Unser Tag beginnt seeeeehr zeitig. Bereits um 5 Uhr weckt mich Katrin mit einer sehr guten Laune. Sie hat ja „so lange“ geschlafen und will jetzt aufstehen. Dass wir aber erst um 6 aufstehen wollten, hat sie leider vergessen. Na gut, dass gibt uns wenigstens die Möglichkeit den Sonnenaufgang zu bestaunen. Wenn das Hotel schon sonst nichts für den Preis zu bietet hat, dann wenigstens der Ausblick. Und da ist uns in aller Früh der Atmen aus geblieben. Wir werden noch viele Sonnenaufgänge sehen aber dieser bleibt deswegen in Erinnerung weil wir ihn nicht erwartet oder geplant haben.

Danach war ich auf jeden Fall auch wach und nachdem wir heute Morgen für alles etwas länger brauchen (wir müssen uns an das aus dem Koffer leben noch gewöhnen), geht es ab zu Dunkin Donut zum Frühstück holen. Weil heute D-Day (Donut Tag) ist bekommen wir die Donuts gratis zum Kaffee … so kann der Tag ja beginnen.

Achja da war ja noch das Wetter. Scheinbar hat der Wind gedreht und bläst die Wolken nun in Richtung Norden. Ich hoffe die Kanadaurlauber verzeihen uns dies. Aber auch in diesem Urlaub nehmen wir scheinbar wieder eine Hitzewelle mit und so gibt es heute statt Regen und 15°C einfach mal wolkenlosen Himmel und knapp 30°C. Das ist zwar nicht optimal für eine Stadtbesichtigung aber drüber aufregen dürfen wir uns da wirklich nicht 😉
Morgen soll der Regen aber trotzdem kommen. Wir werden also unseren Tagesplan ein bisschen anpassen, was aber kein Problem sein wird.


The Bean und Crown Fountain

Mit unserem Kaffee in der Hand machen wir uns auf den Weg zu „The Bean“. Ja dort waren wir gestern schon, aber da sind uns zu viele Leute herum gelaufen. Und heute um 7:30 war dort fast niemand. Man hatte die Bean wirklich für sich alleine. Das glaubt einem eigentlich keiner also müssen Beweisfotos her:

Leider hielt dies nicht lange denn „The Bean“ wurde gereinigt (ja auch das passiert scheinbar regelmäßig):

Da wir aber alle Fotos hatten die wir wollten gingen wir die paar Meter weiter zum Crown Fountain. Diese Kunstinstallation besteht aus zwei Säulen von denen Wasser rinnt. Die beiden zugewandten Seiten sind eine große Leinwand auf der Gesichter abgespielt werden. Alle paar Minuten spuckt eines der Gesichter dann einen Wasserstrahl in das Becken. Sieht wirklich nett aus und ist mal etwas anderes.


Am Strand

Jetzt wussten wir nicht ganz wie wir den Tag anlegen sollten. Da uns der morgige Tag wegen dem Wetter ein wenig fehlt, mussten wir alles Wichtige natürlich heute unterbringen. Also entschieden wir uns zum North Avenue Beach zu fahren. Dieser liegt ein paar Kilometer nördlich und so nehmen wir den „L“ dafür (also die U-Bahn die eigentlich oben fährt). In wenigen Minuten sind wir auch schon dort und nach dem Überqueren eines doch imposanten Highways kommt uns bei dem Ausblick vor als wären wir gerade ans Meer gefahren.

Aber zuvor muss Katrin noch ihre „ich mach Fotos von Lincoln Statuen“ Sammlung erweitern … keine Ahnung was das soll. Hat irgendwie in Washington begonnen 😉

Der Strand ist aber eigentlich nicht unser Ziel, auch wenn es ganz nett ist die Zeit hier verstreichen zu lassen. Wenn wir wieder mal hier sein sollten, nehmen wir auf jeden Fall die Badekleidung mit.
Von hier aus hat man einen hervorragenden Blick auf die Skyline von Chicago. Und da Katrin so geduldig ist, darf ich alle meine Filter ausprobieren. Ich bin ganz zufrieden mit den Bildern und ich denke trotz dem nicht optimalen Sonnenstand können sich die Bilder halbwegs sehen lassen:

Jetzt ist aber Essenszeit und wir müssen natürlich gleich eine der beiden Chicagoer Spezialitäten ausprobieren. Der/das (?) HotDog hat in Chicago eine große Tradition. Während das erste “Vienna beef frankfurters” Würstchen vermutlich 1893 verkauft wurde, taucht das erste Rezept mit dem ganz speziellen Chicago-style HotDog erst 1929 auf.
Vienna beef? Wie in “Wien”? Ja ihr habt richtig gehört. Das meistverkaufte Würstchen stammt von der Firma “Vienna beef” und der Name kommt nicht durch Zufall. Gründer sind nämlich zwei im Jahre 1890 ausgewanderte Wiener. Somit ist der HotDog eigentlich eine wiener Erfindung? Genial 😉 (für alle die es nicht wissen: wir sind Wiener …)
Jedenfalls gehört auf den Chicago-style HotDog einiges drauf – außer Ketchup! Das geht soweit, dass in manchen Lokalen dazu ausdrücklich kein Ketchup serviert wird (nicht einmal auf Nachfrage). Das kennt man aber auch aus Wien – nur hier zum Wiener Schnitzel 😉

Der HotDog schmeckt absolut fantastisch. Es ist das erste Mal, dass wir in den Staaten ein Würstchen bekommen, das den Namen auch verdient hat. Ganz ehrlich: ich könnte es nicht von einem Essen bei uns daheim unterscheiden. Unsere klare Empfehlung ist also HotDog essen bei Portillo’s, auch wenn es ein wenig abgelegen liegt.


Bootstour

Der Weg zurück ist ein weiter, aber wir müssen ja sowieso einige Kalorien abbauen. Der nächste Programmpunkt ist nämlich zur Abwechslung gar nicht anstrengend.
Es gibt da etwas, das muss jeder tun wenn er in Chicago ist: Eine Schiffsrundfahrt. Schon in Serien wie Grey’s Anatomy wird dies eindringlich empfohlen 😀 … also wie können wir diesen Rat missachten? Tun wir auch nicht und so sitzen wir schon bald in einem Schiff zur “Architecture Bootstour”.
Man fährt dabei beide Arme des Flusses ab und ein Guide erklärt in extremen Tempo alles nur Erdenkliche über die Stadt und in diesem Fall vor allem die Gebäude. Hier lassen sich gut seine Englischkenntnisse überprüfen 😉 Ich konnte ihm aber bis auf 1-2 Mal folgen. Das lag aber dann eher dran, dass er Anspielungen gemacht hat, die ich als nicht Amerikaner wohl nur schwer verstehe. Jedenfalls war die Tour wirklich toll. Wie in jeder Stadt kann ich jedem nur empfehlen diese kostspielige Schiffsfahrt zu unternehmen. Auf Grund der Infos vom Guide und des schlechten Sonnenstandes gibt es hier nicht sonderlich viel verwertbares Bildmaterial. Aber das ist ok weil wir haben es ja erlebt 😛
Aber hier trotzdem ein paar Impressionen:

 

(bei diesem Gebäude sind die unteren Etagen Autogaragen und erst darüber fangen die Wohnungen an)

   

  

Achja die Tour läuft wohl immer gleich ab. Bei einem Gebäude fragt er die Leute für gewöhnlich an was sie das erinnert. Jahrelang scheinen die Leute immer irgendwas gesagt zu haben, bis der neueste Trend aufgekommen ist. Na an was erinnert euch das?

Richtig: an einen „Fidget Spinner“ (wer es nicht kennt muss nun googeln … ist jedenfalls bei den Kindern gerade sehr im Trend. Nachtrag: jetzt nicht mehr). Ich muss aber zugeben: irgendwie sieht es wirklich danach aus 😉

Ein besonderes Highlight (nicht nur für alle die gerade für die Millionenshow trainieren) ist übrigens, dass die Strömungsrichtung des Chicago River nachträglich geändert wurde. Er floss nämlich ursprünglich in den See hinein. Da die Abwässer früher aber einfach in den Fluss gekippt wurden, vergifteten sie ihr eigenes Trinkwasser. Nicht sehr klug 😉
Also kehrte man die Strömung um und die anderen Bundesstaaten hatten fortan das Problem. Nicht sehr weitsichtig, denn diese klagten natürlich und erhielten irgendwann (nicht beim ersten Mal!) Recht. Mittlerweile ist der Fluss vom See durch eine Mauer getrennt. Es gibt somit eigentlich keine dauerhafte Verbindung zwischen Fluss und See mehr. Die Abwässer werden aber sowieso heutzutage geklärt.


Steine und der Kaugummi

Nach 75 Minuten in der prallen Sonne (uff) gönnen wir uns einen kalten Kaffee und schlendern ein bisschen am Fluss entlang. Unser nächster Punkt ist ebenfalls ein must-see in Chicago.
1925 ließ sich die Zeitung “Chicago Tribune” einen 141 Meter hohen Wolkenkratzer mit 36 Etagen bauen. An sich wäre das nichts Besonderes, wenn da nicht der Sockel des Gebäudes wäre. In diesen sind nämlich für alle zugänglich (derzeit) 149 Steine aus aller Welt eingemauert. Diese wurden von Korrespondenten aus aller Welt mitgebracht. Nur ein Stein, jener der “Grabeskirche in Jerusalem” wo Jesus begraben sein soll ist so wertvoll, dass er im Inneren aufbewahrt wird. Dort ist er allerdings entweder nicht mehr oder wir haben ihn nicht gefunden. Genauso wie das Mondgestein, dass es angeblich gibt.

Für Österreicher gibt es wohl einen Stein der besonders ist. Nämlich aus dem Stephansdom in Wien. Um diesen zu finden mussten wir ums gesamte Gebäude gehen und jeden Stein ansehen. Es war dann natürlich der Letzte…

Nein wir haben nicht jeden Stein fotografiert. Es gibt aber einige Steine von Orten die wir bald noch sehen werden:

 

Zum nächsten Programmpunkt habe ich auf Grund der vielen Baustellen in Chicago kein vernünftiges Bild. Aber die Geschichte ist sowieso interessanter als das Bauwerk – das Wrigley Building.

“Wrigley”? Wie der Kaugummi? Ja genau der. Der Wolkenkratzer ist der Hauptsitz des berühmten Kaugummiherstellers.
William Wrigley Jr. kam 1891 mit knapp 30 Jahren nach Chicago und hatte nur knappe 30 Dollar in der Tasche, aus denen er in nur wenigen Jahren mehrere Millionen machte. Hm ich bin auch knapp 30 und gerade nach Chicago gekommen … ich schau mal wieviel Geld ich eingesteckt habe 😉
Jedenfalls war Wrigley Jr. ein genialer Geschäftsmann. Ursprünglich produzierte das Unternehmen nur Seife. Um den Absatz von Backpulver zu steigern, legte er jeder Seife ein Päckchen bei. Dies lief so verkaufsfördernd, dass die Firma in das Backpulvergeschäft einstieg. Wenig später versuchte man das Ganze dann nocheinmal mit Kaugummi und hatte sichtlich Erfolg. Um seinen Kaumgummi bekannter zu machen, griff Wrigley Jr. zu einer drastischen Maßnahme. Er verschickte an jeden US Haushalt 4 Streifen Kaugummi. Zu dieser Zeit waren allerdings auch nur 1,5 Millionen Menschen im Telefonbuch eingetragen 😉
Das Ende der Geschichte: 2008 wurde die Firma für 23 Milliarden Dollar (!) an Mars verkauft – also den Lebensmittelkonzern, nicht den Planeten.

Aber zurück zum Gebäude. Es handelt sich dabei eigentlich um zwei Gebäude, dem 133,5 Meter hohen Südturm und den nur knapp 90 Meter hohen Nordturm. Diese wurden 1924 nach vierjähriger Bauzeit fertig gestellt. Die beiden Türme sind an drei Stellen miteinander verbunden.

So jetzt aber mal genug von der ganzen Architektur. Ist ja hier kein Studium 😉
Wir machen jetzt einen ganz banalen Programmpunkt. Die mit großem Abstand absolut beliebteste Sehenswürdigkeit in Chicago ist der Navy Pier.
Dieser ist ein etwa ein Kilometer langer Pier am Michigansee. Bei der Eröffnung 1916 diente er noch wirklich dem Andocken von Schiffen. Heute ist er die größte Naherholungszone in Chicago. Ja erm … abgesehen von den Fakten … jetzt mal ehrlich. Der Springbrunnen am Eingang war schon das Tollste daran.
Der gesamte Pier ist eine Ansammlung von Restaurants und 1-2 Fahrgeschäften. Außerdem dient er tatsächlich noch als Pier für Ausflugsschiffe. Das wars!
Aber jetzt kommt das Beste: jedes Jahr pilgern 10 Millionen Besucher hier her. Wieso bitte? Ok ok es kann ja jeder sein Geld ausgeben wie er will. Wir waren jedenfalls nach einer kurzen Runde (und dem Kauf eines Magneten) wieder weg hier.

Mittlerweile ist (schon wieder) Essenszeit. So ganz wissen wir nicht was wir machen sollen aber Google (danke) verrät uns, dass ein Shake Shack am Weg liegt. Na dann nichts wie hin und unsere (zweit)liebsten Burger essen (je nachdem wen man von uns beiden frägt). Einfach nur göttlich dieser Burger. Hat wieder mal nichts mit dem zu tun was in Europa serviert wird.
Gut die Kalorienbilanz heute verschweigen wir mal besser.


Chicago von oben

Genug für heute? Nein noch lange nicht. Jetzt folgt aber etwas eher Entspanntes. Wir wollen uns den Sonnenuntergang von einer Aussichtsplattform ansehen. Dafür haben wir übrigens schon heute Mittag die Karten gekauft. Wie immer heißt es ja, dass diese Plattformen absolut überfüllt sind und man mit stundenlanger Wartezeit rechnen kann. Na mal sehen.

Am Weg dorthin laufen wir an einer besonderen kleinen Sehenswürdigkeit mit Geschichte vorbei. Der Historic Water Tower ist eines der wenigen Gebäude die den großen Brand von Chicago im Jahr 1871 überstanden haben. Bei diesem zwei Tage dauernden Brand verloren 200-300 Leute ihr Leben und ein Drittel der Bewohner war obdachlos.
In dem Gebäude versteckte sich die Wasserpumpstation die Trinkwasser für Chicago aus dem Michigansee pumpte. Trotz, dass die Gebäude überlebt hatten konnten sie nicht mehr genutzt werden. Die Pumpen waren nämlich sinnvollerweise aus Holz und verbrannten im Gebäude. Auch heute werden natürlich leistungsfähigere Anlagen eingesetzt und das Gebäude ist nur noch ein Denkmal.
Leider gibt es davon kein Foto, weil es a) sehr heiß war, b) ich echt keine Lust hatte die Straßenseite zu wechseln und c) an den Gebäude sowieso gerade gearbeitet wurde. Mehr Ausreden fallen mir gerade nicht ein 🙂

Zur Aussichtsplattform “360° Chicago” (früher John Hancock Observatory) im 96. Stock bringt uns in nur 40 Sekunden der schnellste Aufzug Nordamerikas.
Aber bevor es so weit ist heißt es doch anstellen oder? Nope wieder mal nicht (in NYC haben wir das Selbe erlebt)…

Der Ausblick ist wirklich ein Traum und ich kann jedem diese Plattform empfehlen. Leider gibt es, anders wie in New York, hier keine Plattform ohne Glasscheiben. Das heißt für Fotobegeisterte ist hier nicht viel zu holen.
Trotz Scheiben gelingen mir aber die ein oder andere guten Schnappschüsse.

In dem Bild oben sieht man den Navy Pier (das Dünne mit den weißen Gebäuden drauf). Daneben ist übrigens die Wasseraufbereitungsanlage für Chicago – ein gewaltiges Gebäude.

Nach 15h auf den Beinen die 35.000 Schritte gegangen und dabei 28 Kilometer gelaufen sind, ist es nun Zeit ins Bett zu fallen.

Gute Nacht aus Chicago!