Bevor der Tag stürmisch endet, beginnt er erst einmal mit Regen. Aber alles der Reihe nach, denn eigentlich hatten wir heute in Oudtshoorn viel vor.

Völlig verregneter Vormittag in der Wüste

Wir wollten gleich in der Früh einer Erdmännchenkollonie beim Erwachen zusehen, aber der Regen war angekündigt und da bleiben die kleinen im Bau. Auch eine Straußenfarm interessiert uns bei diesen Temperaturen wenig und so wollten wir unser Glück in der Cango Wildlife Ranch versuchen. Diese ist berühmt dafür, dass es hier „Animal Encounter“ gibt. Also man kann verschiedene Tierarte wie Geparden, Krokodile oder Affen hautnah erleben. Das klingt natürlich erst einmal für die Tiere nicht toll und wir wissen auch nicht wie schädlich es ist. Es handelt sich aber um aufgezogene Tiere die keine Chance in der Freiheit hätten. Mit dem Zoo wird angeblich ein Wiederaussetzungsprogramm finanziert. Kann man glauben oder auch nicht.

Ist aber auch egal, denn in dem Moment wo wir aus dem Auto steigen, beginnt es unglaublich zu schütten. Nach einer kurzen Beratung brechen wir unsere Zelte ab und fahren wieder zurück an die Küste. Zwar klingt unser Ausflug nach Oudtshoorn für euch nun sicher nicht aufregend, aber alleine die Fahrt und die Landschaft hier waren es wert.

Nach wenigen Kilometern ist vom Regen nichts mehr zu sehen und wir fahren wieder durch die Steppe der USA …. äh Afrikas.

Cola im Sex Shop

Nach gut 1,5 Stunden Fahrt durch das Nichts, taucht am Straßenrand endlich ein Haus auf. Die Straße hier ähnelt sehr der Route 66 in den USA und so gibt es auch hier ab und zu kleinere Geschäfte die sich zu Touristenmagneten entwickelt haben.

Eines davon ist Ronnies Sex Shop, der von außen nicht sonderlich einladend aussieht. Aber he was hat man in der Wüste schon für eine Wahl?

Es gibt einige Gerüchte wie dieser Laden entstanden ist und wieso er so heißt. Ich habe hier mal meine eigene Erklärung. Ronnie hat nach einer Möglichkeit gesucht „anders“ zu sein. Und so sammelte er ganz einfach BH’s von Touristen. Das hat sich herum gesprochen und schnell wurden auch T-Shirts, Visitenkarten, Unterschriften, Abzeichen und Wappen gesammelt. Am berühmtesten sind aber sicherlich die BH’s 😉

Der Laden selbst gibt nicht viel her. Auch Ronnie und seine Angestellten glänzen nicht mit Freundlichkeit. Wir nutzen aber die Toiletten (wichtig in dieser Gegend 😉 ) und trinken etwas.

Aus Regen wird Sturm

Vor uns liegt nun wieder die Passstraße und wie ich es schon gestern erklärt habe, staut sich hier die feuchte Luft des Ozeans. In genau diese Wolkendecke fahren wir nun hinein.

Nach einigen gewaltigen Regenschauern ist der Himmel plötzlich wieder blau.

Und wieder wenige Minuten später ist alles wieder grün.

Dieser Wechsel ist wirklich unfassbar. Wir haben das schon in vielen Ländern der Welt gesehen, aber hier ist es wirklich innerhalb von 30 Minuten Fahrt ein kompletter Wechsel.
Leider sieht es nur so schön aus, denn mit der Sonne kommt auch der Sturm. Und je weiter wir zum Meer kommen, desto stärker wird dieser.

Südlichster Punkt Afrikas

Der Weg in den Ort Cape Agulhas zieht sich dann ziemlich. Irgendwann werden aber die verarmten Hütten von gigantischen Villen abgelöst und wir können wieder das Meer sehen. Wir parken direkt beim Lighthouse, dass damit natürlich das südlichste von ganz Afrika ist. Über uns machen sich aber schon die nächsten Gewitterwolken breit, also beeilen wir uns mit dem nächsten Bild.

So schön die Gegend auch ist, das Wetter ist gerade eine Herausforderung. Wir warten den massiven Regenschauer ab und fahren weiter zur wirklichen Südspitzen. Jetzt hat der Regen zwar nachgelassen aber der Sturm ist so stark, dass man sich dagegen lehnen kann.

Der eigentliche Punkt ist recht unspektakulär. Hier geht es eher um die zweite geografische Besonderheit dieses Ortes. Hier teilt sich nämlich der indische und atlantische Ozean.

Und das ist Katrin am südlichsten Punkt von Afrika mit einem Fuß im indischen und dem anderen im atlantischen Ozean 🙂

Nicht unweit von hier gibt es auch noch ein Schiffswrack im Meer, das sich perfekt als Fotomotiv eignet. Wir fahren die sehr üble Dirtroad dorthin, aber bereits von weitem sehen wir, dass es keinen Sinn hat. Die Wellen sind so hoch und der Sturm so stark, dass an ein Aussteigen nicht zu denken ist.

Die Unterkunft der anderen Art

Jetzt wird es aber Zeit den langen Weg zu unserer Unterkunft anzutreten. Bereits in der Früh haben uns unsere Gastgeber des „Amazing Grace B&B“ auf Whatsapp geschrieben, dass sie am Nachmittag auf einer Weintour sind. Dazu gab es Bilder wo sie den Schlüssel versteckt haben. Also schon einmal etwas anders 😉
Als wir bei unserer Unterkunft in De Kelders ankommen, trifft aber auch gerade der Tourbus ein und lädt unsere Gastgeber ab. De Kelders liegt neben dem Ort Gansbaai, der für seine Walsichtungen bekannt ist.

Uns wird alles gezeigt und wir sind etwas überrascht. Weil sonst kein Gast da ist, dürfen wir beide Zimmer nutzen. Somit haben wir zwei Schlafzimmer und Badezimmer. Die Unterkunft selbst ist sehr schön und mit viel Liebe zum Detail eingerichtet. Und man kann sogar das Meer sehen!

Leider ist es durch den Wind richtig kalt und wie üblich gibt es in Afrika keine Heizungen. Unsere Gastgeberin sagt es sehr treffend „Africa is not for sissis“ 😀

Bei der Bewertung des „Amazing Grace B&B“ lassen wir den Punkt Wetter aber aus und so werden es immerhin 8 von 10 Punkten, was angesichts des Preises von 86€ pro Nacht wirklich hervorragend ist.

Unsere Gastgeber reservieren uns wieder einen Tisch in dem besten Restaurant der Stadt. Aber bevor wir dorthin fahren wollen wir noch ans Meer. Wie zu erwarten war, sieht man keine Wale, selbst wenn sie da wären, die Wellen sind einfach zu hoch dafür. Dafür bricht der Himmel für wenige Sekunden auf und wir erleben einen traumhaften Sonnenuntergang.

Wieder ein traumhaftes Abendessen

Wir fahren zurück nach Gansbaai zum Thyme at Rosemary’s Restaurant. Mittlerweile hat der Wind nochmals zugelegt und es ist richtig kalt geworden. Das Restaurant ist sehr klein und in einem umgebauten Einfamilienhaus untergebracht.

Die Karte ist klein aber exzellent und weil wir uns nichts anderes finden essen wir natürlich wieder Steak 😀 Aber als Vorspeise gibt es erst einmal warthog carpaccio (also Warzenschwein). Das schmeckt hervorragend, lässt sich aber kaum von unserem heimischen Wildschwein unterscheiden.

Zwischenzeitlich fällt dann der Strom aus, wodurch sich das Essen etwas verzögert. Auch hier drin wird es immer kälter und so sitzen bald alle Gäste mit Jacken beim Essen. Die Steaks sind wieder perfekt, genauso wie der Service.

 

Satt, glücklich und erfroren gehen wir kurze Zeit später ins Bett 🙂