Heute machen wir uns von Middelburg auf nach Johannesburg, wo wir in Richtung Süden bis Port Elizabeth fliegen. Im Vorfeld wurde allerdings unser Flug storniert und auch am Flughafen werden wir die ein oder andere böse Überraschung erleben.

Frühstück und Abreise

Aber mal von vorne. Wir wachen nach einer sehr guten Nacht auf. Das Zimmer war perfekt zum Schlafen aber zugegeben, wir waren auch komplett zerstört. Das gestrige Gute-Nacht-Steak liegt uns noch ein bisschen im Magen, aber hier im Guesthouse soll es ein sehr gutes Frühstück geben. Wir haben aber keinen Stress, da unser Flug erst gegen Mittag geht. Daher machen wir uns langsam fertig und spazieren vorher noch ein bisschen über das Gelände.

Der Garten des Guesthouse, in dem auch die Betreiberfamilie selbst lebt, ist mit viel Liebe zum Detail eingerichtet. Und wäre da nicht die meterhohe Mauer, die von einem Elektrozaun abgeschlossen wird, könnte man sich total wohl fühlen. Aber genau das hinterlässt dann doch einen komischen Beigeschmack. Und dabei glauben wir, dass diese Sicherheit gar nicht notwendig ist. Im Laufe unserer Reise bekommen wir mehr und mehr den Eindruck, dass „man es einfach so macht“. Ihr kennt das sicher: einer der Nachbarn baut eine Sicherheitstür ein, also rüstet ihr eine Alarmanlage nach. Dieser setzt wieder mit Videoüberwachung einen drauf und so weiter und sofort. Hier endet eben alles in einem wohl sehr gut vertriebenem Elektrozaunmarkt.

Was ich schon wieder philosophiere 🙂 Und eigentlich wollte ich euch nur die Bilder zeigen:

Dann geht es hinüber in das Wohnzimmer der Gastgeber. In der Küche ist ein kleines aber feines Buffet aufgebaut. Jedes Zimmer hat einen eigenen Tisch, an dem bereits diverse Früchte, Marmeladen und so weiter aufgedeckt wurden.

Hinter uns sitzt noch eine 5-köpfige amerikanische Familie, aber sonst sind wir alleine. Wir genießen das Essen und packen dann unsere Koffer. Nach einem kurzem Checkout, bei dem sich auch die Frau des Hauses extra verabschieden kommt, sind wir auch schon wieder auf der Straße.
1,5 Stunden geht es schnurgerade auf der Autobahn in Richtung internationalem Flughafen von Johannesburg.

Das Abenteuer am Flughafen

Direkt am Flughafengelände gibt es eine große Tankstelle, denn wir müssen den Mietwagen natürlich wieder vollgetankt zurück geben. Diese ist mit viel Mühe auch zu finden, wenn man mal das Labyrinth an Straßen richtig gedeutet hat. Kurze Zeit später sind wir auch schon bei unserem Autovermieter. Die Rückgabe gestaltet sich noch einfacher als in den USA. Der Angestellte läuft einmal ums Auto und das wars.

Wir rollen mit unseren Koffern über das Gelände in Richtung Haupteingang, wo wir durch die Schiebetüren hinein gehen. Und dann beginnt das Abenteuer Flughafen in Johannesburg.

Denn sofort empfängt uns ein Mitarbeiter vom Flughafen. Ja das haben wir kontrolliert. Denn neben der passenden Kleidung trägt dieser einen Ausweis, der relativ fälschungssicher aussieht. Außerdem spricht er uns direkt neben zwei Polizisten an. Und eigentlich fragt er uns auch nur welchen Flug wir haben und ob wir schon eingecheckt sind.
Er zeigt uns den Automaten und führt für uns die paar Klicks durch. Das geht alles so schnell, dass wir gar nicht richtig mitbekommen was los ist. Und außerdem gibt es diese Hilfe an jedem Flughafen der Welt.

Er übergibt uns unsere Bordkarten und zeigt uns den Weg zur Kofferaufgabe. Dann allerdings stellt er sich uns in den Weg und meint er bekommt nun Trinkgeld. Mindestens 100 Rand sollen es sein, denn wir sind ja Europäer und hätten unendlich viel Geld. Ähm ja – nein sicher nicht.
Wir geben zu verstehen, dass er die üblichen 10 Rand haben könne, aber mehr Geld haben wir nicht mehr. Und ganz ehrlich: mehr Trinkgeld war für einen aufgezwungenem Service von einem fest angestelltem Mitarbeiter auch nicht notwendig. Wenn er das den ganzen Tag so macht, schafft er gut 100 Personen in der Stunde. Ihr könnt euch selbst ausrechnen, was da für ihn abfällt.

An der Kofferaufgabe angekommen, begrüßt uns schon der nächste „Mitarbeiter“. Wir sind noch etwas unter Anspannung und so sage ich recht unfreundlich, dass ich es schaffe den Koffer zwei Meter nach vorne zu rollen.

„No no sir, it’s my job. Don’t make me unemployed.“ – aha na gut soll er halt unseren Koffer schieben. Er will auch unseren Pass und Bordkarte haben, aber dies verweigern wir ihm natürlich.

Hier am Schalter von British Airways ist alles wie man es kennt. Eine Person sitzt neben einem Kofferband mit Waage und kontrolliert die Bordkarten. Nur, dass diese Waage hier 25kg anzeigt, was völlig unmöglich ist. Vor wenigen Tagen hatten wir noch 22kg und auch unsere Kofferwaage bestätigt dies.
Aber irgendwie passiert rein gar nichts. Unsere Koffer werden getagged und fahren nach hinten in den Flughafen.

Wir haben mit diesem Thema schon abgeschlossen und wollten eigentlich in Richtung Sicherheitskontrolle gehen, als der Typ von gerade eben sich vor uns aufbaut. Er müsse den Mitarbeiter der Fluglinie regelmäßig bestechen damit zu schwere Koffer angenommen werden. Nur deswegen haben wir keine 200 Rand pro Koffer extra bezahlt. Als Entschädigung will er nun 100 Rand pro Person haben. Im Gegensatz zu dem letzten Mitarbeiter ist dieser hier richtig aggressiv. Meint sogar er geht mit uns zum Bankomaten Geld abheben. Immer wieder ignoriert er unser „Nein“ und den 10 Rand Schein, den wir ihm geben wollen. Er stellt sich weiterhin in den Weg und die Situation eskaliert langsam.

Ich schaue mich bereits nach dem nächsten Polizisten um, obwohl ich wenig Hoffnung haben, dass uns dieser helfen würde. Mit einem Mal reicht es aber Katrin. Meine Frau, die bis dahin nichts gesagt hat, schreit den Typen mitten in der Flughalle lautstark an, wirft ihm die 10 Rand entgegen und wir gehen weiter.
Dieser ist derartig perplex, dass er nur noch dem Geldschein hinterher jagt, der wie in einem schlechten Film vom Wind quer durch den Flughafen getrieben wird. Im Laufschritt gehen wir zur Sicherheitskontrolle und können nach der ersten Polizeikontrolle aufatmen.

Nun war das alles wirklich keine bedrohliche Situation und für uns ist das Handeln dieser Leute hier auch völlig verständlich. Von der Gesellschaft ausgenutzt, am Limit zur Armut und kaum Hilfe vom Staat. Dann bleiben leider nur noch diese Einnahmequellen.
Doch an einem internationalen Flughafen mit Polizeibewachung hätten wir dies von angestellten Mitarbeitern nicht erwartet. Daher unsere Bitte: sobald ihr den Flughafen betretet, sprecht mit niemanden. Sagt auf alles ein klares und nachdrückliches „No thank you. Go away.“, dass von allen Umstehenden klar vernommen wird. Und lasst euch bloß von niemanden helfen.

Ach übrigens: die Koffer haben den Flug gut überlebt und uns wurde bis heute nichts nach verrechnet.

Der Flug

Wir setzen uns die restlichen Stunden in ein Kaffeehaus und beobachten die Flieger am Rollfeld.

Eigentlich wollten wir uns mit einer Deutschen treffen, die unser Schicksal heute teilt. Leider haben wir diese dann aber doch nur kurz im Flugzeug gesehen, da wir uns auch nach der Landung aus den Augen verloren haben. Der Flug in den wir gleich steigen, war nämlich nicht jener den wir ursprünglich gebucht haben.

Der Mango-Flug (ja so heißt die Fluglinie wirklich) wurde nämlich einfach wenige Wochen vor unserer Reise abgesagt. Oder genauer gesagt wurden wir auf einen Flug auf den späten Nachmittag umgebucht. Nun haben wir aber nach der Landung eine 2-stündige Fahrt vor uns, die wir auf keinem Fall in der Dunkelheit zurücklegen wollten. Also blieb uns nur einen doppelt so teuren Flug zu buchen und zu versuchen das Geld zurück zu bekommen.

Nach einer sofortigen Zusage der Rücküberweisung sollte es aber noch mehrere Monate, und viele E-Mails, dauern bis wir das Geld wirklich bekommen haben. Und so bleibt auch hier ein bitterer Nachgeschmack.

Der British Airways Flug selbst startet aber pünktlich. Die Maschine ist zwar sehr alt, aber der Service gut und der Flug völlig problemlos.

Wir überfliegen die Vororte von Johannesburg, die wegen der Trockenheit etwas trostlos wirken:

Und eine Stunde später können wir schon das Meer und die endlosen Stände der Südküste Afrikas sehen. Was für ein Traum:

Der Flughafen von Port Elizabeth erinnert eher an einen kleinen Inselflughafen, als jener einer Großstadt. Schnell holen wir unsere Koffer und versuchen vor der Masse am Mietwagenschalter zu sein, was uns auch gelingt.
Hier bekommen wir einen Toyota RAV4, der schon so manche Delle besitzt. Sonst ist das Auto aber sauber und hat vor allem einen Sichtschutz für den Kofferraum. Ich kann es vorweg nehmen, er wird uns die nächsten Tage sicher überall hin bringen.

Auf dem Weg ins Grüne

Wir fahren ohne Zwischenstopp so schnell wie möglich aus Port Elizabeth hinaus. In dieser Stadt gibt es nicht sonderlich viel. Und der sicherste Ort der Welt ist es auch nicht gerade. Nächster Halt: Storms River, ein kleines Dorf mitten im dichten Wald der Garden Route, wie der Küstenstreifen hier bis Kapstadt genannt wird.

Wir checken schnell im Hotel ein, gehen aber wegen der späten Stunde gleich hinüber in ein amerikanischen Diner essen. Viel Auswahl haben wir leider nicht, aber das Essen war gut und das Ambiente echt cool. Die Eigentümer haben sich zwar viel Mühe gegeben ein Stück USA hier her zu bringen, aber es mag so gar nicht in diese Umgebung passen.

 

Das Hotel

Unser Hotelzimmer ist unglaublich geräumig und besitzt gleich 4 Betten. Auch im Badezimmer könnte man locker einen Walzer hinlegen. Dadurch ist es in diesem aber auch sau kalt und insgesamt mag das Zimmer nicht durch Gemütlichkeit überzeugen. Für 86€ pro Nacht aber mehr als ok, da die Lage annähernd perfekt ist. Wir vergeben daher gute 6,5 von 10 Punkten.

Morgen erwarten wir wieder einmal Touristenmassen, weshalb der Wecker früh läutet. Nach diesem Tag haben wir aber auch einiges zu verarbeiten und so fallen wir sehr früh ins Bett.