Als der Wecker klingelt, kommt es uns vor als hätten wir gar nicht geschlafen. Draußen ist es stockdunkel aber man hört bereits, dass die ersten Leute ihre Autos beladen. Wir machen uns ebenfalls fertig und steigen über Tonnen von Fledermausexkrementen vor unserer Tür ins Freie.

Ein letztes Mal im Kruger

Mit Anbruch des Tages erkennt man dann auch endlich unseren Bungalow. Gestern Nacht war es dafür ja wieder zu spät, oder eigentlich zu dunkel.

Wir folgen dem morgendlichem Trend, beladen ebenfalls unser Auto und fahren zum Gate. Wenig überraschend treffen wir auch hier wieder Silke, die sich einen Platz ganz vorne (2. Auto) ergattert hat. Heute können wir ihr aber leider nicht folgen, denn sie will in Richtung Norden. Wir müssen uns aber heute eher südlich orientieren, da wir am Nachmittag hier den Park in Richtung Johannesburg verlassen müssen.

Wir entscheiden uns spontan eine Runde über Schotterstraßen ganz in der Nähe des Camps zu fahren. Fast zwei Stunden fahren wir über die schlechte Straße und halten immer wieder an weil Tiere direkt im Weg stehen und auch keine Anstalten machen diesen zu verlassen 🙂 Wir sehen zwar nichts Besonderes, aber hier ist es so still und friedlich, dass wir teilweise einfach nur den Motor abstellen und den Moment genießen. Es ist ein Kitschmoment. Wir stehen auf einer Erhöhung mitten in der Savanne, vor uns laufen Zebraherden herum, der Wind weht durch die Büsche und erzeugt dabei ein leises Pfeifen. Kein Mensch, außer uns ist hier und das genießen wir ausgiebig.

Zurück auf der Hauptstraße haben wir dann wieder einmal Hyänenglück. Diese liegen völlig unbeeindruckt direkt neben der viel befahrenen Straße herum und beobachten die Autos.

Wieder fahren wir querfeldein. Diesmal in Richtung „Afsaal Picnic Site“, wo wir heute Frühstück essen wollen. Aber auch auf dieser Straße sehen wir kein einziges Tier, obwohl das ja schon fast unmöglich ist. Nach gut fünf Stunden Fahrt ohne wirkliche Highlights verstehen wir langsam wie es den Leuten normalerweise geht. Aber wir sind nicht undankbar, denn selbst wenn heute nichts mehr folgt, haben wir schon mehr als genug gesehen. Und alleine hier sein zu können reicht schon aus 🙂

Disneyland auf afrikanisch

In der Afsaal Picnic Site angekommen sind wir schockiert. Hier stehen hunderte Busse (die großen!), Pickups und Autos herum. Es wimmelt nur so vor tausenden von Touristen. Kreischende Asiaten genauso wie Einheimische. Ein Horrorbild mitten im so friedlichen Busch. Wenn man sich vorstellt, dass wir vor 4 Stunden noch dem Wind zugehört haben wie er über die afrikanische Savanne pfeift, ist das hier alles surreal.

Wir setzen uns ganz weit weg von den Massen an einen Tisch und bestellen wieder einmal ein klassisches südafrikanisches Frühstück.

Die abgeschiedenen Lage hat zur Folge, dass wir um unser Essen mit Vögel streiten müssen. Es ist halt Afrika 😀 Und eines wird schnell klar: die wissen wie man diesen Krieg führt. Ablenkungsmanöver, taktische Vorgehensweisen und Teamangriffe sind nur einige der Strategien die uns eindrucksvoll gezeigt werden.
Am Ende haben aber wir gewonnen. Selbst die Reste verteidige ich noch mit meinem Leben. Denn: Don’t feed the wild!

Achja, das Rest Camp ist wieder einmal völlig ungeschützt. Genau genommen saßen wir mit unserem Rücken zum Busch. Und noch genauer genommen hätten wir somit das Frühstück von jemanden werden können. Das wäre ja mal eine Wendung oder? Aber dann würdet ihr wohl nicht hier davon lesen …

Nashörner vorhin man blickt

Wir fahren einige Stunden quer durch die Landschaft. Ich sage bewusst nicht wo genau, denn wir sehen hier sehr viele Nashörner.

Da wir aber mitten durch den Busch fahren (und vermutlich die ersten heute sind) begegnen uns doch einige Tiere, die sich aber erschrecken und schnell weg sind.

Die allerletzten Tiere die wir sehen, sind wieder Nashörner. Diese graben sich hier einfach ihre eigenen Schlammlöcher und legen sich hinein. Ein toller und würdiger Abschluss einer fantastischen Reise durch den Kruger. Aber wir werden auch in der kommenden Woche noch genug Wildtiere sehen 😉

Fahrt zum Flughafen

Nun die Überschrift stimmt nicht ganz. Denn wir fahren heute nur bis Middelburg, was ungefähr auf halber Strecke nach Johannesburg liegt. Trotzdem sind es gut 3 Stunden Fahrt vom südlichsten Gate des Kruger Nationalpark. Während der Fahrt wird es Dunkel und in dieser Gegend zu fahren ist wirklich kein Spaß. Die Straßen sind zwar perfekt ausgebaut, weil sie aber durch Berge führen sind sie teilweise nur einspurig. Noch dazu gehen Leute mitten auf der Straße – auf einer Autobahn – im Dunklen!
Die Südafrikaner fahren noch dazu völlig irre kreuz und quer und so sind wir heilfroh in unserer Unterkunft anzukommen. Man muss aber sagen, dass der Fahrstil nur hier im Osten so verrückt ist. Je weiter man in Richtung Kapstadt kommt, desto zivilisierter Fahren die Leute auch wieder.

Es ist fast 21 Uhr und stockdunkel als wir in unserer Unterkunft, dem Lamor Guest House, ankommen. Wir werden mehr als freundlich von den Hausherren gegrüßt und weil es bereits so spät ist, fragt man uns gleich ob wir eine Restaurantempfehlung brauchen. Oh ja und wie!
Der Gastgeber empfiehlt uns ein Steakhaus in einem Einkaufszentrum. Das verspricht optisch mal nicht wirklich so viel. Wir bestellen uns natürlich ein Filetsteak. Und soviel sei gesagt: es ist das beste Steak der gesamten Reise und eines der Top3 Steaks in unserem Leben. Und das für gerade einmal 10€.

Unsere Unterkunft ist sehr groß und mit viel Liebe zum Detail eingerichtet. Endlich haben wir auch mal eine halbwegs vernünftige Dusche. Leider können wir davon rein gar nichts genießen weil wir so müde sind, dass wir quasi ins Bett fallen.

Das Guesthouse hat uns gerade einmal 74€ für die eine Nacht gekostet und bekommt somit 7 von 10 Punkten. Zwar ist es deutlich besser als alles bisher, aber es werden noch bessere folgen, weshalb wir die Bewertung ein bisschen niedriger halten müssen 🙂

Morgen Früh geht es dann direkt zum Flughafen von Johannesburg. Wir hatten mit dem Inlandsflug nach Port Elizabeth einige Probleme, auf die ich morgen zu sprechen komme. Jedenfalls ist nicht so ganz klar ob wir fliegen werden. Und auch die Erlebnisse direkt am Flughafen lassen uns daran zweifeln ob unser Urlaub wirklich so unbeschwert weitergehen wird. Also dran bleiben, denn wir haben ja erst die Hälfte der Reise geschafft 😉