Der heutige Tag begrüßt uns nicht sehr freundlich. Zwar befinden wir uns in einem Regenwald aber, dass wir innerhalb einer Wolke aufwachen war uns nicht bewusst. Draußen ist es nebelig, kalt und es regnet. Dementsprechend kühl war die Nacht, denn auch hier gibt es wieder keine Heizung (wie fast überall in Südafrika). Wir haben aber trotzdem sehr gut geschlafen. Unsere Laune ist gut und wir machen das Beste daraus 🙂

Touristenmassen auf den Hängebrücken

Hier im B&B ist das Frühstück inkludiert, also machen wir uns erst einmal fertig und gehen hinüber ins Haupthaus. Wie üblich stehen dort kleine Tische, einer für jedes Zimmer. Eine Köchin begrüßt uns und will wissen wie wir gerne unsere Eier hätten. Es gibt auch hier wieder das typische südafrikanische Frühstück. Wieder gut, aber nicht herausragend. Alles in allem sind wir aber sehr zufrieden. Wir packen unsere Koffer und verstauen sie im Auto.

Da unser B&B sehr gut gelegen ist, fahren wir nur einige Minuten bis zum Eingang des Nationalparks. Dort werden wir beim Vorzeigen unserer Wildcard mehr oder weniger einfach durch gewunken. Unser erster Halt ist gleichzeitig auch der touristisch am meisten überlaufene. Der Tsitsikamma National Park ist bekannt für seine Hängebrücken die quer über die Meeresbucht gespannt wurden. Weiter gibt es hier aber auch tolle Trails durch den Regenwald und vor allem der Küste entlang. Einer davon ist sogar mehrere Tage lang und benötigt ein Overnight Permit. Ja richtig – den machen wir nicht 😉

Direkt am Parkplatz des „The Mouth Trail“ begrüßen uns schon einige dieser lustigen Wesen:

Wir werden diese niedlichen Tiere hier überall entlang der Küste bis nach Kapstadt sehen. Wir brauchten lange um herauszufinden um was es sich dabei handelt. Die sogenannten Klippschliefer sind Meister der Anpassung und deswegen auch so erfolgreich. Sie können auf Wiesen genauso leben wie an steilen Klippen der schroffen Südküste.

Vermutlich sind sie bei Touristen so beliebt, weil sie fast den gesamten Tag nur in der Sonne liegen. Sie haben einen sehr langsamen Stoffwechsel und können ihre Körpertemperatur nur schwer regulieren. Es ist für sie somit quasi lebensnotwendig zu schlafen 😉

Wirklich faszinierend ist aber eine Tatsache, die man erst seit der Erfindung der DNA Analyse kennt. Der Klippschliefer gehört nämlich keineswegs zu den Nagetieren. What?! Sieht doch aber aus wie ein zu groß gewordener Hamster, werdet ihr jetzt sagen? In Wahrheit sind es aber Huftiere. Und es kommt noch besser, denn ihre nächsten Verwandten sind … die Elefanten und Seekühe. Glaubt ihr nicht? Die Wissenschaft beweist es aber, denn die Tiere teilen sich 60% ihrer DNA.

Ok ok ihr müsst nun nicht zum Arzt laufen, weil ihr an den süßen Fellhaufen keinen Rüssel mit großen Ohren seht. Vielmehr stammen diese drei Tiere alle aus dem ursprünglichen Afrika. Sie haben sich ganz einfach aus einem Urtier, also quasi einer Klippschlieferelefantenseekuh entwickelt. Die einen sind lieber geschwommen, die anderen möglichst groß geworden und der Klippschliefer eben faul und klein. Jeder hat sein, durchaus erfolgreiches, Rezept gefunden. Aber ein Teil der DNA wird für alle Ewigkeit gleich bleiben, egal wie sie aussehen.
Wer will, kann dies nun durchaus philosophisch sehen. Denn unabhängig von unserem Aussehen und Herkunft, sind wir alle irgendwie gleich. Uns trennen nur minimale Unterschiede. Wissenschaft rockt 😉

So genug vom Universum/GEO Wissen und weiter mit unserem Reisebericht.
Hier am Parkplatz hat man zwei Möglichkeiten: entweder man geht den kurzen Trail zur Mouth Suspension Bridge oder man setzt sich in ein Kanu und paddelt über das Meer in die Flussmündung hinein. Bei diesem Wetter und dem Seegang sieht die zweite Option aber nicht sehr einladend aus und so entscheiden wir uns für Tür Nummer 1 🙂

Noch sind wir hier auf dem gerade einmal 1 Kilometer langen Trail alleine, aber das sollte sich bald ändern.

Sofort geht es hinein in den Regenwald, aber an fast jeder Stelle sieht man auf das offene Meer hinaus. Ein sehr toller Ort hier.

Und dann kommen wir auch schon zur ersten Suspension Bridge (also Hängebrücke), für die dieser Trail so berühmt ist.

Natürlich machen wir alle Tourifotos. Muss ja auch sein 😉

Hier erkennt man ganz gut, wieso diese Brücken gebaut wurden. Die Geologie ist nämlich für den Menschen sonst etwas zu anspruchsvoll um voran zu kommen 😉

Folgt man der Brücke über das Meer sieht man in den „Mouth“ hinein. Leider ist das Wetter immer noch sehr trüb, aber bei Sonnenschein ist das hier sicherlich ein traumhafter Ort.

Wir gehen einmal über die gesamte Brücke. Hier würde der Trail noch weiter in den Wald führen. Wir kehren aber um, da wir noch einen sehr langen und anstrengenden Wanderweg vor uns haben.

Auf dem Rückweg zum Parkplatz kommen uns Massen von Touristen entgegen. Ganze Busse deutscher Touristen mokieren sich über den nassen Weg und wie gefährlich das hier nicht alles ist. Man könnte fast meinen die Herrschaften stammen aus Österreich, so viel wie ich beschwert wurde. Wir üblich outen wir uns nicht als deutschsprechend, sondern schweigen vor uns hin oder reden Englisch.

Mühsamer Weg zum Wasserfall

Wir fahren einige Meter weiter zum nächsten Parkplatz, von wo aus der Otter Trail zum Waterfall Tsitsikamma startet. Zwar ist der Trail nur 2,5 Kilometer lang (in eine Richtung), aber er führt über große Steine und quer durch einen Wald mit großen Wurzeln. Abgesehen davon ist die Aussicht so toll, dass man ständig stehen bleibt.

Wege sind hier eher selten:

Meistens geht es direkt über den Strand:

Nach Ewigkeiten sind wir dann am Wasserfall angekommen. Dieser ist zwar ganz nett, in der Mittagssonne entstehen hier aber keine tollen Bilder. Wir relaxen hier eine Weile auf den Steinen bis es eine Welle bis zu uns schafft und uns komplett nass macht. Ok Platz gewechselt und weiter gechillt 😉

Gemeinsam mit uns sind hier übrigens nur Deutsche, Österreicher und Schweizer, was irgendwie sehr seltsam ist.

Am Rückweg haben wir dann ein kleines Problem: der Trail ist weg! Ja richtig gelesen, der Weg über die Steine am Strand steht nun mindestens einen Meter unter Wasser und wird von gewaltigen Wellen umspült.
Gemeinsam mit einem deutschen Pärchen suchen wir ewig nach einem Ausweg. Wir entdecken eine kleine Markierung auf einem Felsen die wohl darauf hindeutet, dass man diesen weg bei Flut nehmen soll. Es stand aber nur ein Pfeil mit einem „HT“ (wohl für high tide) auf einem Felsen. Also sehr gewagt diesem Weg zu folgen. Dieser geht steil nach oben und auf der anderen Seite müsste man sich eigentlich abseilen. Gemeinsam gelingt es uns aber zu 4. wohlbehalten wieder auf den ursprünglichen Weg zu kommen. Völlig erledigt kommen wir beim Auto an und trinken erst einmal literweise Wasser bevor es weiter geht.

Jede Menge Affen

Nach einer halben Stunde Fahrt kommen wir im Monkeyland an. Hier hat man über ein Stück Wald ganz einfach eine Zaunglocke gebaut um die Affen darin halten zu können. Es handelt sich dabei aber ausschließlich um Affen die vorher in privater Haltung oder in Zoos gewesen sind. Diese könnten nicht mehr ausgewildert werden.
Eine 45 minütige Führung führt uns quer durch das Areal. Der Guide erklärt uns natürlich auch zu jeder Affenart die Eigenheiten.

Die Tiere werden 2x täglich auf mehreren Futterstationen gefüttert. Neben viel Obst steht auch Huhn auf dem Speiseplan. Ihr könnt euch vorstellen wie groß der Streit an diesen Plattformen ist 😉

Dieser, aus Indien stammende Herr ist alt und schon sehr dement. Deswegen ist er extrem aggressiv und geht auf so ziemlich jeden los der sich ihm nähert – egal ob Affe oder Mensch.

Auch hier gibt es wieder eine Hängebrücke. An dieser sollte man vorher aber alles gut verstecken was man bei sich trägt. Denn die Affen hier warten nur auf eine Gelegenheit ein Handy, Flasche oder Kamera zu stehlen und sich damit davon zu machen. Todesmutig habe ich einem von den Verbrechern in die Augen gestarrt 😉

Lemuren gehören eigentlich nicht zu den Affen. Aber auch davon gibt es hier einige. Wenn es ihnen zu kalt wird, kuscheln sie sich zu dichten Gruppen zusammen.

Und hier oben erkennt man in der Baumkrone Brüllaffen, die ein wirklich gruseliges Geräusch von sich geben. Das Brüllen ist viele Kilometer weit zu hören.

Aber zu den süßesten Vertretern zählen sicherlich die nur wenige Zentimeter großen Kapuzineraffen. Leider werden diese wegen ihrer Größe sehr oft in privaten Haushalten gehalten. Das geht dann oftmals nicht gut aus, weshalb die Tiere teilweise verstümmelt und verstört hier landen. Nach einer Eingewöhnungsphase dürfen sie hier dann aber halbwegs frei ihren Lebensabend verbringen.

Die Führung war zwar toll, aber für den Preis von knapp 20€ pro Person mit 45 Minuten doch viel zu kurz. Am Ende verabschiedet uns wenigstens ein sehr geselliger Affe 🙂

Ausklang des Abends am Strand in der Traumvilla

Nach weiteren 30 Minuten Fahrt erreichen wir Plettenberg Bay. Quasi der Urlaubsort für die Schönen und Reichen. Dementsprechend sehen hier auch die Villen aus. Eine davon, die Milkwood Manor on Sea, wird heute unser Nachtquartier sein. Bereits aus der Ferne staunt man nicht schlecht über die Größe und Lage:

Wir werden nett begrüßt und aufs Zimmer geführt. Dieses ist sehr neu, modern und ausreichend groß. Die Aufpreis für den Meerblick wollten wir uns nicht gönnen, da es sowieso gleich dunkel wird.

Mit 96€ pro Nacht wird es langsam aber sicher immer teurer, ist aber immer noch völlig akzeptabel. Die Parkplätze sind jedoch beschränkt und extrem eng. Und weil das B&B auch sonst kein wirkliches Highlight bietet vergeben wir sehr gute 7,5 von 10 Punkte.

Nachdem wir uns umgezogen haben spazieren wir beim beginnenden Sonnenuntergang noch quer über den Strand zu einem Restaurant (wie verrückt ist das eigentlich?). Leider ist dort ziemlich viel los und wir bekommen nur noch einen Platz auf der Terrasse. Dort ist zwar der Blick unschlagbar, aber es wird ohne Sonne doch langsam kühl. Wir genießen ein perfektes Steak und sehen der Sonne zu wie sie im Meer verschwindet. Wenn das mal nicht Romantik pur ist 😉