///Tag 17 (Big Island) – Schokolade und viel schwarzer Sand

Am heutigen Tag zeigen sich zum ersten Mal die Auswirkungen der Sperren rund um den Vulcanos National Park. Wir sind ja hier im Norden der Insel in Hilo. Hier ist man eigentlich fast ausschließlich nur, um den Vulkan und dessen Umgebung zu besichtigen. Da dieses jetzt aber weg fällt haben wir in der Gegend wenig zu tun. Wir haben lange überlegt ob wir nicht 1-2 Nächte in Hilo stornieren sollen und diese nach Kona verlegen, aber der Aufwand wäre zu groß und die Hotels sind nicht kostenlos stornierbar.

Also haben wir uns für einen anderen Weg entschieden. Wir fahren einfach einen Tag von Hilo nach Kona. Das kostet uns zwar an diesem Tag insgesamt 2 Stunden im Auto aber das ist immer noch günstiger als ein leeres Hotelzimmer zu bezahlen und die Landschaft während der Fahrt ist ja auch eine Sehenswürdigkeit für sich.

Von Wasserfällen und Regenbogen

Wie es der Zufall so will haben wir unsere Wecker versehentlich eine Stunde zu früh gestellt. Da kommen wir aber erst drauf, als wir schon aufbrechen wollen und unser Navi eine Ankunftszeit eine Stunde zu früh anzeigt. Jaja sowas passiert nach zwei Wochen Urlaub schon mal 😉

Macht aber rein gar nichts, denn wir ziehen einfach eine Sehenswürdigkeit vor. Ganz in der Nähe von Hilo liegen die „Rainbow Falls“, ein imposanter Wasserfall zu dem man praktischerweise direkt mit dem Auto fahren kann. Der Parkplatz ist fast leer, hat aber eigene Busparkplätze und ist sehr groß. Wir wollen nicht wissen was hier zu späterer Stunde alles los ist. Im Moment müssen wir uns nur mit einem der Laubbläser ärgern. Irgendwie scheint es auf Hawaii üblich zu sein in der Früh überall mit Laubbläsern herum zu gehen und die Blätter in eine Ecke zu blasen. Das ist jedoch laut und stinkt. Ob das wirklich notwendig ist?

Jedenfalls bietet der Wasserfall eigentlich nur zwei Blickwinkel, diese sind aber zur Abwechslung mal genial und nicht überwachsen:

Jetzt zum Namen: Rainbow Falls verspricht ja eigentlich zwei Dinge: einen Wasserfall und einen Regenbogen. Ok ersteres ist eindeutig da. Zweiteres ist ganz leicht auf dem ersten Bild zu erkennen. Das geht viel imposanter, aber das soll heute wohl nicht sein. Das Wetter ist leider viel zu schlecht und ohne Sonne kein Wasserfall. Außerdem müssten wir dazu noch etwas ne gute Stunde warten, denn die besten Chancen hat man scheinbar zwischen 9-11 Uhr. Wir finden den Wasserfall aber auch ohne Regenbogen genial.

Ein kurzer Trail führt hinter den Wasserfall, wo man einen beeindruckenden Banyan Tree vorfindet. Leider ist es hier komplett nass und matschig. Bei solchen Bedingungen immer dabei sind die Mücken. Somit flüchten wir sehr schnell wieder.

Ab zur Schokolade

Einige wundern sich jetzt aber vielleicht wieso wir uns denn gar nichts in Hilo ansehen. Es wird doch hier noch irgendwas anderes als den Vulkan geben? Ja gibt es auch und werden wir auch machen. Wir mussten nur gleich den ersten Tag nach Kona fahren, weil die Führungen auf der Kakaoplantage nur am Mittwoch und Freitag statt finden.
Und so sitzen wir im Auto und fahren Richtung Kona.

Dort angekommen ist es erst einmal deutlicher heißer und schwüler als in Hilo. Wir cremen uns brav ein und vernichten eine halbe Flasche Insektenschutzmittel (wie gesund …). Die Tour startet dann bald und ist sehr gut gebucht. An die 40 Leute schieben sich durch den sehr kleinen Garten von „Original Hawaiian Chocolate“.

Es handelt sich dabei um eine sehr kleine Farm, die dementsprechend auch nur kleine sehr hochwertige Mengen an Schokolade herstellt. Der Gründer und Besitzer selbst führt uns durch die Farm und sein Assistent hilft ihm dabei. Kleiner Spoiler: unserer Meinung nach wäre die Tour deutlich besser, würde der Assistent alles alleine machen. Dazu gleich mehr.

Wir bekommen unter einem Affenbaum drei Kostproben an Schokolade. Davon gibt es leider kein Bild, da ich dachte es kommt noch mehr. Dabei handelte es sich um Milchschokolade und zwei dunkle. Wobei eine der dunklen hell war. Das ist jetzt verwirrend oder? Die Erklärung ist aber ganz einfach: die Bohne dieser Schokolade hat einen weißen Kern, wodurch die fertigen Schokolade auch bei einem hohen Kakaoanteil hell ist.

Nach einer kurzen Einführung über die Geschichte der Farm und wie gesund Schokolade nicht ist geht es nach hinten auf die Plantage. Hier reiht sich Kakaobaum um Kakaobaum.

Uns werden die Früchte erklärt und, dass diese je nach Art ganz unterschiedlich aussehen. Jeder Baum hat nur so viele Früchte wie er vertragen kann. Außerdem hat jeder Kakaobaum sowohl unreife als auch reife Früchte, die an ihrer rötlichen Farbe erkennbar sind.

Fachwissen: Kakaoblüten werden von kleinen Mücken befruchtet, weshalb auf den Farmen die Blätter am Boden liegen gelassen werden. Darin leben diese Mücken nämlich. Auf sowas muss man mal kommen …

In jeder Frucht befinden sich um die 40 Kakaobohnen, die von einer weißen schleimigen Schicht umgeben sind. Diese ist ein Trick der Natur. Zunächst schützt sie nämlich die Bohne in der luftdichten Schale. Sobald sie jedoch mit Luft in Berührung kommt, beginnt eine natürliche Fermentation. Die Schicht reagiert vereinfacht gesagt mit dem Sauerstoff und erwärmt sich. Dadurch wird die Bohne erst genießbar. Wobei genießbar relativ ist. Zwar kann man eine fertige Bohne einfach so essen, aber sie schmeckt extrem bitter und auch das Kaugefühl ist nicht sehr angenehm (wie ein Stück Holz).

Jedenfalls wird uns eine dieser Früchte geöffnet und in exakt diesem Moment kommen aus allen Ecken und Enden Geckos hervor. Die weiße Schicht ist nämlich für diese genauso verführerisch wie für uns die Schokolade selbst 😉

Nach der Führung ereignet sich ein für mich sehr erschütternde Szene. Die zahlreichen Kinder stürmen zu den Geckos hin und versuchen diese zu „erschlagen“. Ich war schockiert und habe dementsprechend sofort die Eltern angestarrt. Kinder sind halt unerfahren und vielleicht ist es verführerisch diese flinken Tiere erwischen zu wollen. Jetzt wird es aber krass: anstatt ihnen zu erklären, dass es nicht richtig ist Tiere zu quälen ermutigen die Eltern (durchgehend alle!) die Kinder dazu weiter zu machen. „You have to hit harder to get him“, „No that’s too slow“, etc.
Ich war sprachlos und habe auch den ein oder anderen bösen Blick mit einigen verwunderten Worten in Richtung der Eltern losgelassen. Ich bezweifle jedoch, dass sie verstanden haben was ich meine.

Überall verteilt stehen dann noch Trocknungstische, auf denen man die letzte Phase der Bohnen sehen kann. So sehen also fertig gereifte Kakaobohnen aus:

Danach werden wir noch in die Fabrik geführt. Dort werden die Kakaobohnen einfach gesagt zermahlen und dann über spezielle Temperaturkurven erwärmt und abgekühlt. Dabei wird die Masse ständig gerührt.

Und auf einmal ist die Führung nach 40 Minuten vorbei. Keine weitere Kostprobe oder sonstiges. Na das war ja mal ordentlich enttäuschend.
Bei der 3 stündigen Führung auf Kauai hätte man Kostproben von Früchten, mehrere Schokoladesorten (auch nicht heimische) und und und bekommen. Und hier? Nix? Das war schon alles sehr lächerlich. Für eine kostenlose Führung wäre das mehr als in Ordnung gewesen, aber wir haben 12$ pro Person bezahlt und das war eindeutig zu viel.

Immerhin haben wir eine Kakaofarm gesehen und das war zumindest die Grundanforderung an diesen Besuch. Mehr jedoch schon nicht. Wie gesagt wäre die Führung vom Assistenten sicherlich besser gemacht. Dieser scheint deutlich mehr Freude dran zu haben. Man hat das Gefühl der Gründer macht das nur weil eine Plantage das auf Hawaii eben macht. Sonst kennt einen keiner. Man will ja auch verkaufen. Ja ok dann aber bitte wie die Kaffeeplantagen gratis. Das wäre fair gewesen. Wir sprechen also an dieser Stelle klar keine Empfehlung aus.

Recht ernüchtert und fast sauer stapfen wir zum Wagen und fahren erst einmal einen Burger essen. „Jack in the Box“ enttäuscht uns hier nicht und so steigt die Laune wieder.

Einsam an einem schwarzen Sandstrand

Jetzt geht es mit einer Strandtour an der Westküste von Big Island weiter. Unser erstes Ziel ist ein Geheimtipp und zwar ein Strand mit dem klingenden Namen „Ke-awa-iki Beach“. Man parkt hier gleich neben der Straße und wir wundern uns schon, dass wir ganz alleine sind. Zwar gibt es einen kleinen asphaltierten Bereich, aber keine Tafel und auch keine anderen Autos. Das ist doch sehr ungewöhnlich.
Anschließend muss man einen gar nicht so kurzen Trail über ein Lavafeld meistern bevor man auf diesem Strand steht:

Gut es ist jetzt vielleicht nicht der schönste Strand und die Brandung ist ganz ordentlich, aber wir sind alleine. Und der Sand selbst ist sehr beeindruckend. Tiefe schwarze Sandkörner ohne Verunreinigungen. Das Gebiet auf dem ersten Blick links hinter dem Palmen gehört übrigens einer einzigen Person. Sehr schönes Fleckchen Land. Als Erinnerung: der Strand muss für jeden zugänglich bleiben. Daher kann man Land eben auch nur bis zur Strandgrenze besitzen, was hier sehr deutlich wird.

Auch gut erkennbar auf den Bildern ist der VOG des Vulkans. Der ein oder andere würde jetzt vielleicht denken, dass es nebelig ist und es sieht auch genauso aus. Es handelt sich aber tatsächlich um die Gase des Vulkans, die uns ab diesem Tag jede Aussicht vermiesen werden. Aber gegen die Natur kann man eben nichts machen 🙂
Zum Glück haben weder Katrin noch ich Atmenprobleme. Das geht nicht jedem so.

Wo sind wir denn hier?

Nach einem kurzen Aufenthalt hiken wir wieder zurück und treffen beim Parkplatz tatsächlich noch ein Pärchen, die sich gerade für die Wanderung bereit machen. Wir geben ihnen ein paar Tipps und sind auch schon die 5 Minuten zum nächsten Strand unterwegs. Die Namen werden immer besser, denn dieser heißt einfach „49 Black Sand Beach“. Nein hier gibt es nicht 49 Strände 😉 An der Küste liegen so viele verschiedene Strände, dass man diese ganz einfach nach den Milemarkern an der Straße benannt hat. Vielleicht hat dieser Strand auch einen richtigen Namen, aber ich kenne ihn nicht 🙂

Jedenfalls liegt dieser Strand in einer gated Community. Das ist vereinfacht gesagt eine Ansammlung an Häusern mit einem Zaun drum herum. Hier leben also die schönen und Reichen. Man kennt sowas aus unsicheren Ländern in Afrika und co. Hier macht es eigentlich kaum Sinn und ist wohl eher ein Statussymbol.

Aber auch hier gilt wieder: der Strand gehört jedem. Ich finde dieses Gesetz im übrigen absolut genial. Und so müssen wir nur unser Recht beim Wachmann einfordern und um Einlass bitten. Wir bekommen eine Zutrittskarte und dann geht es auch schon los. Am Weg hier her sind wir einfach durch karge Lavafelder gefahren.

Und mit einem Schlag sieht es so aus:

Unfassbar oder? Am Strand finden wir dann alles was man braucht: Parkplätze, WC, Duschen, etc. Der kleine Strand gefällt uns sehr gut. Der Sand ist eine Mischung aus schwarz und weiß (also von Lava und Korallen) und ist unglaublich weich. Es befinden sich hier kaum Leute und das Meer ist sehr ruhig. Wir verbringen hier einiges an Zeit und genießen die Umgebung.

Alle weiteren Strände entlang der Küste lassen wir aus Zeitgründen vorerst aus. Es würde sich um richtige Touristenstrände handelt, die auch einen Eintritt (natürlich nur fürs Parken – weil öffentliche Strände …) verlangen.

Hippies, Rinder und ein Viewpoint

Wir fahren immer weiter Richtung Norden und nehmen einen Umweg über eine besonders schöne Straße. Diese führt hinauf in die Berge und direkt hinein in unendliche Rinderweiden. Hawaii hat eine lange Geschichte der Rinderzucht. Verkürzt beginnt diese mit dem Geschenk von drei Rindern an den König. Dieser erklärt die Tiere quasi für heilig. Als Konsequenz vermehren sich diese ungehindert und werden zur Plage. Der König lässt daraufhin aus Kalifornien (das noch zu Mexiko gehörte) Cowbows kommen, die den Hawaiianern die Rinderzucht beibringen. Heute produziert Hawaii eines des besten Rindfleisch weltweit. Allerdings sind die Mengen so gering, dass es bei uns nicht zu bekommen ist.

Hier möchte man doch Rind rein …

Die Stadt Hawi zählt ein bisschen als Aussteiger- bzw. Hippiestadt. Hier lassen sich viele Menschen nieder, denen ihr Leben zu stressig geworden ist. Angeblich findet man hier viele Ärzte und Anwälte vom Festland die hier einfach ein neues Leben begonnen haben. Und so reihen sich hier Gallerien und seltsame Geschäfte aneinander. Wir können das Ganze aber leider kaum erkunden, denn es hat mittlerweile (wieder mal) so richtig zu Regnen begonnen. Wir fahren daher mehr durch bis zu unserem nächsten Punkt – dem „Pololu Valley Lookout“.

Genau als wir bei diesem ankommen hört es für 10 Minuten auf zu regnen und uns gelingen einige sehr stimmungsvolle Bilder:

Auf dem Rückweg bleiben wir noch kurz in der Stadt Kapaau stehen, das die Geburtsstadt des großen Königs Kamehameha ist. Dementsprechend steht hier auch die einzige wahre originale Statue von ihm. Eine zweite große haben wir in Honolulu vor dem Palast gesehen. Es gibt aber noch einige weitere bedeutende auf der ganzen Welt. Diese hier ist jedoch die wichtigste:

Jetzt bleiben uns nur noch einige Minuten Sonne, wobei man von dieser ja sowieso nichts sieht. Zurück an der Küste hat es zwar zum Regnen aufgehört, aber den Sonnenuntergang können wir uns heute nur vorstellen.
Wir bleiben trotzdem an einem Strand stehen, der auf Grund des Freitagabends mit Einheimischen überfüllt ist. Dort essen wir eine Kleinigkeit und schauen den Krebsen dabei zu wie sie ihre Sandlöcher gegen die Wellen verteidigen (nein sie haben keine Chance).

Die Fahrt zurück nach Hilo ist dann nochmal sehr angespannt. Die Strecke führt wieder durch eines der dunkelsten Gebiete der Welt und ist von dem her schon nicht einfach zu fahren. Plötzlich und ohne Vorwarnung fahren wir aber in eine Wolke und befinden uns in dichtestem Nebel. Die Sichtweite beträgt nicht mehr als 10 Meter und da nichts beleuchtet ist fühlen wir uns richtig unwohl. So geht das eine gute halbe Stunde bis wir endlich wieder tief genug unten sind und der Nebel sich mit einem Schlag lichtet. Völlig erledigt von dieser Autofahrt fallen wir ins Bett.

Mahalo fürs Lesen.

Von |2018-06-25T09:59:14+00:0025.06.2018|Kategorien: Livebericht Hawaii 2018|0 Kommentare

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