Es ist 5 Uhr Früh und das Telefon in unserem Zimmer läutet. Der Weckanruf für den morgendlichen Gamedrive. Nachdem wir gestern schon einige Highlights hatten, sind wir gespannt was uns heute erwarten wird. Kurz nach 5 sind wir bereits bei unserem Safarifahrzeug und damit heute die Letzten. Es hat sich wohl herum gesprochen, dass der zeitige Vogel den Wurm frisst – oder Löwe die Antilope? Wie auch immer 😉
Diesmal ist das Auto mit acht Personen ziemlich voll besetzt und somit muss in zwei Reihen jemand in der Mitte sitzen. Das finden wir angesichts des Preises schon etwas dreist, denn das bekommt man auch deutlich günstiger im offiziellen Teil des Parks.

Unser letzter Gamedrive im Idube Reserve

Es ist kühl und die Luft noch feucht von der Nacht. Wir sind diesmal aber alle sehr gut ausgerüstet und keiner muss frieren. Kurz nach Sonnenaufgang dann bereits der erste Funkspruch, den Brogan, unser Guide, freudig bestätigt. Wieder wissen wir nicht worum es sich handelt, weil die Tracker die Sprache wechseln. Ehrlich, wer hier mehr Spaß haben will sollte die wichtigsten Tiernamen einfach vorher in Afrikaans lernen 😉

Es dauert aber nicht lange bis wir sehen worum es sich bei der Aufregung handelt. Als wir an dem Ort ankommen, muss ein anderes Fahrzeug fahren. Ich habe dann auch mal nachgefragt wieso das so ist. Es gibt auch hier im privaten Teil strenge Regeln. Wer ein Tier sichtet hat es 10 Minuten für sich alleine bevor er es per Funk melden muss. Dann darf man weitere 20 Minuten bei dem Tier verbringen. In dieser Zeit können zwei weitere Fahrzeuge hinzu kommen. Sollte nach insgesamt 30 Minuten dann ein weiteres Auto kommen wollen, muss der erste weichen. Es dürfen niemals mehr als 3 Fahrzeuge bei einer Sichtung sein, was in Wirklichkeit schon sehr viel ist.
Dass hier nun mehr als 3 Fahrzeuge sind, ist aber zum ersten Mal vorgekommen. Gestern bei den Wildhunden waren es aber immerhin exakt drei, wobei aber kein weiteres hinzu wollte. Es ist also schon ein gewaltiger Unterschied zum Gedränge im öffentlichen Teil des Parks.

Wir fahren mitten in den Busch und sind keine 3 Meter von einem Löwenrudel entfernt, das heute Nacht ein Gnu gerissen hat. Es handelt sich um das selbe Löwenrudel mit dem berühmten Männchen Hairy Belly, das wir gestern Nacht gesehen haben. Besonders die kleinen sind extrem süß wie sie sich einen Platz an der Beute erkämpfen. Diese ist aber so gut wie aufgefressen und es wird eigentlich nur noch an den Überresten genagt.

Ich hoffe, dass jeder von euch das Video von unserer Safari gesehen hat? In diesem gibt es eine recht laute Szene, in der die Weibchen um das Gnu zu streiten beginnen. Weil das Männchen aber in Ruhe schlafen wollte, wird dieser ziemlich sauer. Er brüllt einmal auf und mit einem Satz beansprucht er die Beute wieder für sich. Streitet sich ein Rudel – freut sich das Männchen 😉
Nur einige Jungtiere werden noch an der Beute geduldet:

Da die Löwen alle völlig satt herum liegen, entstehen einige tolle Nahaufnahmen der imposanten Tiere:

Nach fast einer Stunde bei den Löwen fahren wir langsam weiter, denn es gibt die Chance auf eine weitere Sichtung. Das Erlebnis bei den Löwen zu sein und das Brüllen aus nächster Nähe zu hören war unglaublich und wird uns unser ganzes Leben beeindrucken.

Über Stock und Stein

Brogan holt wieder alles aus dem Jeep heraus. Manchmal glaubt man wirklich er macht diesen Job nur, damit er durch die Wildnis fahren kann 😉
Aber die Aufregung ist nicht unbegründet, denn er schaltet den Motor ab und sagt nur mit einem Fingerzeig „Leopard“. Und tatsächlich ist vor uns in einem Flussbett ein sehr stattlicher Leopard auf seinem Morgenspaziergang.

Im Hintergrund der Szene thront auf einem Hügel eine der wenigen Lodges hier. Bei den Fahrten verliert man völlig die Orientierung und so haben wir keine Ahnung wo wir sind. Was wir aber sehen: der Leopard geht direkt auf die Lodge zu. Mittlerweile hat ein Fahrzeug aus einer anderen Lodge zu uns aufgeschlossen und der Guide von diesem funkt mit Brogan was nun zu tun ist.

Blöderweise ist die Lodge tatsächlich das Ziel des Tieres. Ob er dort nur Ruhe finden wollte, oder auch ein Zimmer für die Nacht wissen wir bis heute nicht 🙂 Jedenfalls spaziert die gigantische Raubkatze direkt an dem ersten Zimmer vorbei, in dem die Putzfrau gerade ihrer Arbeit nachgeht – bei offener Tür!
Der Tracker des zweiten Fahrzeuges springt kurz entschlossen von diesem und läuft dem Leoparden nach. Er warnt die Angestellte, die daraufhin die Türe schließt und folgt dem Tier in die Anlage. Über Funk können wir den Weg weiter verfolgen. Er spaziert offenbar quer durch die Anlage und legt sich dann neben dem Pool kurz hin. Nach einer Erfrischung wird ihm die Szene aber dann doch zu unruhig und er kommt auf der anderen Seite der Lodge heraus.

Das lässt sich Brogan nicht zweimal sagen, denn mit einem irren Speed geht es quer durch tiefen Sand und große Felsen. Mehr als nur einmal verliert der Tracker die Spur und wir müssen ein paar Meter zurück schieben. Brogan beruhigt uns und meint „wir haben hier vor einigen Tagen schon einen Weg gefunden“ – na dann.
Das zweite Fahrzeug hatte wohl nicht so viel Glück. Sie verirren sich und so haben wir den Leoparden völlig für uns alleine.

Ein wirklich imposantes Tier, denn es handelt sich um einen der größten Leoparden überhaupt. Diese Tiere werden hier deutlich größer als in anderen Teilen der Welt, denn sie passen sich an den Konkurrenzdruck durch Artgenossen und Löwen an. Als Beispiel erzählt uns unser Guide, dass Leoparden in der Gegend um Kapstadt gerade einmal die Schulterhöhe dieser hier im Sabi Sands erreichen. Das ist schon sehr beeindruckend.
Aber da auch dieser hier erst kürzlich gefressen hat, sind seine Augen schwer und fallen immer wieder zu. Nach gut 30 Minuten will dann ein weiteres Fahrzeug zu ihm und wir fahren weiter.

Was uns noch fehlt sind Giraffen. Nach unserem Tag im Kruger sehr verwunderlich, weil wir dort mehr als genug dieser Tiere gesehen haben. Aber dann, direkt am Heimweg, sehen wir doch noch einige davon direkt vor uns auf der „Straße“.

Und auch einige Elefanten fressen genüsslich im und den Busch.

Ein Stück weiter gelingt mir dann noch dieses sehr geniale Bild einer Giraffe:

Und direkt daneben endlich einmal ein weniger schreckhaftes Warzenschwein.

Wir bleiben noch bei einem Wasserloch stehen und beobachten einige Hippos bevor wir endgültig die letzten Meter zur Lodge fahren.

Fast in voller Fahrt gelingt mir aber noch dieser tolle Schnappschuss. Das macht der königliche Berater aus „König der Löwen“ also in seiner Pension 😉

Mit den letzten Metern zum Camp verabschiede ich mich auch für heute mit diesem Blog. Es waren so viele Bilder, dass ich euch erst einmal durchschnaufen lasse und wieder einen Teil 2 dran hänge 😉