Wir fahren also weiter durch den Kruger Nationalpark, unterwegs in Richtung Norden zu unserer Unterkunft, dem Satara Rest Camp. Also direkt dort wo wir am Vortag aufgehört haben zu erzählen.

Unglaubliches Glück

Vor uns liegt eigentlich nur eine schnurgerade asphaltierte Straße und wir erwarten uns daher keine sonderlich tollen Sichtungen. Wir fahren eine gute halbe Stunde, als vor uns auf einmal ein Haufen Autos am Straßenrand stehen. Was ist hier wohl zu sehen? Und zahlt es sich aus, dafür einen Platz zu erkämpfen?
Die Fragen stellen sich zunächst gar nicht, denn es sind so viele Autos um einen Baum versammelt, dass wir außer Blech und Reifen rein gar nichts sehen.

Oder doch? Doch! Da ist der Hintern von einem Löwen. Dieser schaut direkt hinter dem Baum hervor. Mehr ist jedoch nicht zu sehen. Aufgeregt versuche ich mit dem Auto weiter vor zu fahren, denn irgendwo muss der Löwe ja auch noch einen Kopf haben oder?
Und tatsächlich haben wir Glück. Alle sind so sehr auf das Hinterteil fixiert, dass keiner weiter gefahren ist, sondern alle bei der Sichtung vom ersten Löwenhaar stehen geblieben sind. Vor uns nun also zwei Löwenmännchen die gerade ein Wild erlegt haben.

Der Bruder des einen Löwen liegt hinter ihm und ist nur undeutlich zu sehen. Der Kill ist noch unversehrt und wird wohl deren Abendessen werden. Die beiden schnaufen enorm, denn die Jagd muss wohl anstrengend gewesen sein. Die beiden Löwenmännchen sind nur gute fünf Meter von uns entfernt. Wie beeindruckend so ein Erlebnis ist, kann man nicht beschreiben. Und wir sind sehr glücklich, dass wir das sehen dürfen.
Wir stehen sicher eine halbe Stunde da und beobachten die beiden bei – rein gar nichts. Beide schnaufen nur vor sich hin. Die hohen Temperaturen machen ihnen sichtbar zu schaffen. Und weil sich absolut gar nichts tut fahren wir schweren Herzens weiter.

Das Wasserloch aller Wasserlöcher

Wir kommen keine 500 Meter weit, als wir bereits die nächsten Autos sehen. Diese sind am Straßenrand entlang eines Wasserlochs aufgereiht. Mittlerweile hat es bereits 42°C und wann immer wir das Fenster aufmachen sind wir dankbar nicht draußen sein zu müssen. Also abgesehen von den gefährlichen Wildtieren … 😀

Das Wasserloch ist eigentlich nur noch ein trauriger Anblick. Seit Monaten hat es nicht mehr anständig geregnet und auch die Regenzeit verzögert sich heuer offenbar. Gut für uns, denn so sehen wir im Gebüsch mehr. Aber natürlich sehr schlecht für die Tier- und Pflanzenwelt.

Und so wird jeder Tropfen Wasser von allen Tieren gleichermaßen gebraucht. Somit sind diese hier aufgereiht wie in einem Zoo. Die Pflanzenfresser tummeln sich alle am selben Ufer und haben Respekt voreinander. Nur Fleischfresser sind (noch) keine zu sehen. Wenn man sich nicht dran erinnern würde, glaubt nicht, dass man in der Wildnis ist. So perfekt wie hier die Tiere für uns stehen 🙂
Wieder einmal gibt es unzählige Elefanten die mit dem Wasser eher sorglos umgehen und sich einfach mal in die Mitte des Pools zur Abkühlung begeben:

Am Flussufer spielt eine kleine Warzenschweinfamilie. Diese dürfen aber nur schnell trinken und werden dann von der Mutter wieder unter einen sicheren Baum weg getrieben . Man weiß ja nie wer so alles im Wasser schwimmt 😉

Unsere ersten afrikanischen Büffel, auch Kaffernbüffel genannt, sehen wir hier auch. Diese sind eher gemütliche Tiere – zumindest solange sie nicht bedroht werden. Sie sind so groß, dass sie nicht viele Fressfeinde haben und wirken daher eine Spur entspannter als ein kleines Impala.

Ein bisschen Wissen gefällig? Man darf sich von diesen Tieren nicht täuschen lassen. Büffel sind extrem aggressiv und attackieren schnell. Sie sind auch die einzigen Pflanzenfresser die aktiv Raubtiere töten. Wenn eine Büffelherde ein Löwenjunges entdeckt, werden sie alles tun um es umzubringen. Für uns logisch, aber für so ein Tier unglaublich schlau: sie haben gelernt, dass jedes tote Löwenbaby ein Löwe weniger ist der sie später einmal fressen könnte. Gegen einen wilden Büffel kann selbst ein ausgewachsener Löwe nichts tun, außer zu flüchten. Selbst bei der Jagd braucht es oft die Löwenmännchen um diese Tiere zu erlegen.

Und selbst Giraffen nehmen die enorme Anstrengung auf sich um im Wasserloch zu trinken. Nicht nur einmal sprang sie schreckhaft auf und rannte davon. Dabei hat sie bei ihrer gigantischen Größe kaum etwas zu befürchten. Man merkt also schon, dass die Lage an dem Wasserloch sehr angespannt ist und den Tiere lieber wäre, wenn sie alleine sind.

Im Hintergrund wurden durch die Parkverwaltung große Wasserbecken aufgestellt. In diesem wird Wasser für die Dürreperioden gespeichert. Aber Elefanten haben den Luxus aus diesen einfach so trinken zu können. Klug und frech 🙂

Ich finde dieses Bild verdeutlicht die Lage im Park sehr gut. Einige Wochen später hat es übrigens so viel geregnet, dass alle Dämme voll sind und der gesamte Park in saftigem Grün leuchtet.

Kleiner Umweg durch einsame Straßen

Die Sonne steht mittlerweile schon tief und so sehr wir auch begeistert sind, aber wir müssen weiter. Die nächsten Kilometer sind eher langweilig. Den Grund dafür riechen wir bald. Denn hier werden zu beiden Seiten der Straße gerade die Gräser und Büsche abgebrannt. Vermutlich wird dies hier, wie in anderen Teilen der Welt, auch gemacht um größere Feuer zu verhindern. Außerdem ist das Feuer der Ursprung des Lebens. Die Pflanzen brauchen die freigesetzten Nährstoffe um wieder vernünftig wachsen zu können.

Eine verirrte Schildkröte wechselt wie wild die Straßenseiten. Sie hat scheinbar Angst vor dem Feuer, weiß aber nicht so recht wohin sie soll. Wir blockieren die Straße für nachkommende Fahrzeuge und verschaffen ihr somit Zeit. Zwischenzeitlich hat sie verständlicherweise aber auch vor uns Angst und schaut erst einmal skeptisch vor dem nächsten Versuch die Straße zu queren.
Aber keine Sorge, sie ist in einem Gebiet wo es mittlerweile nicht mehr brennt. Und außerdem bilden wir uns stark ein sie am nächsten Tag genau hier wieder gesehen zu haben 🙂

Vor dem Camp angekommen haben wir noch ein paar Stunden Zeit. Wir beschließen noch einen großen Umweg quer durch das Land zu fahren. Dazu gehören auch leider kilometerlange Schotterstraßen, die nach Island ja nicht mehr zu unseren Lieblingen zählen.

Anfangs zeigen sich uns noch einige Tiere. Eine Antelope und ein Gnu bauen sich direkt neben unserem Auto auf. Ganz nach dem Motto „was machst du in meinem Wohnzimmer?“

Laut Sichtungskarten soll es hier eigentlich ein Löwenrudel inklusive Kill geben. Wir fahren wirklich langsam und suchen die gesamte Gegend ab, aber von Löwen ist weit und breit keine Spur. Doch dann sehen wir im hohen Gras einige Geier. Leider sind sie zu weit weg um etwas zu erkennen, aber auf einmal schaut uns etwas aus dem Gras an. Er sieht uns und flüchtet sofort. Nur kurz bleibt er stehen und gibt mir die Chance auf ein einziges Bild. Hier also unsere einzige Sichtung eines Schakals im ganzen Urlaub:

Offenbar haben sich der Schakal und die Geier bereits an den Überresten des Mittagessens der Löwen zu schaffen gemacht.

Der restliche Weg ist dann eher nicht spannend. Eine einzige Giraffe rennt vor uns weg:

Und wir fahren mitten durch ein Rudel von Pavianen, die sich spielend und kreischend verfolgen.

Ab und zu ziehen auch vereinzelt Zebras durch die Landschaft. Diese kommen aber nie nahe zum Auto. Sie sind viel zu schreckhaft und flüchten sofort.

Neben der Straße hat sich ein Steinböckchen im Gebüsch versteckt. Ja die heißen wirklich so und das hat einen Grund. Sie erreichen nämlich nur eine Schulterhöhe von 52cm und ein Gewicht von 11kg. Also auch wenn sie aussehen wie ein Baby, sie sind voll ausgewachsen 😉
Bemerkenswert bei diesen Tieren ist, dass die Einzelgänger sind und ein starkes Revierverhalten aufweisen. Allerdings beschränkt sich dieses auf gerade einmal 30×30 Meter – leicht zu kontrollieren also 😀 In diesem Gebieten gibt es feste Ruhe-, Kot- und Futterplätze. Die Kleinen richten sich ihr zuhause also richtig ein.
Haben sich zwei Steinböckchen einmal gefunden bleiben sie ein Leben lang treu.

Ein letzter Versuch und die Unterkunft

Wieder bei den Camptoren angekommen, haben wir immer noch eine Stunde Zeit. Laut Foren soll es auf der Strecke Richtung Orpen Gate quasi immer Tiersichtungen geben, und so wollen wir zumindest bis zum Nsemani Dam fahren. Wir erwarten uns hier ähnlich viele Tiere wie zu Mittag beim Kumana Dam.

Doch leider sehen wir hier rein gar nichts. Das Wasserloch ist wie ausgestorben. Nicht einmal irgendeine Antilope oder ein Vogel rennt herum. Wir fahren noch ein bisschen ins Hinterland, aber auch hier gibt es nichts zu sehen. Ein eher trauriger Abschluss eines grandiosen Tages. Aber wir können uns wirklich nicht beklagen.

Bei der Rückfahrt verabschieden uns zumindest noch einige Tiere. Offenbar hatten wir also wirklich nur zeitliches Pech. Jetzt ist aber leider keine Zeit mehr anzuhalten. Also nur schnell einige Bilder aus dem Auto machen.

Eine Schande, denn so ein tolles Licht habe ich selten erlebt. Die letzten Sonnenstrahlen sind in Afrika wirklich etwas Besonderes und dieses Bild fängt die gesamte Stimmung perfekt ein *träum*

Wir kommen 10 Minuten vor Gateschließung am Camp an – puh Glück gehabt. Wir nutzen die Chance und tanken auch gleich. Ja natürlich gibt es hier mitten im Nirgendwo eine Tankstelle, was glaubt ihr denn? 🙂
Übrigens Tanken. Hier in Südafrika wird immer von einem Mitarbeiter getankt. Man verlässt das Auto nie. Und in den meisten Fällen werden (bei Touristen) auch noch die Scheiben gewaschen. Man erwartet dann natürlich ein Trinkgeld, das wir aber in diesem Fall immer gerne geben. Zahlung per Karte ist ebenfalls kein Thema. Auch das Terminal kommt bequem zum Fester. Alles sehr praktisch und absolut sicher.

Jetzt erst einmal in die Lobby. Hier werden wir sehr unfreundlich empfangen, was uns zuerst sehr verwundert. Bisher waren die Mitarbeiter in den Camps nämlich immer sehr freundlich. Die Dame verlangt von uns sehr unfreundlich irgendeinen Pass den wir bei der Einfahrt bekommen haben sollen. Es sei dazu gesagt, dass das unser erstes Mal im Park ist und wir keine Ahnung haben was sie will. Offenbar kommt dann aber die Leiterin des Camps, die deutlich besser Englisch spricht und klärt uns auf. So war die Sache schnell erledigt und auch völlig logisch. Man brauch nämlich einen Stempel auf der Einfahrtsrechnung. Sonst kommt man nicht mehr raus. Also quasi die Sicherheit, dass man in einem Camp offiziell übernachtet hat.

Wir bekommen unseren Zimmerschlüssel. Es handelt sich um einen Bungalow, also ein einzeln stehendes Haus, am Rand des Camps. Vor uns liegt also nur der Zaun. Bilder dazu gibt es morgen, weil es heute schon zu dunkel ist 😛
Als wir das Zimmer betreten sind wir aber zuerst einmal schockiert. Das Dach besteht klassisch aus Stroh, ist aber übersät mit kleinen Insekten. Auch sonst rennt hier allerhand die Wände hoch und dem Boden entlang. Die Armaturen im Bad funktionieren zwar, machen aber den Eindruck als würden sie gleich herunter fallen. Und sauber ist hier eigentlich gar nichts. Puh so haben wir uns das nicht vorgestellt, aber wir werden es schon überleben.

Trotzdem können wir bei einem Preis von 99 Euro pro Nacht nur 1 von 10 Punkten vergeben, auch wenn ich rückblickend beim Betrachten der Bilder nicht ganz nachvollziehen kann wieso wir so schlechte Erinnerungen daran haben. Scheinbar täuschen die Bilder aber sehr 😉
Dazu sei außerdem gesagt: wenn man im Park sein will gibt es einfach keine Alternative. Satara liegt extrem gut wenn man direkt in der Früh aus dem Camp fahren will.

Zum Abschluss wollen wir noch im Restaurant essen gehen. Beim einchecken haben wir dort noch nachgefragt ob wir einen Tisch reservieren müssen. Müssen wir nicht, weil sowieso immer was frei ist. Geht aber eigentlich auch gar nicht.
Tja nun haben wir aber den Salat – es ist kein Tisch frei. Die Dame will uns drinnen hin setzen. Bei diesen Temperaturen aber wirklich keine gute Idee und so stellt sie den Tisch unter lautem Schimpfen ins Freie. Wir bestellen uns einen Burger, der sehr mittelmäßig schmeckt. Aber exakt das sind wir von staatlichen Camps im Park gewohnt – und zwar weltweit.

Und eigentlich ist uns das auch alles völlig egal. Wir sitzen hier in der afrikanischen Natur. Um uns herum wilde Tiere, es ist stock dunkel und man kann die Sterne über uns sehen. Wir hatten einen nahezu perfekten Tag und können uns über wirklich nichts beschweren. Und so gehen wir schnell duschen und machen das Licht einfach schnell aus. Das hat schon die letzten zwei Nächte funktioniert und tut es diesmal auch wieder 😉

Viel Schlaf bekommen wir sowieso nicht, denn kurz nach 5 Uhr in der Früh stehen wir bereits mit gepackten Koffern mit unserem Auto vor dem Gate und warten auf dessen Öffnung. Überraschenderweise treffen wir dabei auch jemanden, der wir ziemlich viel unserer Urlaubsplanung zu verdanken haben. Aber mehr dazu morgen 😉