Nahtlos geht es heute weiter wo wir gestern aufgehört haben. Wir befinden uns gerade auf der Autobahn und fahren, von Johannesburg kommend, in Richtung Osten. Unsere heutige Unterkunft liegt in dem kleinen Ort Graskop und auch wenn man es beim derzeitigen Ausblick auf die staubige Savanne nicht erahnen kann, wird es dort sehr grün sein. Der Ort liegt nämlich auf gut 1.400 Metern und ist durch die häufigen Niederschläge dicht bewaldet.

Die ersten Tiere – an einer Autobahnraststation. What!?

Die Landschaft hier kann man wohl am ehesten mit den USA vergleichen. Die Straßen wurden fast ohne Rücksicht auf Verluste schnurgerade quer durch die Landschaft gezogen. Aber viel gibt es hier auch nicht zum ausweichen 😉 Es gibt nämlich – rein gar nichts:

Nach 1,5 Stunden, also in etwa der halben Fahrtstrecke erreichen wir eine Autobahnraststation. Diese zählt, glaubt es oder nicht, tatsächlich als Touristenattraktion. Mitten im Nirgendwo an der N4 befindet sich die Alzu Petroport. Über eine kurze Abfahrt fährt man von der Autobahn ab und befindet sich mitten in einem afrikanischen Minidisneyland. Es gibt mehrere Shops und Restaurants, eine Tankstelle und als besonderes Highlight ein Tiergehege mit Wasserloch in dem mehrere Arten von Pfanzenfressern leben.

Hier in Südafrika gibt es überall diese „Fenster“ vor Sehenswürdigkeiten mit/in/auf/hinter denen man sich fotografieren kann. Wirkt ein bisschen seltsam so ein gelber Rahmen mitten in der schönen Natur aber der Erfolg gibt den Metallgestellen recht – denn man muss sich eigentlich immer dafür anstellen 🙂

Nach dem ersten Mal auf der „falschen Seite“ einparken, was schon ganz schön aufregend war zwischen den gigantischen Pickup Trucks hier, gönnen wir uns eine Kleinigkeit zu essen. Es ist zwar schon Mittag aber der Hunger hält sich in Grenzen, da wir im Flugzeug mehr als genug zu Essen bekommen haben. Und so werden es nur überdimensionale Hotdogs, die gleich einmal in einer Styroporbox daher kommen. Der Umweltgedanke ist hier noch nicht ganz angekommen 🙂

Ist aber auch völlig egal, denn mit diesem Ausblick wird jedes Essen toll. Wir sind fasziniert die Tiere hier einfach so friedlich nebeneinander zu sehen. Klar, viel mehr als ein Zoo ist das hier auch nicht. Und wir wissen an dieser Stelle ja auch noch nicht, was wir alles an den kommenden Tagen sehen werden. Hätten wir es gewusst, dann wären wir wohl über den Zustand der Tiere schockiert. Aber so haben wir Spaß und versuchen hier im Land erst einmal anzukommen und durch zu atmen.

Für diese Reise habe ich (Gerald) mir extra ein gigantisches Teleobjektiv ausgeborgt. Mit einer Brennweite von 200-600mm ist das neueste Prachtstück in der Sony-Reihe gut 2,4kg schwer. Bilder davon folgenden noch. Also nichts für die Tageswanderung in den Bergen. Aber exakt das richtige um damit aus dem Auto Tiere zu fotografieren. Ok Sportarten gehen auch – vielleicht finden wir ja wen der vor einem Löwen davon rennt? 😉

Die wirklich ersten Auslösungen mit dem Schornstein von Objektiv überzeugen schon einmal:

Die Hörner der Nashörner sind absichtlich gekürzt, damit sie für Wilderer unattraktiv werden.

Auf ins Grüne

Auf ins Grüne? Sind sie denn nun völlig verrückt? Hier gibt es doch nichts als Sand, Staub und einzelne Dornenbüsche. Ja, das ist richtig, aber wir fahren nun von der Autobahn ab und gewinnen ab diesem Zeitpunkt immer mehr an Höhe bis wir über 1.000 Meter über dem Meeresspiegel sind. Und nach 30 Minuten Fahrt ist es wirklich grün. Wirklich! Beweis?

Bevor es aber grün wird, brennt es erst einmal. Und wenn wir so über den Horizont schauen, dann ist das nicht der einzige Brand hier. Mittlerweile wissen wir, dass diese Brände teilweise absichtlich gelegt werden um schlimmere zu verhindern. Trotzdem nicht so ganz umweltfreundlich. Man denke nur an den Feinstaub und das viele CO2 😉

Wir sind mittlerweile in einer Gegend angekommen, wo die Polizei nicht mehr unbedingt der Freund und Helfer ist. So ganz können wir es natürlich nicht beurteilen, denn das müssen schon die Einheimischen tun. Aber wir wurden vor der Reise mehrmals eindringlich drauf hingewiesen, dass die Polizei hier korrupt ist. Und dazu gibt es sogar im Internet kaum Gegenstimmen. Das will mal was heißen.

Aber wie äußert sich das denn in der Realität? Die Polizei ist nicht prinzipiell untätig oder hätte etwas gegen Ausländer. Aber gerade hier rund um den Kruger hat sich eine Methode der Bestechung etabliert. Begeht man ein Verkehrsvergehen (wobei laut Berichten mittlerweile auch viele davon „erfunden“ werden) und wird dabei erwischt, dann bieten einem die Polizisten eine geringere Strafe an, wenn man gleich in Bar bezahlt. Dass davon der Staat nichts bekommt und alles in die Tasche des Polizisten wandern, erklärt sich von selbst. Nun ist so etwas natürlich nicht gefährlich und die allermeisten Touristen zahlen diese überhöhte „Maut“ auch, aber man darf dieses System nicht unterstützen. Nicht auszudenken, wenn dies aus dem Ruder läuft.
Strafen in Südafrika werden nie direkt an der Straße bezahlt. Man bekommt eine Anzeige die auf der nächsten Polizeistation, mit Quittung, zu bezahlen ist.

Was tut man also dagegen? Eigentlich nicht viel. Wenn man abgezockt wird, dann ist das eben so. Anlegen würden wir uns nie mit einem Polizisten, denn diese sind zu 99% echt und dementsprechend auch bewaffnet. Und selbst wenn sie nicht über die Stränge schlagen, sitzen sie doch immer am längeren Ast und können einem den Tag unangenehm gestalten.
Um das von vorn herein zu vermeiden, gibt es eine staatliche Anti Korruption Hotline. Dort kann man mit der Dienstnummer oder Kennzeichen nachfragen ob dieser Polizist wirklich im Dienst ist und was man tun soll. Sagt man dem vermeintlich korrupten Polizisten, dass man dort gerne anrufen will, wird er in den meisten Fällen sofort weg fahren. Es reicht also meistens zu zeigen, dass man Ahnung hat.

Wir haben es sogar so gelöst, dass wir einen Flyer hinter die Windschutzscheibe gelegt haben. Und tatsächlich wurden wir bei mehreren Kontrollen danach einfach durch gewunken, während alle anderen raus gezogen wurden. Ob das an dem Flyer lag, wissen wir natürlich nicht.

Afrikanisches Dorfleben in den Bergen

Hier im Hinterland angekommen, schlägt sich die afrikanische Gesellschaft so richtig durch. Auf den Straßen wuselt es nur so von Leuten. Auf beinahe jedem Pickup findet sich eine Menschentraube auf der Ladefläche und die Einheimischen transportieren Tonnen an Lebensmittel, vor allem Obst, auf dem Kopf und Rücken herum. Ein, für uns, chaotisches Treiben, aber jeder ist freundlich, zuvorkommend und hilfsbereit.

Unser Übernachtungsort für die kommenden zwei Tage ist Graskop, eine kleine Stadt in den Bergen des Blyde River Canyons, die letzten Ausläufer der gewaltigen Drakensberge ganz im Süden des Landes. Einige Restaurants und B&Bs, sowie einen Supermarkt – viel mehr Infrastruktur kann dieses Dorf nicht bieten. Aber es liegt optimal um die Tage ganz ausnutzen zu können.

Wir kommen erst um 18 Uhr in unserem Bed & Breakfast, die Laguna Lodge, an und unser Gastgeber erwartet uns schon. Ein gewaltiges Tor ist der einzige Durchbruch in der gut 3 Meter hohen Mauer die das Grundstück umgibt. Der Gastgeber ist sehr aufgedreht und redet ohne Unterbrechung auf uns ein.

Die wichtigste Information dabei bleibt uns aber nicht verborgen: ab 19 Uhr soll der Strom im gesamten Gebiet für 2-4 Stunden abgestellt werden.
Kurz erklärt: Bei dem sogenannten Load Shedding (also „Lastabwurf“) werden bestimmte Bereiche des Stromnetzes abgeschalten, damit es nicht zu einer Überlastung und somit einem Totalausfall kommt. Das ist notwendig, weil (und ich verlasse mich hier auf Medienberichte) in den letzten 20-30 Jahren kaum in das Stromnetz investiert wurde. Die eh schon nicht sehr effizienten Kohlekraftwerke fallen immer öfter aus und auch gut geschultes Personal fehlt, nachdem einige in Pension gegangen sind. Auf einen politischen Kommentar verzichten wir an dieser Stelle. Wieder einmal sind wir froh, dass Stromausfälle in unserer Heimat eher ein Luxusproblem und weniger gelebter Alltag ist.

Jedenfalls erwähnt unser Gastgeber weiter, dass er bereits einen Tisch für uns reserviert hat und wir schnell sein sollen, denn für einige Gerichte wird der Strom benötigt. Ich (Gerald) bin zuerst einmal skeptisch. Ich mag es eher nicht, wenn mein Gastgeber bestimmt wo ich essen soll. Da es aber sowieso eines der beiden Restaurants ist, dass ich rausgesucht habe, ist es in diesem Fall mehr als ok. Katrin ist sowieso begeistert von soviel Fürsorge für uns 😉

Das Lokal ist nur 500 Meter von unserer Unterkunft entfernt und als der Gastgeber mitbekommt, dass wir aus Sicherheitsgründen mit dem Auto fahren wollen winkt er sofort ab. „This isn’t Joburg.“, gefolgt von einem Lacher. Wir können ruhig zu Fuß gehen, es gibt doch sogar eine Straßenbeleuchtung meint er 😀
Einige haben sicher nun gut mitgedacht (wir aber damals nicht): was bringt eine Beleuchtung wenn es keinen Strom gibt? 🙂

Wir gehen also hinunter zum Lokal und was uns da erwartet überrascht uns. Es handelt sich viel mehr um ein normales Wohnhaus, dass zu einem kleinen Restaurant umgebaut wurde. Der Besitzer empfängt uns bereits an der Tür. Ein witziger, völlig überdrehter alter Mann der dieses Lokal mit einer Sympatie und Freude führt, dass es einfach nur Spaß macht.

Wir bestellen uns natürlich gleich das Beste vom Besten – Lamm und Rindersteak. Zusammen mit den Getränken kommen wir auf gerade einmal 30 Euro. Dafür haben wir in Island vor 3 Monaten nicht einmal ein Essen bekommen. Verrückte Welt.

 

Unsere Unterkunft – zwischen Insekten schläft es sich gut

Mittlerweile ist es weit nach 19 Uhr und das Licht ist immer noch an. Das Problem mit dem Load Shedding ist, dass keiner weiß ob es wirklich kommt.
Und so können wir mit Straßenbeleuchtung zurück zur Unterkunft gehen. Ganz wohl fühlen wir uns aber nicht in den Seitengassen, fast völlig ohne Licht.

Unser Zimmer ist ein eigenes Haus am Grundstück und besteht aus einem Schlafzimmer mit angrenzendem Badezimmer. Alles ist sehr einfach gebaut und sauber würden wir es auch nicht nennen, was man aber auf den Bildern nicht erkennt. Zu allem Überfluss müssen wir erst einmal einige Spinnen hinaus befördern. Damit haben wir gerechnet und sie sind auch alle eher klein. Eine gigantische Kakerlake mit gut und gerne 8cm Länge ist uns dann aber nicht mehr ganz so egal. Ich befördere auch diese nach draußen und wir entschließen uns einfach schnell zu schlafen.

Die Unterkunft kostete uns 76 Euro pro Nacht und Zimmer, was wirklich nicht viel ist. Wir würden den Preis aber als angemessen bezeichnen. Trotzdem ist uns die Unterkunft nur 2 von 10 Punkten wert. In dieser Umgebung gibt es aber nicht wirklich eine Auswahl und wir würden immer noch sagen, dass es die beste Unterkunft im Großraum Graskop ist.