffee und ein Stück Schokokuchen für insgesamt schlanke 20 Euro. Dafür schmeckt beides perfekt 😉

Endlich an den See

Mittlerweile steht die Sonne schon sehr tief und es wird auch schon kühler. Wir wollen trotzdem noch die Stunden nutzen und nun direkt an den See fahren. Wir bleiben ab und zu stehen und bestaunen das kristallklare Wasser inmitten von Lavaformationen.

Das eigentliche Ziel sind aber die Skútustaðagígar (absolut unmöglich auszusprechen 😉 ). Diese erkannte man schon auf den Bildern weiter oben. Es handelt sich um kleine Vulkankegel, die mit Gras bewachsen sind. Zwischen ihnen führen Wanderwege hindurch. Gerald hatte hier einen guten Spot aus dem Internet. Dieser befindet sich aber hinter einem Tor. Trotzdem war die Straße wohl öffentlich zugänglich und so fuhren wir bis zu diesem Punkt auf der Karte. Nur, dass wir mitten in einem Wandergebiet waren und hier natürlich kein Platz zum Parken ist. Die Wanderer sahen uns auch sehr verwundert an. Und so drehten wir besser doch um, parkten bei der Straße und gingen den Weg zu Fuß 😉

Aber auch diese Krater sind nicht durch Lavaausbrüche entstanden, sondern sind ebenfalls Dampfexplosionskrater. Es ist leicht sich vorzustellen wie so etwas passiert wenn gigantische Mengen Lava diesen See fluten. Die Explosionen müssen gewaltig gewesen sein. Die Wanderung hier war zu dieser Zeit sicherlich nicht so friedlich wie heute 🙂

Der Tag neigt sich dem Ende zu und da wir schon einige Kilometer in den Beinen haben, bleiben wir nur noch kurz im Supermarkt stehen und nehmen uns eine Kleinigkeit zu essen mit. That’s it für heute 🙂