Wie gestern angekündigt beginnt mein Tag heute – wieder einmal – sehr zeitig. Um 5:30 läutet bereits der Wecker. Das scheint erst einmal nicht sehr früh, aber vor Mitternacht komme ich selten ins Bett. Aber man ist nur einmal hier und möchte das Beste raus holen. Und weil wir schon viele Orte wetter- oder zeitbedingt auslassen habe müssen, wollte ich mir die Chance nicht entgehen lassen zwei Locations im Zion in den Morgenstunden zu fotografieren.
Da Katrin darauf keine sonderliche Lust hatte, ließ ich sie schlafen und war um 6 Uhr am Zion Museum. Nicht etwa weil ich es mir ansehen wollte (es hätte sowieso noch lange nicht geöffnet), sondern weil sich dahinter eine Bergkette befindet – die „Towers of Virgin“. Bei optimalen Bedingungen beleuchtet die aufgehende Sonne genau diese und alles andere bleibt im Schatten.
Das wirklich tolle daran war die absolute Stille. Es waren zwar schon Leute unterwegs, aber die hat man von dort nicht gesehen. Nicht einmal Tiere waren noch wach. Es lag außerdem diese Energie in der Luft wenn ein sehr heißer Sommertag beginnt. Und so stand ich da gut 45 Minuten, genoss die Natur und wartete auf die Sonne:

Leider ist die Jahreszeit wohl sehr schlecht und so ist die Ausbeute eher … naja.

Da ich am Tag vorher schon gesehen habe, dass die typische Sonnenuntergangslocation – der Watchman (Berg) von der Canyon Junction Bridge auch im Morgengrauen gut aussieht wollte ich die paar Meter auch noch fahren. Zum Sonnenuntergang tummeln sich auf dieser unglaublich kleinen Brücke duzende Fotografen und mühen sich mit einem Bild ab. Die Lichtverhältnisse sind nämlich für ein Foto extrem schlecht. Man braucht schon viel Technikeinsatz gepaart mit Können um hier ein gutes Bild hin zu bekommen.
Auch ich scheitere vorerst einmal. Ich brauche meinen PC und ein schönes Stück Zeit, damit ich noch etwas aus den Aufnahmen herausholen kann. Das Ergebnis ist zwar ganz ok, aber natürlich weit entfernt von den Profiaufnahmen die es von diesem Ort gibt. Für eine ungeplante Spontanaktion lässt sich das Bild aber sehen.

Nach gut 1,5h fahre ich ins Hotel zurück, wo Katrin immer noch schläft 😀 Da heute Abreisetag ist machen wir uns fertig und packen die Koffer bevor wir zum Frühstücken gehen. Dieses ist sehr gut und die Auswahl wirklich groß. Schade, dass wir es an unserem ersten Morgen nicht geschafft haben, weil es leider erst ab 7 Uhr Frühstück gibt. In einem Dorf wo so ziemlich jeder um diese Zeit bereits im Park ist finde ich das eher seltsam. Hier könnten sich die Hotels wirklich ein bisschen mehr ihrer Kundschaft anpassen.


Zion Canyon Overlook

Bevor wir uns vom Zion verabschieden, stehen heute noch zwei kürzere Trails auf dem Programm. Dabei befinden wir uns aber nicht mehr im Zion Canyon sondern auf der Ostseite des Parks. Diese wird sehr oft unterschätzt und ist beim Normaltouristen völlig unbekannt.
Und weil wir eigentlich erst heute offiziell in den Park fahren gibt es auch erst heute das typische Eingangsbild:

Unser erster Trail sollte der etwas überlaufene Overlook Point Trail sein. Auf nicht einmal 1 Kilometer gelangt man zu einem Punkt über den man den Canyon überblicken kann. Der Trail selbst ist wirklich sehr abwechslungsreich und macht uns Spaß. Nur der ein oder andere (eher einheimische) Tourist könnte weniger sein. Das wahre Problem dabei ist eher einen Parkplatz zu finden. Offiziell gibt es davor vielleicht 20 Parkplätze (ich erinnere an 4 Millionen Besucher im Jahr). Um halb 11 haben wir uns nicht mehr wirklich eine Hoffnung auf einen Parkplatz gemacht – und so war es dann auch. Wir sind aber einfach bis zur nächsten Haltebucht gefahren und die Straße wieder zurückgegangen. Uns hält nichts auf – immerhin ist ein Punkt auf der Liste zu erledigen 😉
Zuerst einmal ein paar Bilder vom Trail selbst:

Besonders ist uns aufgefallen, dass hier sehr viele US Großfamilien unterwegs sind. Sie nutzen das als Familienausflug. Und offensichtlich ist so ein Familienfoto eine typische Tradition hier. Ich glaube wir haben bereits um die 10 Fotos von/für Familien geschossen. Dabei sind vor allem die Väter auf absolute Perfektion aus. Keines der Kinder darf aus der Reihe tanzen und so erleben wir den ein oder anderen Ausraster.
Natürlich gibt es auch hier wieder die irren Teenies die meinen irgendwelche waghalsigen Dinge am Abgrund nur für ein Instagram Foto zu machen. Von einer Frau darauf angesprochen, meinte sie tatsächlich es (ihr Leben!) sei ihr egal … sie wolle das Bild. Nunja … wie auch immer, der Ausblick ist jedenfalls traumhaft. Hier der berühmte Blick vom Canyon Overlook:


Many Pools Trail

Die Hitze macht uns an diesem Tag ganz schön zu schaffen. Es ist schwül und es hat bereits wieder weit über 30°C. Schatten gibt es auch nur sehr selten und Wind geht so gut wie gar nicht.
Wir überlegen daher lange ob wir den zweiten Tagespunkt überhaupt machen sollen, da dieser größtenteils in der Sonne verläuft. Wir packen aber Unmengen an Wasser ein und entscheiden uns es mal zu probieren. Nur wenige Fahrminuten später parken wir also das Auto und wandern los. Die Straßen hier sind übrigens rot, weil Sand aus der Region dazu verwendet wurde. Sieht witzig aus:

Der Trail selbst heißt inoffiziell „Many Pools Trail“. Problem dabei: es hat seit Wochen nicht mehr geregnet und die Pools sind daher fast alle ausgetrocknet und so wird er eher zum „Not many Pools Trail“. Wir finden den Weg aber trotzdem total schön. Es geht in einem Wash hinauf in einen Canyon und es sind wirklich alle paar Meter Senken mit Pools zu finden. In einigen steht sehr abgestandenes Wasser und außer tausenden Kaulquappen will da niemand rein.
Wir können nur jedem empfehlen diesen Trail zu gehen. Im Herbst bei ausreichend Regenfällen ist das sicher ein Traum. Abgesehen von der sehr schönen Landschaft waren wir außerdem komplett alleine. Außer ein paar Vögeln war nichts von dem Touristentrubel um uns herum zu merken. Die Bilder sind auf Grund des Sonnenstandes nicht optimal, vermitteln aber einen guten Eindruck:

Der nächste Stopp auf der roten Straße ist ein Felsen, der aus irgendeinem Grund berühmt geworden ist. Ja klar er sieht seltsam aus, aber wir haben schon so viele dieser gesehen die besser aussehen. Vermutlich liegt es einfach an dem großen Parkplatz für Busse davor. Naja egal wir bleiben auch stehen und machen ein Foto vom Checkerboard Mesa (engl. für Schachbrett-Tafelberg). Er ist einer jener Berge die Touristen aus der ganzen Welt kennen und fotografieren. Wie der Name schon verrät, ist das Besondere dieses 2.033 Meter hohen Berges seine Oberfläche die aussieht wie ein Schachbrett.
Der Checkerboard Mesa besteht aus weißem Navajo-Sandstein der aus Ablagerungen in mehreren Schichten entstand. Die horizontalen Furchen haben sich entlang dieser Schichten gebildet. Die vertikalen Rillen gibt es nur an der Nordseite, da sich hier der Schnee länger hält. Durch das langsame Abschmelzen und erneutes Gefrieren fräst das Wasser diese Rillen in den Stein.

Jetzt machen wir uns aber auf den, vergleichsweise kurzen Weg zum Bryce Canyon National Park.

Auf dem Weg dorthin bleiben wir noch bei einem der wenigen Supermärkte stehen und kaufen unter anderem 30 Liter Wasser. Mal sehen wie lang dieses hält.

Da der Weg nicht sonderlich weit ist, sind wir auch schon bald auf dem Highway 12, von dem wir die nächsten Tage noch sehr viel sehen werden. Es ist nämlich ein Scenic Byway … also quasi eine Aussichtsstraße.

Wenig später passieren wir die Grenze zum Dixie National Forrest. Dieses Gebiet erstreckt sich hier sehr weit und wir werden uns länger darin aufhalten.


Kurzer Stopp im Red Canyon

Da wir noch ein wenig Zeit haben beschließen wir einen kurzen Trail im Red Canyon zu wandern. Die Temperaturen sind hier oben (wir befinden uns mittlerweile auf weit über 2.000 Metern) deutlich angenehmer als im Zion Canyon und deswegen ist der Trail auch gut zu gehen. Ein paar Impressionen davon:


Erste Blicke in den Bryce Canyon National Park

Jetzt aber weiter, weil wir haben heute noch einiges vor. Das Motel für die nächsten beiden Nächte befindet sich in dem Ort “Bryce Canyon City”. Wieso ich das erwähne? Weil es einzigartig in den USA ist. Es handelt sich um die einzige Stadt die von einem Unternehmen geführt wird.
1916 wurde hier eine Lodge gebaut und der Ort nach dem Gründer des “Ruby’s Inn” genannt. Ruby hatte einen guten Riecher, denn kurz danach setzte der Tourismus in der Region ein. 2007 wurde der Ort dann als einziger der USA unter einem kurzlebigen Gesetz „incorporated“ (bei uns würde man wohl “eingemeindet” sagen). Seither ist die Firma gleichzeitig auch offiziell der Betreiber dieses Ortes und stellt bisher auch den Bürgermeister.
Die besondere Lage direkt am Eingang des Bryce Canyon N.P. beschert dem Ort und den dortigen Motels steigende Besucherzahlen. Und tatsächlich hat sich mittlerweile eine bunte Ministadt mit Souvenirgeschäfte, Motels, Restaurants und Supermärkten entwickelt.

Unser Zimmer ist ganz in Ordnung aber schon etwas abgewohnt. Außerdem ist es extrem hellhörig und die Wassertemperatur wechselt zwischen kochend und schockgefrierend. Nunja wir schlafen ja nur hier … und das auch nur für 2 Nächte. Mehr zum Zimmer dann am Ende.

Wir packen kurz unsere Sachen aus und machen uns fertig für unseren letzten Tagespunkt. Dafür holen wir uns bei Subway ein Sandwich und fahren in den Bryce Canyon hinein. Diesen werde ich euch morgen genauer vorstellen (sonst habe ich ja nichts mehr zu erzählen hehe).
Hier warten wir am Sunrise Point den Sonnenuntergang ab. Ja wer hat es bemerkt? Man sieht den Sonnenuntergang tatsächlich am Sunrise Point besser 😉
Hierzu möchte ich gar nicht mehr viel erzählen sondern mich für diesen Tag mit ein paar wundervollen Aufnahmen verabschieden …

Hotelbewertung: Best Western Plus Ruby’s Inn & Hotel

Location: Besser kann ein Motel für den Besuch im Bryce Canyon kaum zu einem vernünftigen Preis. Es sind nur 5 Minuten bis zur Parkgrenze und der optionale Parkshuttle fährt sogar vor dem Motel weg. Diese Lage bezahlt man aber leider auch …

WLAN: Für diese Lage wirklich gut

Preis pro Zimmer/Nacht: EUR 164

Parkplatz: Ausreichend auf dem Hotelgelände verteilt. Jedoch kann es passieren, dass man sehr weit vom Eingang weg parken muss.

Bemerkung: In dieser Gegend gibt es nicht wirklich eine große Auswahl. Wenn man direkt an der Parkgrenze übernachten will, da die nächsten Orte relativ weit weg sind. Bei optimalen Wetter lassen sich somit auch Ausflüge in den Park zur Sternenbeobachtung unternehmen. Das Städtchen hat für einen Spaziertgang von 1h etwas zu bietet. Nur die Essensversorgung lässt ordentlich zu Wünschen übrig. Alle Lebensmittel und Lokale sind völlig überteuert. Etwas außerhalb befindet sich aber ein Subway mit halbwegs vernünftigen Preisen, aber dafür enorm vielen Touristen.

Unsere Bewertung: 6 von 10 Sternen