Heute ist der zweite und letzte Tag am Grand Canyon. Wobei eigentlich werden wir zu Mittag schon in Richtung Page aufbrechen und sind schon gespannt was die Gegend auf dem Gebiet der Navajo zu bieten hat.

Nachdem wir gestern sehr spät ins Bett gekommen sind, müssen wir heute umso früher raus. Ziel ist, dass wir uns den Sonnenaufgang ansehen. Das war auch nicht so schwer, denn in dem Zimmer wurde es in der Nacht extrem kalt. Guter Schlaf ist etwas anderes …

Am Vorabend fiel uns dann noch ein Planungsfehler auf. In unserer Liste haben wir eigentlich immer Sonnenuntergangs- und Sonnenaufgangszeiten notiert. Blöderweise hat Katrin aber hier die exakte Zeit genommen (kleiner Tipp: das ist ein Google Widget … einfach „Sonnenaufgang Stadt und Datum“ in Google eingeben und schon erscheint die Uhrzeit des Sonnenaufgangs). Ich habe allerdings die Zeit genommen an der wir vor Ort sein müssen. Man braucht ja natürlich auch Zeit um die richtige Position zu finden, Kamera aufzubauen, etc.
Unser Dilemma: wir wussten am Grand Canyon nicht mehr wer die Zeit eingetragen hat und ohne Internet blieb uns nichts anderes übrig als noch einmal ein bisschen früher dort zu sein. Ihr ahnt es schon: wir waren viel zu früh!

Also Kamera einpacken und ab ins Auto bis zum Mather Point (=perfekter Sonnenaufgangsaussichtspunkt). Autotüre auf, Kamera raus … ohh noooo – doch nicht so schnell raus – Kamera ist eben vom Auto auf den harten Betonboden geknallt und gleich unter das Auto weiter gerutscht …. Jetzt einmal tief durchatmen, Kamera hervorholen und Schaden begutachten. Ein paar Kratzer sind es schon geworden . Und nun mal ein Bild versuchen … puh gott sei Dank es geht … nochmal Glück gehabt .

Das wir viel zu früh dort waren störte uns aber – abgesehen von der Müdigkeit – nicht wirklich denn der Grand Canyon ist bei Dunkelheit wunderschön. Selbst an den beliebtesten Hotspots sind kaum Leute und so ist es wirklich still.

Obwohl wir wirklich warm angezogen waren, wurde uns ganz schön kalt. Kein Frühstück und die Müdigkeit setzen uns ganz schön zu. Der Sonnenaufgang lies lange auf sich warten und dann war alles in wenigen Sekunden vorbei …

Mir persönlich hat der Sonnenaufgang viel besser gefallen. Die letzten Sonnenstrahlen tauchen den Grand Canyon in ein wunderschönes orangenes Licht. Das fehlt beim Sonnenaufgang irgendwie.

Danach ging es zurück aufs Zimmer um Frühstück zu essen. Ich wollte mir einen Kaffee am Zimmer machen. Hier gibt es den „Kaffeeweißer“ aber nur in Pulverform und das habe ich noch nie probiert. Und bäh war das widerlich! Nie wieder werde ich das trinken. Ich musste diesen Morgen also ohne Kaffee auskommen, denn es ging gleich weiter mit dem nächsten Programmpunkt.

Wir wollten die frühe Morgenstunde nutzen und den „South Kaibab Trail“ bis zum Ooh-Aah-Point wandern. Der Trail ist nicht sonderlich lang, aber er soll es trotzdem in sich haben. Bergab war kein Problem und es waren auch kaum Leute unterwegs. Eigentlich kamen uns nur Wanderer entgegen die offensichtlich eine ganze Tagestour vor hatten. Zumindest lässt Geschwindigkeit und Ausrüstung darauf schließen. Ich finde es ist die perfekte Tageszeit für diesen Trail!
Auch hier ist die Sicht auf den Grand Canyon wieder etwas ganz Besonderes. Obwohl man sehr steil nach unten geht, merkt man kaum etwas davon, weil der Canyon einfach so tief ist. Der Blick nach oben lässt einen dann ganz klein erscheinen.

Unterwegs begegnet uns auch dieses süße Bergeichhörnchen, dass aber kaum Notiz von uns nahm.

Nach einiger Zeit kamen wir dann zu einem Stein auf dem „Ooh-Aah-Point“ eingeritzt war.

Wir sahen uns beide fragend an, weil wir nicht sicher waren ob das nun ein Scherz ist oder nicht. Woher sollten wir wissen ob wir den Punkt erreicht hätten oder nicht?
Gut die Aussicht hier war ein Wahnsinn aber geht es noch besser? Ich hatte einen Tracker auf meinem Handy mitlaufen und dieser zeigte ziemlich genau jene Distanz an, die auch oben am Trailhead auf der Informationstafel vermerkt war.
Wir entschieden also, dass es sich hier um den richtigen Punkt handelt und jemand die Originaltafel mitgenommen hat. Da der Aufstieg ja bekanntlich doppelt so lange wie der Abstieg dauert, machten wir uns also auf den Weg.

Und der hatte es tatsächlich in sich. Mittlerweile hatte die Sonne nämlich ordentlich Kraft und die Steigung verlangte einem schon einiges ab. Wir haben dann auch wirklich genau doppelt so lange gebraucht, sind aber sicher und wohlbehalten oben angekommen.

Wir verließen das Village und fuhren den Grand Canyon in Richtung Osten entlang und hielten bei einigen Viewpoints wo wir einen Parkplatz bekommen haben. Ich finde aber die Sicht ändert sich kaum, egal wo man hier steht.

Der östlichste Aussichtspunkt im Park ist der Desert View Watchtower. Man merkt, dass man nun auf Navajogebiet ist, denn überall werden Schmuckgegenstände zum Verkauf angeboten.
Um den Turm herum gibt es auch ein Geschäft und ein Visitor Center. Das Geschäft ist wohl eher für die Camper in der Gegend gedacht, denn es gibt unter anderem Feuerholz und frischen Kaffee zu kaufen. Wir kauften uns hier einen „Grand Canyon Magneten“ damit sich die restlichen am Kühlschrank zuhause nicht einsam fühlen.

Nachdem wir den Turm einmal bis nach ganz oben bestiegen und die fantastische Aussicht genossen haben wird es Zeit für ein Mittagessen. Wir kratzen unsere letzten Vorräte zusammen und essen Sandwiches nur wenige Meter vom Abgrund des Grand Canyon entfernt. Weil wir uns ein bisschen abseits gesetzt haben, vergisst man den Trubel um diesen Viewpoint sehr schnell und fühlt sich ganz alleine. Ein Traum!
Das man sich dem Ende des Grand Canyons nähert wird einem spätestens dann bewusst, wenn man in die Tiefe sieht und den Colorado River erkennen kann. Von hier oben sieht dieser aber eher wie ein kleiner Bach aus.

Aber wir haben noch viel vor … also den Jeep gesattelt und weiter geht es direkt in Richtung Page. Die Fahrt ist wieder einmal sehr langweilig und eintönig. Die Landschaft ladet nicht wirklich zum Stauen ein.
Unser nächster Punkt sollte der „Horseshoe Bend“ sein. Eine gigantische Schleife des Colorado Rivers. Wieder mal trauten wir uns nicht über die doppelte Sperrlinie zu fahren und damit die Fahrbahn zu kreuzen und so blieb uns nichts Anderes übrig als bis nach Page zu fahren und dort zu wenden. Ich glaube jedoch, dass war das letzte Mal in unserem Urlaub, dass wir uns von einer Sperrlinie aufhalten lassen. Ganz ehrlich: das ist doch dort eher eine Empfehlung oder?

Am Parkplatz des Horseshoe Bend angekommen sehen wir zuerst eine große Baustelle. Wie ich mittlerweile erfahren habe, wurde dort ein asphaltierter Parkplatz angelegt und an heißen Tagen werden Besucher nur mit ausreichend Wasservorräten auf den Weg gelassen (gut so!). Offensichtlich dürfte es hier zu mehreren Vorfällen gekommen sein.

Wir parken also noch mitten in der Wüste auf einem staubigen Sandplatz (da der Luxusparkplatz noch in Bau ist …). Zunächst verwickeln wir uns jedoch in eine Diskussion mit einem Wohnwagenbesitzer weil wir uns einen Parkplatz für RVs genommen haben. Das war aber gar keine Absicht. Wir wussten nur nicht, dass es so viele Parkplätze dahinter gibt. Also ausparken, neuen Parkplatz suchen und wieder einparken.

Danach folgt ein gut 15 Minuten langer Walk zum Bend. Der Weg ist uneben und immer wieder sind Felsen unter der Oberfläche versteckt. Wir haben mehrere Leute beobachtet die nur mit Flip-Flops bewaffnet volle Breitseite zum Liegen gekommen sind. Also wer auch immer dort hin geht -> festes Schuhwerk und Wasser mitnehmen!

Am Rand angekommen muss man noch kleinere Felsen besteigen und sieht ihn dann, den Horseshoe Bend. Und ich muss echt zugeben: hier war ich deutlich mehr beeindruckt als am Grand Canyon. Man kennt ja viele Fotos. Was man aber nicht weiß ist, dass alle Fotos wo dieser ganz abgebildet ist mit Weitwinkelobjektiven gemacht wurden. Dadurch sieht das Ganze auf Fotos sehr klein aus. Die Wirklichkeit ist aber anders … gewaltig anders!


(jaja auch hier sieht er klein aus ).

Nach einer Kaffeepause am Abgrund mit vielen Asiaten, die absolut lebensmüde sind, kauften wir noch ein wenig bei Walmart ein und checkten in unserem Hotel ein.

Auch hier Arbeiten nur Navajos und deren Gemütlichkeit sollten wir nun zum ersten Mal kennen lernen. Mit sichtlicher Ruhe tippte die Dame an der Rezeption gute 10 Minuten etwas ein bevor sie meinte: „Does Austria have another name?“ … hä?!
Ich schüttelte verständnislos den Kopf, überlegte jedoch währenddessen ob es nicht doch einen anderen Namen gab. Es stell sich dann heraus, dass Österreich in deren System wirklich nicht angeführt wurde! Nach 15 Minuten suchen kam dann jedoch die Kollegin und meinte sie solle das Feld einfach auslassen. Zu der Bewertung des Hotels bitte wieder unten lesen.

Da der Tag noch einiges an Sonnenlicht zu bieten hatte und unser Hotel direkt beim Aussichtspunkt für den Glen Canyon Staudamm lag, fuhren wir die 500 Meter (macht man so! hihi) dorthin. Hier hat man wirklich einen tollen Blick auf den Staudamm und in der anderen Richtung (Richtung Horseshoe Bend) auf den Colorado River. Also selbst wenn man nur durch Page durchfährt sollte man hier stehen bleiben. Kostet einen nur 10 Minuten, die es wert sind.

Kleine Nebengeschichte: In einer Doku habe ich vor kurzem gesehen, dass der Colorado an dieser Stelle durch den Staudamm massiv abkühlt. Das Wasser wird natürlich vom Grund des Stausees abgelassen, der deutlich kälter ist als das Oberflächenwasser. Das wäre noch kein großes Problem, aber in dem Fluss leben Fische, die es sonst nirgendwo gibt (und die hier schon sehr sehr lange heimisch sind). Deren Verbreitungsgebiet wird aber durch das kalte Wasser immer kleiner. Eine Ausrottung scheint unausweichlich?

So und weil jetzt immer noch Zeit übrig ist, wollen wir auch sehen was hinter dem Stausee liegt. Zu unserer Verwunderung ist das Gebiet um den Lake Powell ein Nationalpark. Zum Glück gilt hier unser Pass, denn sonst wäre uns dieser Anblick wohl verborgen geblieben:


Zum ersten Mal wird uns bewusst, wie schlimm die Dürre hier sein muss. Weite Teile des Gebietes auf dem Bild sollten eigentlich unter Wasser sein.

Eine Arbeitskollegin von mir hat vor wenige Wochen auf diesem See ein Boot gemietet und meinte, dass war eines der Highlights ihres Urlaubes. Schade, dass wir nicht auf die Idee gekommen sind (ich bin davon ausgegangen, dass man dafür wie bei uns einen Führerschein benötigt – was nicht so ist). Mit einem Boot kann man in die unzähligen Seitenarme fahren, ankern und baden gehen.

Die Gegend ist ein beliebtes Urlaubsziel der Einheimischen. Da wir aber erst Mitte Mai haben ist nicht viel los und die Boote werden erst für den Sommer entstaubt .

Jetzt neigt sich der Tag aber dann doch dem Ende zu. Und was macht man in Page am Ende eines Tages? Ganz genau! Man geht zu Big John’s Texas BBQ. Mein Gott war das herrlich. Viele von euch kennen es ja aber ich wiederhole es noch einmal: wer in Page ist muss unbedingt dort essen gehen! Die Rippchen und der Pulled Pork Burger sind ein Traum. Dazu spielt eine Country Band, die Sonne geht unter und alles riecht nach diesem herrlichen Rauchgeruch der Smoker.

Und mein Gott waren diese Bohnen gut. Weiß jemand wie sie die hinbekommen? Wenn jemand ein Rezept kennt, dann nur her damit!
Glücklich und satt schlafen wir in unserem gigantischen Hotelzimmer ein …

 

Hotelbewertung: Sleep Inn & Suites
Location: Das Hotel liegt direkt am „Aussichtspunkt“ für den Glen Canyon Staudamm. Man kann dorthin zu Fuß gehen. Auch der Dorfkern wäre zu Fuß erreichbar (tut aber niemand). Trotzdem liegt das Hotel weit genug von der Hauptstraße weg, damit es ruhig ist. Location ist also absolut top.

WLAN: Vorhanden und gratis aber absolut unbrauchbar (Verbindungsabbrüche und sogar E-Mails und WhatsApp war grenzwertig). Man stellt sich hier in der Gegend sowieso besser darauf ein kein Internet zu haben. Wie die Leute in Page damit leben ist mir nicht ganz klar.

Preis pro Nacht/Person: EUR 81,54 (Es gibt günstigere Hotels in der Gegend. Aber für den „Luxus“ in Ordnung)

Parkplatz: Ausreichend direkt vor dem Hotel vorhanden.

Bemerkung: Abgesehen vom Personal, die für die Gegend typisch sehr gemütlich drauf sind, ist das Hotel super. Es ist noch recht neu und dadurch noch nicht abgewohnt. Zimmergrößen ist fast schon übertrieben groß (Badezimmer ebenfalls). Poolanlage haben wir leider nicht getestet.
Frühstücksbuffet ist sehr groß und sollte jedem etwas bieten. Das Essen ist jedoch eher durchschnittlich. Der Essensraum bietet für die Hotelgröße aber zu wenig Sitzplätze.

Unsere Bewertung: 4 von 5 Sternen (Abzug für hohen Preis dafür, dass man sich in einer Kleinstadt befindet, schlechtes WLAN, mittelmäßige Qualität des Frühstücks)

 

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