Wir sind also am Newington Gate angekommen, das als Kontrolle in das Sabi Sands, bzw. das Greater Kruger Gebiet dient. Eigentlich unterscheidet sich hier nichts vom richtigen Kruger Park. Nur der Zaun ist deutlich stabiler, neuer, höher und doppelt. Und auch mehr Guards scheint es hier zu geben. Also insgesamt merken wir sofort, dass hier Sicherheit groß geschrieben wird.

Leider aber die Englischkenntnisse nicht. Denn kurz nachdem wir vorfahren kommt ein Mitarbeiter zu unserem Wagen, von dem wir aber kaum etwas verstehen. Ein zweiter kommt zur Hilfe und dann geht es. Auch hier werden wir nach unserer Reservierung in der Lodge gefragt und ob wir Waffen mitführen. Nach einem kurzen Check und der telefonischen Anmeldung in der Logde dürfen wir passieren.
Vorher musste ich dem Guard aber mehrmals erklären, dass es bei uns in Austria keine Wüste gibt und wir schon gar keine Insel sind. Ich glaube aber er hat es bis heute nicht so ganz verstanden. Er meinte nämlich beim Abschied, dass es hier wenigstens kühler ist als bei uns zuhause in Australien 😀

Eine ewig lange, gerade, nicht asphaltierte Straße führt quer durch das Gebiet. Nach einigen Minuten sehen wir vor uns einen LKW der mitten auf der Straße steht. Etwas verwirrt werden wir langsamer, denn ein Mann kommt auf unser Auto zu. Wir dachten zuerst es sei der LKW Fahrer, aber es stellt sich heraus, dass dieser ein Guard des Parks ist. Der LKW hat einen Achsbruch und bewegt sich so schnell nirgendwo hin. Wundert uns kein bisschen bei diesen Straßen.

Der Guard meint wir sollen einfach um den LKW herum fahren. Rechts und links der Straße ist aber über einen halben Meter hoch Sand aufgetürmt. Ein aussichtsloses Unterfangen, denn unser Auto hat keinen 4×4 Antrieb. Bevor auch wir stecken bleiben bietet uns der Guard an eine Umfahrungsstraße mit uns zu fahren. Er warnt uns aber im selben Atemzug, dass diese nicht einfach zu fahren sei. Na das kann ja was werden.

Quer durch den Busch und teilweise sogar über Sträucher hinweg fahren wir dem Geländewagen nach. Ich hatte dabei richtig Spaß, aber zu jederzeit Bedenken ob der Wagen dem allem stand halten wird. Aber bereits wenige Minuten später sind wir zurück auf der „Hauptstraße“ und verabschieden uns.

Zwei Tage im Luxus

Die weitere Fahrt ist Ereignislos und bereits die zweite Lodge entlang der Straße ist unsere. Mitten im Busch befindet sich das Idube Privat Game Reserve.

Gleich nachdem man das Gate passiert, gibt man quasi sein Hirn ab. Man wird in den Parkplatz eingewiesen, die Türen werden von mehreren Personen geöffnet, die Rezeptionistin kommt heraus und die Koffer werden bereits entladen.

Wir sind zuerst vollkommen überfordert von dem was hier abgeht. Da uns aber ein Mitarbeiter sofort mit den Worten „Folgen Sie mir bitte“ begrüßt, können wir sowieso nicht drüber nachdenken. Alle hier kennen bereits unseren Namen, obwohl wir uns nie vorgestellt haben. Und kurze Zeit später sitzen wir in einem klimatisierten Ankunftsbereich auf einem bequemen Sofa und schlürfen ein leckeres Limettengetränk.

Neben etwas Smalltalk wird uns dann der Ablauf erklärt. Diesen werde ich aber nun nicht genau aufschreiben, sondern über die nächsten zwei Tage verteilt erklären.
Aber soviel sei gesagt: es gibt hier mehrere Bungalows mit jeweils einer Wohneinheit. Das Gelände ist mit einem Elektrodraht gegen Elefanten geschützt. So gut wie alles was kleiner ist, kann aber ungehindert auf das Gelände. Und das gilt auch für Flusspferde und Leoparden, die hier regelmäßig ein und aus gehen. Deswegen darf man sich auch nur unter Tags frei bewegen. Sobald es dunkel wird, kommt immer ein Guard mit.

Abgesehen davon, ist der Tag komplett durchgeplant. Es bleibt eigentlich kaum eine Minute in der man sich langweilt. Dabei sind natürlich die zwei dreistündigen Safarifahrten in der Früh und am Abend das Highlight.

Wir bekommen gleich den ersten Bungalow, haben es also weder weit zum Wasserloch, Pool oder Essensbereich.

Der gesamte Inhalt unseres Autos befindet sich bereits im Zimmer. Bevor wir jedoch auch nur irgendwas auspacken können, gibt es bereits Mittagessen. Gerade einmal 24 Gäste befinden sich auf dem Gelände. Diese werden an drei Tischen, die den späteren Safariautos entsprechen, angeordnet. An einem kleinen Buffet kann man sich dann Salate, einen Hauptgang und Nachspeisen, sowie Kaffee und Tee holen. Heute gibt es eine Art Beef Filet Burger, der extrem gut ist. Irgendwie fühlt es sich aber falsch an das grandiose Fleisch in Burgerbuns zu stecken. Aber egal 🙂

Auf dem Rückweg zum Zimmer stehen uns auf einmal Warzenschweine im Weg. Was tun? Kann man da einfach dran vorbei gehen? Oder können die gefährlich werden?
Wir tun es einfach und es ist den Tieren aber sowas von egal. Sie fressen genüsslich weiter an dem saftigen grünen Gras.

Jetzt aber zum Zimmer selbst, das aus einem Wohnbereich und einem großen Badezimmer besteht:

Auf der Rückseite des Bungalows gibt es noch eine Tür, die zu einer nicht einsehbaren Außendusche führt:

Jetzt aber zum negativen Teil des Ganzen. Wir bezahlen hier nämlich pro Nacht und Zimmer 750 Euro, wobei die Parkgebühren noch nicht beinhaltet sind. Das ist mehr als wir jemals für ein Zimmer bezahlt haben. Im Preis enthalten sind aber die Safariausfahrten (immerhin 6 Stunden am Tag), das Essen und teilweise die Getränke. Also insgesamt, dann doch nicht mehr so teuer. Vor allem wenn man bedenkt, dass man hier mitten im Busch ist und jegliches Wasser, Nahrung und Strom mühsam beschafft werden muss.
Leider sieht das Zimmer zwar sehr nett aus, aber alles ist schon sehr in die Jahre gekommen. Die Armaturen verrosten langsam und wackeln gemeinsam mit dem Klositz um die Wette. Die Dusche lässt sich auch nicht schließen, was aber nach unserem Hinweis behoben wurde. Und auch der Boden ist alles andere als sauber, was unsere Socken bezeugen können.
Da noch einige weitere Dinge dazu kommen, ziehe ich die Bewertung schon einmal vor. Mehr als 8,5 von 10 Punkten können wir beim besten Willen nicht vergeben. Denn auch wenn alles toll war und vor allem die Dienstleistungen auf höchstem Niveau sind, stimmt das Preis-/Leistungsverhältnis einfach nicht.

Mittagspause

Bis zu unserer ersten Safarifahrt haben wir noch ein bisschen Zeit und so beschließen wir die hohen Temperaturen von 35°C im Pool auszunutzen. Leider wird es morgen einen Kälteeinbruch geben, weshalb dies unser letzter Poolbesuch sein wird.

Eine Hängebrücke führt zu einem kleinen Unterstand außerhalb des Camps. Von dem aus hat man perfekte Sicht auf ein kleines künstliches Wasserloch, das einige Flusspferde beheimatet. Wir werden hier in den kommenden Tagen einige Zeit verbringen 🙂

Erste Safarifahrt

Natürlich kommen wir gleich einmal fast zu spät zu der ersten Ausfahrt. Wir sind diesmal zu 6. im Auto, was sich aber leider morgen ändern wird. Das ist ein weiterer Nachteil dieser Logde, denn normalerweise sind die heutigen sechs Personen schon das absolute Höchstmaß. Diese sitzen verteilt in drei Sitzreihen hintereinander.

Wie ihr sehen könnt, sind die Autos komplett offen – selbst das Dach fehlt. Das macht natürlich Sinn, denn so ist nichts im Weg und man hat ein viel direkteres Erlebnis. Viele unserer Freunde und Verwandte hat das aber schockiert, denn das heißt natürlich, dass es keinen Schutz gegen Tiere gibt.
Ist aber auch vollkommen egal, denn Raubkatzen nehmen das Auto als Ganzes wahr. Und da dieses viel größer als sie sind, haben sie Angst davor. Und vor Elefanten schützt auch kein Dach, bzw. ist es vielleicht sogar besser keines zu haben.

Gefahren wird das Auto von einem Guide namens Brogan und eine Tracker, der vorne auf diesem lustigen Sitz platz nimmt. Brogan ist ab diesem Moment an für uns „verantwortlich“ und wird uns den ganzen Tag über bis zum Abendessen hin betreuen. Und so geht es dann auch gleich direkt los mitten durch den Busch.

Leider sehen wir über eine Stunde lang kein einziges Tier. Und damit meine ich kein einziges Tier! (das Bild oben ist von später 😉 ). Es ist schon fast eine Kunst um alle Tiere so herum zu fahren, dass wir ihnen nicht begegnen 😀
Zumindest waren hier einmal Tiere:

Und dann finden wir doch einen Elefantenbullen, der einsam in einem Flussbett Löcher gräbt die sich dann mit Wasser füllen. Ein einfacher aber beeindruckender Trick. Irgendwann kommt er zu uns rüber und riecht mit seinem Rüssel an uns allen. Es wurde dabei totenstill im Auto. Scheinbar interessieren wir ihn aber nicht weiter und daher setzt er seine Reise fort und zeigt uns sein Hinterteil.

Mangels Sichtungen bleiben wir an einem Wasserloch stehen, genießen den Sonnenuntergang und beobachten kleinere Tiere und Flusspferde im Wasserloch.

Wie am Anfang schon erwähnt, dürfen die Safarifahrzeuge auch in die angrenzenden Gebiete fahren, wenn sie sich vorher anmelden. Damit die wenigen Fahrzeuge überhaupt eine Chance haben Tiere zu finden, sind sie über Funk miteinander verbunden. Hier scheint es sich bezahlt zu machen, dass unser Guide sogar ein Guide für das gesamte Gebiet ist. Er bekommt scheinbar also alle Infos etwas früher.

Und so kommt auch plötzlich ein Funkspruch rein, dass etwas gesichtet wurde. Wenn es um konkrete Tiere geht, wird am Funk immer auf Afrikaans gewechselt, sodass die Gäste es nicht verstehen. Vermutlich um keine unnötigen Vorfreuden zu wecken. Man weiß ja nie ob das Tier noch da ist wenn man hin kommt.
So wissen wir also nur, dass es etwas zu sehen gibt, aber nicht um was es sich handelt.

Mittlerweile ist es aber schon sehr dämmrig und wir fahren in der kühler werdenden Luft quer durch ausgetrocknete Flussbette und verkeilen uns dabei fast zwischen Felsen. Aber dann sind wir angekommen. Vor uns ein Löwenrudel, dessen Männchen bekannter nicht sein könnte.

Es handelt sich nämlich um einen der Brüder des Matimba Clans – Hairy belly (also der Löwe – nicht ich). Über die Löwenclans im Sabi Sands gibt es sogar TV Dokumentationen. Sein Bruder (Ginger) ist erst vor einigen Wochen gestorben und auch er sieht schon sehr mitgenommen aus.
Er ist bereits 16 Jahre alt und es wird vermutet, dass er sein Revier nur halten kann weil es sich genau in einem Eck des Schutzgebietes befindet. Somit hat er also nur von einer Seite Konkurrenz zu fürchten, da zu den anderen Seiten hin der Zaun ist. Unser Guide versichert uns aber, dass er noch mehr als genug Kraft hat um jeden jungen Löwen abzuwehren der ihm sein Revier streitig machen will. Zumindest noch, denn irgendwann wird ein größerer und stärkerer kommen und sein Rudel übernehmen. So ist der Lauf der Dinge.

Ein junger Löwe spielt währenddessen mit einer leeren Plastikflasche.

Woher er diese hat wissen wir nicht so genau, da hier nirgendwo Müll herum liegt. Aber ganz offensichtlich hat er (ähnlich wie Hauskatzen) jede Menge Spaß damit 🙂
Für weitere Bilder wird es nun leider zu dunkel. Es zahlt sich im Scheinwerferlicht einfach nicht mehr aus abzudrücken. Deswegen genießen wir es dem Löwenrudel durch den dichten Busch zu folgen. Brogan gibt sich jede Mühe auch noch das Letzte aus dem Auto heraus zu holen. Als es dann aber zu viele Autos werden und die Löwen in ein Gebiet wandern, wo wir nicht rein dürfen beenden wir die heutige Ausfahrt.

Insgesamt war die Ausfahrt für uns super. Ja klar wir waren weit davon entfernt die Big 5 zu sehen. Vielleicht lag es aber auch dran, dass wir im Kruger bereits so viele Tiere gesehen haben. Jedenfalls waren die anderen im Fahrzeug extrem unzufrieden und haben das auch noch den restlichen Abend kund getan. Wir werden sehen wie die nächsten Ausfahrten verlaufen, denn wir haben noch 3 vor uns.
Aber die Unzufriedenheit der anderen ist verständlich, wird in Bewertungen doch erzählt, dass man die Big 5 quasi immer sieht. Für uns ist aber klar, dass das hier Natur ist. Und wenn man nichts sieht, dann ist das eben so.

Wir werden vom Safariauto zu unserem Zimmer eskortiert, damit auch wirklich kein Flusspferd auf uns wartet 😉 Glück gehabt, wir haben es überlebt 🙂
Danach machen wir uns fertig für Cocktails und anschließendem Abendessen. Dieses fand unter freiem Himmel statt. Die Tische wurden wieder entsprechend unserer Safarifahrzeuge um ein großes Lagerfeuer gestellt. Die Atmosphäre war sehr familiär. Wir haben viel Smalltalk geführt und viele heimische Insekten kennen gelernt 😀 Als Hauptgang gab es Kudu – eine besonders große Antilopenart. Sie schmeckt aber eher unaufregend nach Rind 😉

Leider haben uns die restlichen Gänge nicht voll überzeugt. Scheinbar hat nun nämlich nicht mehr der Koch von heute Mittag Dienst, was sich leider in der Qualität bemerkbar macht.
Trotzdem fallen wir satt und komplett erledigt ins Bett. Morgen heißt es ja wieder zeitig aufstehen. Abfahrt um 5 AM.