Ab heute werden wir jeden Tag sehr früh aufstehen müssen. Und der heutige Tag beginnt noch früher als früh. Bereits um 5 Uhr (ja AM – also in der Früh!) haben wir alles im Auto verstaut und verabschieden uns von unseren Gastgebern die, wie sie selbst sagen, sowieso zu den Frühaufstehern gehören. Ich glaube aber nicht, dass sie jemals einen so zeitigen Checkout hatten. Aber sie verstehen den Grund total.
Aber wieso tun wir uns das an? Eine wirklich gute Ausbeute an Tiersichtungen hat man eigentlich nur in der Früh. Wieso das so ist, hat unterschiedliche Gründe. Die meisten Raubkatzen jagen in der Nacht und sind somit in der Früh noch mit dem Fressen beschäftigt. Andere wiederum nutzen die warmen Asphaltstraßen um sich von der kalten Nacht aufzuwärmen. Und viele nutzen die unbefahrenen Straßen in der Morgendämmerung weil es einfacher ist als durch den Busch zu gehen 🙂 So oder so, die Tiere sind näher an der Straße und man sieht potentiell mehr davon.

Da uns aber gut eine Stunde Fahrt vom nächsten Gate des Kruger National Parks trennt, fahren wir mit dem ersten Tageslicht los. Die Strecke ist komplett verlassen und nur ab und zu kreuzt ein Polizeiauto unseren Weg. Auch hier haben wir sofort ein seltsames Gefühl und legen immer brav unsere Karte unter die Windschutzscheibe. Alle Polizisten drehen ab bzw. beachten uns gar nicht erst. So soll das sein.
Um 5:30 Uhr geht dann direkt vor uns die Sonne auf. Diese ist in Afrika in der Früh und am Abend immer enorm groß und einfach nur faszinierend. Ich setze mir den Vorsatz diese irgendwann tatsächlich auch so abzubilden.

Lehrstunde über den Kruger National Park

Warnung: Wer sich nicht für die Hintergründe des Landes interessiert, sollte den Absatz ganz schnell überspringen. Es besteht die Gefahr etwas dazu zu lernen 😉 Und das noch dazu ganz ohne Bilder!

Heute fahren wir durch das Phabeni Gate in den Kruger National Park. Dieses befindet sich im Westen und ist eines der beliebtesten Gates, weil es von Johannesburg aus einfach zu erreichen ist. Insgesamt gibt es in den Park 11 Eingänge, wobei zwei davon in Mosambik liegen. Die Parkgrenze ist also im Osten gleichzeitig auch die Staatsgrenze von Südafrika.

Da wir die kommenden 5 Tage hier verbringen werden, will ich euch ein bisschen was über diesen weltberühmten Park erzählen.
Ich beginne dabei gleich beim Namen, denn im deutschsprachigen Raum wird dieser oft fälschlicherweise als „Krüger Nationalpark“ ausgesprochen. Wieso aus dem u ein ü wurde, wissen wir aber leider nicht. Richtig ist, dass der Name auf den damaligen südafrikanischen Präsidenten Paul Kruger zurück geht und daher ganz eindeutig „Kruger National Park“ heißt.

Der Park hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von 350 Kilometern, ist aber nur durchschnittlich 54 Kilometer breit. Insgesamt ergibt dies aber eine Größe von 20.000 Quadratkilometern. Somit ist der Park so groß wie das deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt oder für die Österreicher: größer als Niederösterreich. Und für alle die eher global denken: so groß wie Israel oder Slowenien! Das gesamte Gelände steht seit 1898 unter Naturschutz und ist zum Schutz der Tiere (vor allem vor Wilderern) seit 1975 komplett eingezäunt. Genau genommen muss man also sagen, dass die Tiere hier nicht komplett wild leben, wobei das Gebiet aber so groß ist, dass die meisten von ihnen den Zaun nie zu sehen bekommen werden.
Zusätzlich zu diesem staatlichen Gebiet, gibt es angrenzend noch weitere Schutzgebiete die sich in Privathand befinden. Die meisten davon sind nicht durch Zäune vom Kruger getrennt, damit die Tiere hin und her wechseln können. Gemeinsam spricht man dann bei diesem Gebiet vom „Greater Kruger“.
Im Osten zu Mosambik wurden die Zäune in den letzten Jahren teilweise wieder entfernt um den Tieren den Wechsel in den angrenzenden Limpopo-Nationalpark zu ermöglichen. Langfristig soll zwischen den beiden Ländern ein gigantisches Schutzgebiet, der Great Limpopo Transfrontier Park entstehen. Für dieses Vorhaben wurden sogar Grenzübergänge mitten im Park errichtet um Touristen die einfache Ein- und Ausreise zu ermöglichen.

Kommen wir aber nun zum Grund des Tourismus: die Tiere. Im Park leben unglaubliche 147 unterschiedliche Säugetierarten, wozu natürlich auch die Big-Five (diese werde ich noch gesondert erklären) zählen. Nicht wenige Touristen kommen aber gar nicht wegen den großen Raubkatzen sondern wegen den 507 Vogelarten die hier zumindest zeitweise heimisch sind. Kurz erwähnen muss man auch die 114 Reptilienarten, 49 Fischarten und 34 Amphibienarten. Unterm Strich also über 850 verschiedene Tiere. Und ihr erinnert euch an das verhältnismäßig kleine Gebiet?
Diese Tierarten leben in den völlig verschiedenen Zonen des Parks. Diese sind sogar teilweise klimatisch völlig unterschiedlich. Auf jeden Fall aber haben sie eine völlig unterschiedliche Geologie und Flora. Von trockenen Wüsten und Bergen bis hin zu grünen Flussufern ist alles vertreten. Insgesamt ist das Klima aber heiß, trocken und es gibt ausgeprägte Regenzeiten.
Die Jahreszeiten sind genau entgegengesetzt zu Mitteleuropa. Wenn also bei uns Winter ist, ist dort Sommer. Das ist auch der Grund für unsere Reisezeit Ende Oktober, also im dortigen Frühling.

Kommen wir aber nun zum praktischen Teil. Für den Kruger muss man als Tourist einen Tageseintritt zahlen. Damit ist der Besuch von der Gateöffnung bis zur Gateschließung inkludiert. Diese variiert mit der Jahreszeit und war bei uns von 5:30 bis 18:00 Uhr. Wer kein Zimmer in den unzähligen staatlichen oder privaten Camps im Park hat, muss bis zur Schließung wieder aus dem Park sein, sonst drohen hohe Strafen. Abgesehen davon: wer möchte eine Nacht wirklich mit Löwen verbringen? Irgendwann muss jeder mal gezwungenermaßen aus dem Auto 😉
Wir wollten es uns einfach machen und haben eine Wildcard gekauft, die uns für ein Jahr lang zum Eintritt in alle Parks in Südafrika berechtigt. Damit sparen wir uns das ständige Zahlen am Gate und wir können auch noch in alle anderen Nationalparks in Südafrika kostenlos. Trotzdem muss bei jeder Tordurchfahrt ein Formular mit unzähligen Daten ausgefüllt werden und meistens wird das Auto auch oberflächlich nach Waffen durchsucht. Wilderei ist nämlich ein großes Problem im Park, wozu wir später auch noch einige Worte verlieren werden.

Im Park gibt es unzählige Straßen, wobei die Hauptstraße asphaltiert sind. Jede Straße hat eine Nummer und gemeinsam mit den Wegweisern an jeder Kreuzung kann man sich eigentlich kaum verfahren. Wohin man fährt und wie lange man wo stehen bleibt, ist einem selbst überlassen. Neben den Geschwindigkeitsbegrenzungen gibt es aber vor allem eine wichtige Regel: nicht aussteigen!
Das dient natürlich der Sicherheit von Touristen und Tieren. Denn jedes Tier, dass eine Gefahr für einen Menschen geworden ist wird gejagt und erlegt. Eine Regelübertretung hat hier also massive Konsequenzen für Mensch und Tier. Somit bitte Hände und Füße im Auto lassen.
Ausgestiegen werden darf nur bei den Camps die umzäunt sind und bei den Picknick Sites, die völlig offen sind. Aber keine Angst, es gibt hier eigentlich keine Tierübergriffe. Die Tiere haben alle mehr Angst vor Menschen als umgekehrt … ok in manchen Fällen nicht 😉

Auf geht’s – die ersten Tiersichtungen

Wir haben uns absichtlich vor der Reise keine Gedanken gemacht, welche Tiere wir sehen werden und wollen. Wir sind mit dem Wunsch hier her gekommen zumindest eine Giraffe und einen Elefanten zu sehen, aber abgesehen davon wollten wir uns überraschen lassen. Denn bei all dem Tourismus muss jedem klar sein: es handelt sich nicht um einen Zoo und die Sichtung von Tieren ist alles andere als selbstverständlich. Es gibt Leute die mehrere Male hier waren und beispielsweise nie Löwen gesehen haben.

Bei der Tordurchfahrt gab es keine großen Probleme und da wir noch dazu die Wildcard hatten wurden wir sehr schnell durch gewunken. Und auf einmal geht alles ganz schnell und vor uns liegt  eine kilometerlange Straße die mitten durch die Savanne Südafrikas führt. Aussteigen ist ab jetzt nicht mehr. Noch gibt es wenigstens keine Entscheidungsprobleme wohin wir fahren sollen, also fahren wir los.
Derzeit sitzt Katrin noch auf dem Beifahrersitz, was wir aber bald ändern werden, da je nach Seite immer einer von uns dem anderen im Weg ist 😉

Keine 500 Meter mussten wir fahren um tatsächlich die ersten Tiere zu sehen. Ok, es handelt sich nur um Impalas, aber für uns ist das an diesem Tag trotzdem total aufregend. Wir haben keine Ahnung ob man wirklich einfach so stehen bleiben darf, aber da sonst keine Autos unterwegs sind, machen wir das einfach. Also lassen wir das Fenster herunter und genießen den Anblick dieser grazilen Tiere aus weniger als 5 Metern Entfernung:

Nur einige Minuten vergehen, als direkt neben uns an der Straße der erste Elefant steht. Sollten wir tatsächlich so ein Glück haben? Aber vielleicht war das auch das letzte Tier für 5 Tage? Was ich damit sagen will: man ist vollkommen überwältigt, verunsichert und einfach nur glücklich. Wir genießen ab diesem Moment jeden einzelnen Moment mit jedem Tier, egal wie klein es sein mag.

Und so sieht das in etwa aus meiner Perspektive aus. Jup, die Elefanten kann man kaum erkennen 😉

Am weiteren Weg begegnen uns dann noch ein Warzenschwein (yeah Pumbaa aus König der Löwen!), eine Hyäne (war leider zu schnell weg) und extrem viel diverses Wild.

Und auch die ersten Zebras waren dabei. Damit war auch dieses klassische afrikanische Tier erledigt 😉 So kann es gerne weiter gehen.

Immer wenn wir Autos am Straßenrand sehen, bleiben wir ebenfalls stehen. Man könnte ja etwas verpassen 🙂
Diesmal sehen wir aber überhaupt nicht warum es so eine Aufregung gibt und dabei stehen sogar zwei Autos vor uns. Einer der beiden, ein Brite, ist aber so nett und erklärt uns, dass ganz weit hinten ein Nashorn zu sehen ist. Es braucht sehr lange Zeit und viele Erklärungen bis wir es sehen. Wir zweifeln langsam an uns. Wie sollen wir denn solche Tiere in mehreren hundert Metern Entfernung jemals selbst sehen? Das Tier war mit freiem Auge eigentlich nicht zu sehen. Nur mit dem Fernglas und einem 600mm Teleobjektiv.

Achja Fernglas war auch so ein Thema. Lange haben wir überlegt was wir mitnehmen sollen. Diese gehen in den oberen Klassen doch sehr ins Geld und wir wollten keine hunderte Euro investieren um dann ein gigantisches, schweres Fernglas mitzuschleppen. Wir entschieden uns dafür es mit dem Nikon A30* zu probieren, da dieses leicht ist und nebenbei nur 70 Euro kostet. Fazit: Wir können dieses Fernglas nur jedem empfehlen.

Frühstück im Busch

Mittlerweile ist es schon halb 10 und wir haben ziemlichen Hunger. Wie gut, dass vor uns eines der größten Camps, das Skukuza Rest Camp liegt. Hier gibt es eigentlich alles was man sich wünschen würde, inklusive einem großen Restaurant. Dieses ist aber überraschend gut gefüllt und so bekommen wir nur noch einen Platz in der überdachten Terrasse. Angesichts der Temperaturen von weit über 30°C aber auch nicht so übel. Wir bestellen uns ein klassisches südafrikanisches Frühstück, dass wirklich gut war.

Wir spazieren noch ein bisschen durch das Camp bis wir uns wirklich sicher sind, dass es unfassbar heiß ist. Aber wir sind ja nicht hier um die hiesige Infrastruktur zu begutachten. Also ab ins Auto und weiter geht es.

Wir steigen aus – ohne Zaun!

Bereits nach wenigen Metern erschrecken wir uns fast. Denn direkt neben unserem Auto ist auf einmal eine Giraffe. Und mit direkt meine ich direkt!

Ein bisschen hilflos mit meinem extremen Teleobjektiv bleibt mir nichts anderes übrig als Kopfportraits zu schießen 🙂

Und auch eine Herde von Elefanten ist diesmal sehr nahe an unserem Auto. Und vor allem haben wir diese für uns alleine, da es mittlerweile sehr ruhig auf der Straße geworden ist. Wir sehen den Dickhäutern minutenlang zu wie sie fein säuberlich Ast für Ast von den Blättern befreien.

Wir haben mittlerweile ein bisschen die Zeit im Nacken, denn wir müssen zur Gateschließung in unserem Rest Camp sein. Dorthin ist es aber noch eine ganz schöne Strecke und man weiß ja nie was man noch alles sehen wird.
Trotzdem reizt uns die Abzweigung zum Orpen Dam, denn wir erhoffen uns, dass beim Wasser Tiere sein werden. Dort angekommen parken wir uns erst einmal verunsichert ein. Das hier ist nur eine „Hide“ und dieser hat keinen Zaun. Wir sind also völlig ungeschützt. Ich (Gerald) will eigentlich das Klo aufsuchen, laufe dabei aber quasi geradewegs in ein Gnu, das sich in einem Busch versteckt. Wer sich von uns beiden mehr erschreckt hat kann ich nicht mehr sagen. Aber weg waren wir beide gleich schnell.
Und zu allem Überfluss waren die Toiletten außer Betrieb. Die ganze Aufregung also umsonst 😀

Im Hide selbst sind viele Touristen, die teilweise sogar essen zubereiten und hier scheinbar den ganzen Tag verbringen. Wir sind auch einige Minuten hier, sehen aber absolut keine Tiere am Flussufer. Dafür gelingt uns hier endlich mal ein Bild mit dem Objektiv in freier Wildbahn 🙂

Wir entscheiden uns die Toiletten in der nahe gelegenen, und völlig neu renovierten, Tshokwane Picknick Site aufzusuchen.

Diese ist sehr groß und kaum besucht. Da es echt nett aussieht, beschließen wir hier morgen unser Frühstück zu essen.

Wir fahren also weiter, immer Richtung Norden, als Katrin auf einmal „Stopp“ schreit. Mittlerweile lege ich dann keine Notbremsung mehr hin, sondern weiß, dass sie ein Tier gesehen hat. Das ist aber auch noch da, nachdem ich zurück geschoben habe 😉
Und diesmal sieht sie tatsächlich als erster Tourist einen Löwen. Und noch dazu unseren ersten. Einerseits ist die Sichtung toll, weil die Löwin so weit weg ist, dass man sie kaum sieht. Aber leider ist die Löwin auch so weit weg, dass man sie kaum sieht 😉

Trotzdem freuen wir uns über diese mehr als über so manchen Elefanten direkt neben dem Auto.

Und damit will ich auch den ersten Teil von unserem Blog beenden. Wir haben entschieden, diesen in zwei Teile aufzuteilen. Wie ihr bestimmt anhand der vergangen Zeit, seit ihr am Lesen seid, gemerkt habt ist der Artikel schon sehr lang. Im zweiten Teil wird es dann deutlich mehr Bilder als Text geben 🙂