Nachdem wir eigentlich diese Nacht schon in der Nähe verbracht haben, werden wir heute den Zion National Park besuchen. Mit mehr Besuchern als der Yellowstone NP ist der Zion NP bei den Besucherzahlen auf Platz 5 der USA. Im Jahr 2016 war er Ziel von über 4.2 Millionen Besuchern.
Dabei wird aber nur ein sehr kleiner Teil des Parks wirklich besucht, da der Rest nicht sonderlich gut erschlossen ist. “Zion” ist übrigens hebräisch und bedeutet so viel wie “Zufluchtsort” oder “Heiligtum”. Wie so oft in Utah waren es die mormonischen Siedler, die dem Park seinen heutigen Namen verliehen.

Auch hier waren ursprünglich die Anasazi Indianer sesshaft, von denen wir noch einiges im Verlauf der Reise hören werden. Ihr Verschwinden begründet sich eventuell auf das Eindringen der Ute und Paiute Indianer, aber so genau lässt sich dies nicht mehr sagen.
Für Zweitere hatte/hat der Zion Canyon eine starke religiöse Bedeutung und so ließen sie sich auch von den ersten weißen Siedlern nicht verdrängen. Durch die ihnen unbekannten Krankheiten, Sklaverei und Dürre/Überschwemmungen wurde ihre Anzahl jedoch so stark dezimiert, dass die verbliebenen relativ bald absiedelten.
Jedoch gaben auch die Siedler den Canyon kurz darauf wegen ausbleibender Ernteerträge auf. Bis 1909 war der Canyon dann quasi von Menschen verlassen.
Erst 1930 setzte mit der Errichtung des Mount Carmel Highway langsam der Tourismus ein.

Heute wollen so viele Touristen den Zion besuchen, dass die Massen im Sommer nur mit einem Shuttlesystem bewältigt werden können. Die einzige Straße im Canyon ist dann für alle privaten Fahrzeuge gesperrt.

Aber für heute haben wir sowieso einen privaten Shuttleservice gebucht, der um 6:15 AM weg fährt. Um 6 AM sollen wir am Treffpunkt sein und so beginnt der Tag seeeeeehr zeitig. Aber diese völlige Stille in Springdale ist herrliches. Wobei so ganz ruhig ist es um diese Uhrzeit auch nicht mehr. Hier stehen die Leute schon extrem zeitig auf und um 6 Uhr sind schon genügend auf den Straßen unterwegs um zu ihren Wanderungen aufzubrechen. Wir mitten drin 😉

In einem Van/Bus brausen wir los.

Die Fahrerin gibt ordentlich Gas und jagt das Auto nur so über die Serpentinen und später über die Dirtroads. Nach gut einer Stunde Fahrt sind wir dann angekommen und werden quasi mitten im Nirgendwo aus dem Auto geworfen. Ein bisschen erinnert die Gegend an unsere Aktion in Sugar Pine letztes Jahr (wer ihn nicht kennt: unbedingt den Reisebericht dazu lesen).
Von dort aus ging es durch einen Wald in Richtung Observation Point. Der große Vorteil durch das Shuttle ist nun aber, dass wir nicht mehr sehr viele Höhenmeter überwinden müssen.

Leider war der Trail nicht so gut beschildert bzw. eingetrampelt wie wir uns das vorgestellt hatten. So mussten wir nach einer GPS Wanderkarte gehen. Nach einer Weile wich der erkennbare Weg aber deutlich von der Wanderkarte ab und wir gingen ganze 3x zurück, bis wir drauf vertrauten, dass die Karte falsch ist. Und so war es dann auch. Bis dahin haben wir aber viele extra Höhenmeter und Kilometer zurückgelegt. Diese „extra Meile“ werden wir noch öfters im Urlaub wiederholen 😉 Somit waren wir auch nicht mehr die ersten am Observation Point, aber immer noch deutlich die fittesten :p
Die Aussicht von hier oben am „Observation Point“ ist einmalig und fast weltbekannt. Man blickt in das Tal hinab wo sich die Touristenmassen befinden. Direkt vor uns erkennt man einen Bergkamm. Hier befindet sich Angels Landing. Man geht hier auf dem Bergrücken bis zur Spitze. Das ist einer der gefährlichsten Trails der Welt. Und obwohl ich der Meinung bin, dass wir uns diesen zutrauen mache ich mir ein wenig Sorgen um die anderen Mitkletterer. Diese sind immer wieder nur in FlipFlops auf dem völlig überfüllten Berg unterwegs. Diese Gesellschaft möchte ich auf so einem Trail nicht haben und so entschieden wir diesen Trail auszulassen.

Am Observation Point gibt es auch einige meiner Lieblingstiere – Chipmunks (Streifenhörnchen). Diese sind hier relativ zutraulich und so gelang es mir auch für ein Foto sehr nahe heran zu kommen. Leider kniete ich mich dabei in einen dieser fiesen Kakteen mit vielen kleinen feinen Nadeln die jetzt noch in meinem Knie und meiner Hose stecken … autsch.

Der 5,6 Kilometer lange Abstieg hatte es dann ordentlich in sich. Jetzt wird mir auch klar wieso hier verhältnismäßig wenige Leute rauf kommen. Und alle von denen sind ausnahmslos fit. Der Abstieg bei 37°C in der prallen Sonne ist mörderisch. Zum Glück gibt es dann aber doch immer wieder schattige Stellen die zum Ausruhen einladen. Wir haben auf diesem Trail sowohl das Frühstück als auch das Mittagessen gegessen. Das sagt wohl einiges …


Auf dem Weg liegen dann aber teilweise interessante Slot Canyons die man durchwandern muss. Hier ein paar Impressionen des Weges:

Der restliche Park machte uns dann nicht mehr wirklich Spaß. Die wenigen Trails die schnelle begangen werden können, sind völlig überlaufen und wir sind auch mit unseren Kräften bei dieser Hitze am Ende. Immerhin ist es nun fast 14 Uhr und wir sind damit seit gut 7 Stunden unterwegs.

Wir machen uns also auf den Weg ins Hotel, was dank dem Shuttlebetrieb im Zion auch schnell geht. Nach einem Kaffee und einer Stunde durchschnaufen im klimatisierten Zimmer sind wir wieder halbwegs fit und wollen einen Park ansteuern auf den ich mich seit Wochen besonders freue.

Aber zuerst gibt es das angeblich beste Eis der USA in der Springdale Candy Company. Und ja das Eis ist wirklich gut. Aber so ein Eis bekommt man bei uns wirklich überall wenn man weiß wonach man sucht. Ich will es aber nicht schlecht reden: es war extrem gut und ich würde es jedem weiterempfehlen der in der Gegend ist.

In unserer Planung war dieser Park erst für morgen Mittag geplant gewesen. Aber eigentlich lässt das Licht nur einen Besuch in den späten Nachmittagsstunden zu und wenn es geht, dann sollten auch noch Wölkchen am Himmel sein.
Na bitte … es ist 15 Uhr und Wolken am Himmel. Perfekte Bedingungen also um in den Coral Pink Sand Dunes State Park zu fahren. Ja der Name ist ein bisschen sperrig. Er zählt zu den kleineren seiner Art. Der Park entstand durch einen interessanten physikalischen Effekt. Eine Einkerbung in den Bergen erhöht die Windgeschwindigkeiten dermaßen (Venturi-Effekt), dass zermahlener Navajo-Sandstein mitgerissen wird. Im Tal hat die Luft mehr Platz und so verringert sich die Windgeschwindigkeit wieder und der Sand wird hier abgelagert.
Leider hat der Park auch einen Nachteil, denn der Großteil davon ist für Quads freigegeben und zählt damit eher zu den Vergnügungsparks.

Nach einer Stunde Fahrt über traumhafte USA Highways – also menschenleer und schnurgerade – kommen wir dort an und sind beinahe alleine. Nur zwei Quads stören zwischenzeitlich die Ruhe.

Und was soll ich euch sagen … es ist ein einziger Traum. Es ist so wundervoll hier, dass wir die Müdigkeit völlig vergessen. Die tiefstehende Sonne taucht die Sanddünen in ein traumhaftes Licht. Überall gibt es Schatten zu entdecken. Ich könnte hier Stunden verbringen. Auch hier lasse ich euch kommentarlos Bilder da. Bitte schaut sie euch alle an. Sie sind es wert 😉

Leider ging so sehr der Wind, dass ich mir um meine Kamera Sorgen machte. Der feine Sand gelang leider überall hinein. Aber was tut man nicht alles für gute Fotos. Die Ausrüstung ist ja zum Verwenden da und nicht zum Ansehen 😉

Bevor wir wieder begleitet von den letzten Sonnenstrahlen den Rückweg über den Highway antreten essen wir noch unsere Lunchables auf einer Düne. Ich sage es nochmal: Abendessen, Sonnenuntergang, 23°C auf einer Düne! Also viel besser geht es einfach nicht mehr …

Im Hotel angekommen schreibe ich dann noch ein bisschen am Blog, während Katrin schon lange schläft.
Ich stehe morgen alleine um halb 6 auf um den Sonnenaufgang ein letztes Mal im Zion zu sehen. Jaja ein guter Fotograf muss für seine Bilder eben leiden. Und ich kann so viel sagen: es hat sich gelohnt – mehr dazu morgen.

Stay tuned … und gute Nacht!