Beeindruckende Strände und ein berühmter Berg

Wir haben gut geschlafen, aber die gesamte Nacht über hat es geregnet und es war trotzdem taghell. Das ist wirklich seltsam und verwirrt den Körper ganz schön. Man muss sich richtig dazu zwingen schlafen zu gehen. Leider verfügen die Hotels in Island nicht wirklich über Vorhänge mit denen man die Zimmer verdunkeln könnte und so fühlt es sich eher an wie ein Mittagsschlaf. Nur einmal ganz am Ende der Reise konnten wir das Zimmer wirklich vernünftig verdunkeln. Man braucht sich aber keine Sorgen machen. Denn wenn man den ganzen Tag unterwegs ist, ist man am Abend so müde, dass das mit dem Schlafen von alleine funktioniert 😉

Ein Blick nach draußen zeigt uns, dass es leider noch immer regnet und von unserem „Ocean View“ ist auch nichts zu sehen. Da wir es nicht ändern können, holen wir uns schnell einen Kaffee und essen diesen mit einem Kuchen in unserem Zimmer. Nach einem schnellen Checkout packen wir alles ins Auto und düsen los.
Heute steht die andere Hälfte der Halbinsel am Programm und unser erster Spot ist nur 10 Minuten entfernt. Die gewaltigen Klippen bei Lóndrangar sind beeindruckend und wir wären auch gerne zum Meer hinunter gestiegen. Vermutlich würde der Nebel das Motiv sogar eine mystische Stimmung verleihen, aber da natürlich alles nass und extrem rutschig ist, verzichten wir darauf.

Ein unerwartet toller Stopp

Wir fahren weiter an den Strand Djúpalónssandur, an dessen Aussprache man förmlich verzweifelt. Dieser ist zwar kein wirklicher Geheimtipp, denn man findet ihn im Internet, aber als wir dort ankommen sind wir doch sehr überrascht. Ein voll ausgebauter Viewpoint mit Toiletten und angelegten Wegen erwartet uns. So etwas sieht man eigentlich selten in Island. Wir gehen zum Strand hinunter wo uns eine unwirkliche Welt aus Lavasteinen, Moosen und schwarzem Sand erwartet.

Eine Infotafel erläutert uns, dass hier vor vielen Jahren Fischerboote los gestartet sind. Ohne jegliche Infrastruktur lebten hier bis zu 600 Fischer gleichzeitig. Wer auf einem Boot arbeiten wollte, musste sich aber zuerst durch hochheben eines Steines von 23 bis 154 kg beweisen. 54kg mussten es schon sein um als „Brauchbarer“ Arbeit zu finden. Für Gerald nicht wirklich ein Problem. Ok zugegeben, der Absatz auf den der Stein gehoben werden muss ist heute deutlich niedriger als damals. Fischer wird er aber sowieso keiner mehr 😉

Am gesamten Strand finden wir verrostete Wrackteile eines 1948 gestrandeten Schiffes. Diese sollen als historisches Denkmal liegen bleiben und dürfen daher auch nicht verändert werden. Uns ist nicht ganz klar wie diese so weit in das Landesinnere herein kommen. Denn das Meer reicht hier unter normalen Umständen nicht so weit. Wenn es hier wirklich Unwetter gibt, die tonnenschwere Metallteile hunderte Meter weit spülen, wollen wir dann lieber nicht hier sein.

Wir gehen bis zum Meer nach vorne und bestaunen die unglaubliche Kraft der Wellen und die Klippen die sie geformt haben. Wäre sicherlich noch beeindruckender wenn wir weiter als 100 Meter sehen würden 😉 Nein, mal im ernst: hier passt der Nebel wirklich gut. Gemeinsam mit den Wrackteilen, der Einsamkeit, den Wellen und dem Wind wirkt dieser Ort im Nebel sehr authentisch.

Am Rückweg kommen wir an kleinen Teichen vorbei, in denen sich die umliegenden Lavaskulpturen spiegeln. Es ist unglaublich friedlich und still hier.

Als dann einige russische (?) Jugendliche laut grölend mit Getränken in der Hand und ohne Schuhen (!) auf den Strand kommen, flüchten wir zurück zum Auto und fahren weiter.
Am Weg zu unserem nächsten Punkt würde der „Saxholl Crater“, ein Vulkankrater, liegen. Diesen könnte man besteigen und hat von oben eine tolle Aussicht über die Umgebung.
Jedoch ist es so nebelig, dass wir uns die Kraft hierfür sparen und fahren einfach weiter zum Skarðsvík Beach. Hier fühlt man sich sofort wie in der Karibik. Ein leuchtend gelber Sandstrand mit tiefblauem Wasser soweit das Auge reicht. Und dies alles eingebettet in Mitten eines Lavafeldes. Ein sehr surreales Erlebnis, dass nur durch den unfassbar starken Wind getrübt wird. Aber diesen sieht man auf den Bildern ja zum Glück nicht 😉
Wie auch beim letzten Spot sind wir hier völlig alleine, sehr ungewöhnlich für diesen Teil von Island.

Eigentlich wollen wir die Dirtroad zum Svörtuloft Lighthouse weiter fahren. Da wir aber auf Grund des Nebels nicht erwarten dort viel zu sehen, drehen wir in der Hälfte um. Die Straße wird zu schlecht und die Gefahr uns einen Stein einzufahren erscheint uns als zu groß. Und tatsächlich bleibt diese Straße bis zum Ende der Reise die schlimmste. Zum Glück wissen wir an diesem Punkt noch nicht wie schlecht unser Reifenzustand wirklich ist.

Fahrt in die Sonne

Wir fahren weiter um die Westspitze der Snaefellsnes Halbinsel herum und mit einem Schlag bricht der Nebel in sich zusammen und der blaue Himmel inklusive Sonnenschein kommt hervor.

Diese Wetterlage hält auch noch die nächsten Kilometer und so bleiben wir gut gelaunt beim Restaurant „Hraun“ stehen um einen Burger und Rippchen zu essen. Das Essen ist sehr gut aber mit 40€ alleine für diese beiden Speisen kommt es uns sehr teuer vor. Das sollte aber im Vergleich zur Qualität eines der günstigen Essen bleiben.

Vielleicht muss man an dieser Stelle etwas die Essensgewohnheiten auf Island erklären. Ja natürlich ist für uns hier alles sehr teuer. Aber es ist hier üblich zum Essen nur Wasser zu trinken und das ist überall auf Island kostenlos. Ja wir haben diesen Luxus in Österreich auch. Aber hierzulande wird man im Lokal doch etwas seltsam angesehen, wenn man zum Essen sonst nichts bestellt. Auf Island ist das ganz anders und in manchen Lokalen wird sogar davon ausgegangen, dass man nur Wasser trinkt.
Weiters ist es hier bei weitem nicht so üblich Trinkgeld zu geben wie im restlichen Europa oder gar den USA. Es ist sicherlich keine Verpflichtung, wenn natürlich gerne gesehen für einen außergewöhnlichen Service. Und so kommt man für das Essen, mit ein wenig Verzicht auf einen ähnlichen Preis wie man ihn auch zum Beispiel in den USA hätte.

 

Nur einige Fahrminuten weiter gibt es einen sehr langen tiefschwarzen Sandstrand. Dieser lässt sich gut mit den Bergen im Hintergrund in Szene setzen. Leider gibt es nicht wirklich einen Parkplatz dafür und so beschließen wir in einer Einfahrt zu einer Farm stehen zu bleiben.
Als Gerald aus dem Auto steigt, kreist über ihm sofort eine Küstenseeschwalbe, die wie kleine Möwen aussehen, mit lautem Geschrei. Da sich diese immer mehr seinem Kopf nähert steigt er wieder ins Auto ein. Wir warten einige Minuten und er versucht wieder sein Glück. Diesmal wird er binnen Sekunden von der Schwalbe im Sturzflug attackiert. Ok die Lage ist klar, die Schwalbe hat hier am Boden ihr Nest und findet unseren Parkplatz gar nicht toll wie wir. Diese Angriffe gibt es öfter und werden wir auch noch in unserem Urlaub erleben. Vor allem Tierfotografen wissen ein Lied davon zu singen. Als Fotograf gibt es allerdings einen guten Trick um lebend aus so einer Situation heraus zu kommen. Die Vögel attackieren immer den höchsten Punkt des Eindringlings. Somit braucht man nur sein Stativ hoch zu halten, was allerdings angesichts des spitzen Schnabels und des Kampfgeschrei einiges an Mut erfordert.

So kommen wir hier trotzdem nicht raus und wir suchen uns einen neuen Spot. Dieser ist zwar oberhalb des Strandes, aber wie so oft, stellt sich dies als der bessere Blickwinkel heraus. Danke an die Küstenseeschwalbe 😉 Der Wind ist hier oben so stark, dass die Vögel auch keine Chance haben uns zu attackieren. Irgendwie ist es schon lustig, wenn man sich gegen den Wind lehnen kann ohne umzufallen 😉

Von hier aus hat man einen genialen Ausblick auf die Berge, die offenbar die Wolken von dieser Seite der Halbinsel fern halten. Das nachfolgende Bild ist eines der Lieblingsbilder dieser Reise von Gerald 🙂

Das Erlebnis Kirkjufell

Weiter geht es, ohne Stopp, fast die gesamte Nordküste der Halbinsel entlang, bis zum berühmten „Kirkjufell“, was übersetzt „Kirchenberg“ heißt. Dieser wurde von zwei Gletschern so geformt, dass er wie eine Kirche aussieht. Vielleicht tut er das mit viel Fantasie, aber beeindruckend ist er allemal. Der Berg ist eines der am meisten fotografierten Motive Islands und wohl auch der Welt. Ich glaube es gibt keinen Winkel von dem aus dieser noch nicht fotografiert und veröffentlicht wurde. Das ist uns aber egal, weil wir haben ja noch kein Bild davon 🙂

Abgesehen davon ist er Hintergrundmotiv sehr vieler Filme, allen voran GoT, was ihm in der jüngeren Vergangenheit sicherlich zu noch mehr Berühmtheit verholfen hat.

Am Weg dorthin verschlägt es uns das erst Mal auf Island die Sprache. Über dem Kirkjufell hat sich eine extrem seltsame Wolke gebildet. Diese bleibt trotz Wind immer an der selben Stelle. Leider kann man auf Island nur sehr selten am Straßenrand stehen bleiben und so bleibt uns nur ein Handyfoto aus dem fahrenden Auto.

Es sieht zwar vielleicht so aus, als könnte man einfach rechts ran fahren, aber das ist keine gute Idee. Abgesehen davon, dass es verboten ist, ist die Fahrbahnschulter auch sehr weich und aus Lavagestein. Selbst wenn man mit dem Auto nicht stecken bleibt ist die Chance sehr hoch sich den Reifen an den scharfen Steinen aufzuschlitzen. Und so bleiben einem nur die seltenen Pullouts oder Farmzufahrten um zu halten.

Unser erster Spot liegt westlich des Kirkjufell. Hier lässt sich der Berg mit dem schwarzen Sandstrand davor in Szene setzen, den man allerdings nur bei Ebbe sieht. Obwohl der Berg so beliebt ist, befinden sich hier mit uns nur 5 Schafe. Papaschaf zeigt seinen Unmut über unsere Erkundung zwar mit strengem Blick, realisiert dann aber doch sehr bald, dass wir nur zwei Deppen sind die versuchen nicht in seine Ausscheidungen zu treten 😉
Verwunderlich wie einfach man den Touristenmassen entkommen kann, wenn man nur ein bisschen um die Ecke denkt.

Nur wenige Meter weiter befindet sich dann der Spot, den so gut wie jeder Islandreisende kennt. Nichts verkörpert Island so sehr wie diese Ansicht, die millionenfach fotografiert wurde. Und wer den Felsen bisher nicht erkannt hat, wird es jetzt tun oder gar nicht kennen 😉

Kein seriöser Landschaftsfotograf würde dies bei der Mittagssonne machen, aber hey hier muss man es nehmen wie es kommt. Zu diesem Zeitpunkt hofften wir außerdem noch am Abend zurückkommen zu können. Leider wollte das Wetter dabei nicht so ganz kooperieren.
Es hat knapp 20°C und die Sonne scheint bei perfektem Fotohimmel. Leider macht es der Sturm unmöglich irgendein Stativ sinnvoll aufzustellen. Diese werden sogar reihenweise umgeweht und so bleibt es bei einigen kürzeren Langzeitbelichtungen.

Aber hier zählt eigentlich sowieso vor Ort zu sein. Denn es gibt so viele Bilder von diesem Berg, die unmöglich mit einem einzigen Besuch getoppt werden können. Der Kirkjufell selbst ist deutlich größer als er auf den Bildern wirkt und ist in echt auch viel beeindruckender. Vergleichsweise sind die Wasserfälle davor, der Kirkjufellsfoss eher klein und gar nicht mal so aufregend. Es ist eher ihre Lage die ihnen zur Berühmtheit verhelfen.

Ein weitere Wasserfall stromaufwärts zeigt wie schnell sich Island ändert. Noch vor einigen Jahre hat man alles unternommen um Touristen anzulocken und mittlerweile wird vieles von den Grundeigentümern gesperrt. Auch in diesem Fall wurde der Zugang, vermutlich auf Grund der Zerstörung der Natur versperrt. Und so bleibt auch dieses Fotomotiv für vermutlich sehr lange Zeit der Öffentlichkeit vorenthalten. Schade, dass es wegen einiger weniger so weit kommen muss.

In der nicht unweit gelegenen Ortschaft Grundarfjörður gönnen wir uns im „Laki Hafnarkaffi“ einen Kaffee und einen Schokokuchen der locker als Hauptmahlzeit durchgehen kann, bevor wir zur nördlichsten Stadt der Halbinsel fahren. Was wir zu diesem Zeitpunkt nicht wissen ist, dass es einer der besten Schokokuchen unserer Reise sein wird 🙂

Ein Fischerdorf wie aus dem Bilderbuch

Stykkishòlmur ist der nördlichste Ort der Halbinsel und sieht wie auf einer Postkarte aus. Kleine, oftmals rote Häuschen am Hafen und alles dreht sich um den Fischfang. Nein, nicht alles, denn von hier aus fährt die wichtigste Fähre hinauf zu den Westfjorden. Diese Fjorde sehen wir diesmal nicht, denn wir brauchen ja einen Grund zurück zu kommen 😉
Vom Leuchtturm oben hat man einen super Blick über das kleine Dorf:

Der Leuchtturm steht auf einem kleinen Hügel mit einigen Wegen, die wir entlang spazieren. Von hier aus lässt sich die Aussicht in alle Richtungen genießen, was wir auch lange tun. Zum ersten Mal fühlt es sich so richtig nach Urlaub in einem nordischen Land an.

Unerwartetes Guesthouse

Lange haben wir überlegt wo wir heute übernachten sollen. Es wurde dann ein Hotel bei Stundafridur knapp außerhalb des Hafendorfs. Einerseits weil es hier günstiger ist und andererseits ist die Lage besser für den folgenden Tag. Das Guesthouse ist neu, so neu, dass es noch gebaut wird 😀 Zum Hotel kommt man über eine Schotterstraße die dann in einen Feldweg übergeht. Und gerade als man denkt eine Offroad Safari durch Island gestartet zu haben, steht man am Schotterparkplatz des Hotels. Wir werden aber sehr freundlich begrüßt und das Zimmer ist das beste bisher. Es ist groß, neu und vor allem sehr sauber. Und natürlich ist die gesamte Einrichtung, bis hin zum Klopapierhalter vom Ikea 😉

Mit 138 EUR/Nacht ist dieses Guesthouse mit Abstand die billigste Unterkunft unserer Reise. Das Frühstücksbuffet ist zwar klein, aber immerhin inkludiert und so geben wir dem Hotel 5 von 10 Punkten.

Das wahre, unerwartete Highlight ist aber der unverbaute Ausblick bis in den Norden zu den Westfjorden. Wir können nicht anders als erst einmal minutenlang am Fenster zu stehen.

Denn von diesem Blick trennt man sich nur schwer:

Wie bereits erwähnt, war unser Plan eigentlich nochmals zum Sonnenuntergang zum Kirkjufell zu fahren. Wie vom Wetterbericht vorhergesagt, gewinnen die Wolken aus Hellnar jedoch den Kampf um 18 Uhr. Seitdem ist wieder alles, inklusiver unserem Ausblick, im Nebel versunken. Wir blasen den Plan daher ab und sammeln wieder Kräfte für die kommenden Tage.