In Vegas hält uns jetzt nicht mehr viel. Wir laufen nach dem Aufstehen und Koffer verstauen noch schnell ins Hilton Hotel auf der anderen Straßenseite, weil es dort einen Starbucks gibt. Ich bin immer wieder begeistert wie viel man für Kaffee verlangen kann. Wer glaubt Starbucks ist teuer, der war noch in keinem in Las Vegas. Das Doppelte zahlt man schnell einmal … man findet aber auch noch teurere wenn man sich bemüht. Dieser hier war einer davon 🙁
Das Tolle an einem Roadtrip ist für uns unter anderem das Essen im Auto. Durch die Automatik und die geraden Straßen hat man immer eine Hand frei und so wird auch heute das Frühstück zeiteffizient unterwegs gegessen 😉 Der Kaffee braucht bei mir gleich mal 30 Minuten um überhaupt auf eine trinkbare Temperatur zu kommen … zum Kopfschütteln.

Aber halt … wo geht es eigentlich hin fragt ihr euch? Gute Frage weil ich habe es ja gar nicht erwähnt. Unsere Tagesetappe wird so aussehen:

Unseren ersten Stopp haben wir aber spontan eingeplant. Weil wir unseren Nationalpark Pass (ein Pass mit dem man in alle Nationalparks der USA ein Jahr lang rein kann) schon morgen früh im Zion brauchen, dort aber so zeitig noch niemand ist der ihn uns verkauft müssen wir den Pass wo anders besorgen. Wieso wir diesen morgen so zeitig brauchen werdet ihr im morgigen Beitrag erfahren.
Normalerweise kauft man diesen Pass ganz einfach bei der Einfahrt zum ersten Nationalpark auf der Reise. Das geht aber bei uns nicht, da der Park weder heute Abend noch – wie gesagt – morgen früh offen hat. Es gibt nicht wirklich viele andere Möglichkeiten diesen zu kaufen, aber wir haben Glück. In Las Vegas gibt es einen Stützpunkt des BLM (die Landverwaltung in den USA).
Somit fahren wir dort hin und haben auch innerhalb von wenigen Minuten unseren Pass. Vor uns war übrigens ein Mann der seelenruhig ein Feuer melden will. Aber irgendwie scheint kein Zuständiger dafür da zu sein. Naja so unterschiedlich sind die Gewohnheiten. Dann muss er wohl sein Feuer selbst löschen.

Nach diesem Zwischenstopp geht es aber direkt auf die Interstate Richtung Norden – Richtung Utah. Nachdem wir 2016 eine kurze Pause in Utah eingelegt haben, sind wir nun zurück im “Beehive State”. Nur dass wir uns diesmal den größten Teil unserer Reise im Staat der roten Felsen aufhalten werden.
Wie viele haben sich nun gefragt was das “Beehive State” soll? Keiner vermutlich :p Ich erkläre es trotzdem, möchte meinen Geographieexkurs aber gerne weiter vorne beginnen. Es war einmal der Urknall … nein Quatsch 😀

Die ersten Weißen die Utah besiedelten, landeten im Gebiet des heutigen Salt Lake City – die Hauptstadt von Utah. Es war der Mormonenführer Brigham Young mit seinen Getreuen. Nach einer unfassbaren Reise im Jahr 1847 soll er vor dem großen Salzsee gestanden sein und den hier berühmten Satz “This is the Place!” gerufen haben.
Nur ein Jahr später wurde von ihm persönlich der Staat “State of Deseret” (Name aus dem Buch der Mormonen) ausgerufen, wobei dieser noch zu Mexiko gehörte. Nach mehreren Auseinandersetzungen wurde das damalige Staatsgebiet zerschlagen und das heutige Utah entstand um 1868. Erst viele Jahre später, nämlich 1896 wurde er als 45. Staat vollständiges Mitglied der USA. Wer errät wieso es nicht früher geklappt hat? Unglaublich aber wahr: die Mormonen wollte ihre Polygamie nicht aufgeben.
Was war nun mit dem Beehive? Da bin ich wohl ein bisschen abgedriftet … sorry . Die Mormonen gaben dem Staat den Beiname Beehive (eng. Bienenkorb) als Symbol des Fleißes.
Fun Fact: Utah war der erste Bundesstaat der offiziell eine Waffe als Symbol hatte (Colt M1911). Was sagt uns das? Na egal 😉

Heute ist Utah eher für seine ungeheure Dichte an Nationalparks bekannt. Auf einer verhältnismäßig kleinen Strecke können viele dieser Naturwunder besucht werden. Außerdem ist der Staat Drehort vieler bekannter Filme. Sowohl auf die Parks, als auch auf die Filme werde ich aber zurückkommen wenn es so weit ist.


Snow Canyon State Park

Unser erster Anfahrtspunkt ist jedoch kein National Park, sondern der Snow Canyon State Park.

Dieser wird wie der Name schon sagt, nicht vom Staat sondern vom Bundesstaat verwaltet (wie z.B. auch der sehr bekannte Valley of Fire S.P. in dem wir letztes Jahr waren).
Benannt wurde dieser wie so oft, nach den ersten weißen Einwohnern, Lorenzo und Erastus Snow. Und ebenfalls wie so oft in diesem Gebiet waren auch diese Mormonen auf der Suche nach neuem Land. Der Park hat also nichts mit Schnee zu tun, obwohl es dort sehr wohl weiße Felsen gibt die darauf hindeuten würden.

Die Fahrt von Las Vegas zum Park verläuft sehr ereignislos. Diese Strecke wird die einzige sein, die wir auch schon 2016 gefahren sind. Vor dem State Park wird es dann seltsam. Alles hier wirklich wie in einer absoluten Luxusgegend. Hier scheinen die schönen und reichen Urlaub in sehr schönen Ferienanlagen zu machen. Sogar die Straßen sind hier bedeutend sauberer und moderner. Es ist jedoch auch so wenig los, dass hier vor Tieren auf der Straße gewarnt wird. Diese sind durch die Autofahrer besonders in den Morgenstunden bedroht, da sie sich auf dem Asphalt aufwärmen.

Das Besondere an diesem Park ist neben seiner relativen Unbekanntheit, die Vielfalt die man hier vorfindet. Der Canyon selbst erstreckt sich durch weißen und roten Navajo Sandstein, was für sich alleine schon ein tolles Farbenspiel ist. Mehr noch war diese Gegend früher vulkanisch sehr aktiv. Dementsprechend gibt es hier kleine ausgekühlte Vulkankrater und natürlich Lavatubes (Röhren durch die früher Lava geflossen ist). Gemeinsam mit dem Grün der Pflanzen und dem Blau des Himmels ergeben sich dadurch auf kleinster Fläche 5 verschiedene Farben. Ein Traum für jeden Fotografen.

Eigentlich wollte ich hier gleich einen Trail zu einem Overlook Point laufen. Aber diesen streichen wir besser auf Grund der Temperaturen, die bereits jetzt 36°C betragen. Der Trail würde ohne jeglichen Schatten verlaufen und gute 2-3h dauern. Man wird ja erwachsen 😉
Aber zumindest einen kleinen Trail müssen wir laufen und dieser sollte sich als absoluter Glücksgriff herausstellen. Der White Rock Trail ist nämlich eher unbekannt, was ich nicht verstehen kann. Er liegt eigentlich fast schon wieder außerhalb des Parks und verläuft direkt in ein Gebiet von schneeweißen Felsen und dazu hat man auch noch ein bisschen eine Aussicht auf den Snow Canyon. Leider lässt die sehr helle Sonne keine wirklich guten Bilder zu. Dort herum zu klettern ist aber ein wirklich tolles Erlebnis, da sich außer uns keine Menschenseele hier befindet.

(klicken zum Vergrößern)

Ich habe ja bereits erwähnt, dass es hier früher vulkanische Aktivität gab. Dadurch gab es in dem gesamten Gebiet vor ca. 27.000 Jahren Austritte von Lavaströmen. Das ist recht jung und daher sind die Lavasteine noch nicht verwittert oder überwachsen und können untersucht werden.
Ein wahnsinnig toller Trail der wirklich sehr abwechslungsreich ist. So eine Landschaft ist man hier bei uns ja doch nicht wirklich gewöhnt. Leider lässt es die Zeit nicht zu, dass wir den Trail noch weiter laufen.

Als wir dann irgendwann in der Mitte des Trails anfangen Stimmen aus dem Boden zu hören beschließen wir ins nächste Krankenhaus zu fahren – offenbar haben wir zu wenig getrunken. Nein Unsinn 😀 … also doch. Die Stimmen gab es. Aber uns geht es gut. Es gibt hier in dem Park sogenannte „Lava Tubes“. Das sind Lavaröhren in denen früher Lava floss. Irgendwann stoppte dieser Fluss jedoch und zurück blieben Gänge und Höhlen. Diese können heute begannen werden, was wir uns aber erspart haben. Erstens hatten wir dafür leider keine Zeit, zweitens haben wir unsere Stirnlampen im Koffer (sehr klug …) und drittens werden wir in diesem Urlaub noch bedeutend beeindruckendere Lavatubes sehen und begehen.

Leider ist mir das Bild nicht wirklich gelungen, da es einfach viel zu hell war. Aber man kann erkennen worum es geht:

Weiter geht es nach einer kurzen Pause zu den Petrified Sand Dunes (versteinerte Sanddünen). Diese ragen wie gewaltige große rote Gebilde mitten im Park in den Himmel. Man kann auf diesen völlig ungehindert herumklettern. Nach einem Regen bilden sich hier viele Pools, auf die wir leider verzichten müssen (36°C und so …). Aber auch der Ausblick ist fantastisch und eigentlich wollte ich hier noch mehr Zeit verbringen und mich so richtig beim Klettern austoben. Geht aber nicht weil wir weiter müssen.

Da wir bis 20 Uhr in Springdale (Zion) sein müssen, bleibt uns nur noch Zeit für zwei sehr kurze Trails. Wieso wir so schnell weiter müssen werden wir noch aufklären.
Zuerst gibt es wieder einmal Sanddünen für mich. Wer mich kennt weiß, dass ich diese liebe. Hier im Snow Canyon gibt es nur ein recht kleines Gebiet aber es ist wirklich gut zu begehen.

Letzte Station für heute: Jenny’s Canyon. Dieser sehr kleine Slotcanyon ist innerhalb von 10 Minuten Fußweg erreichbar und nach einer früheren Parkmitarbeiterin benannt. Sie hat sich von diesem Ort inspirieren lassen.
Wirklich viel zu sehen gibt es nicht, aber der Aufwand ihn zu erreichen ist so gering, dass ich es unbedingt jedem empfehlen muss. Außerdem ist es darin deutlich kühler 😉

  

Achja und ist es nicht schön unser Auto? Ein Traum …

So nächster Halt: Essen! Und weil es diesen auf unserer Reise dann nicht mehr gibt, kehren wir beim In’n’Out Burger ein. Diesmal kennen wir uns schon aus und wollen daher auch das „geheime“ Menü ausprobiere. Ja es gibt einige Dinge die nur im Internet stehen und sonst auf keiner Karte. Muss man also wissen.
Die Pommes Animal Style (mit Käse, Speck und Zwiebel überbacken) sind aber absolut nichts für uns und die Burger waren auch schon mal besser. Passt absolut nicht zu dieser Filiale in St. George von der man eigentlich nur Gutes hört. Aber egal satt sind wir …


Auf nach Springedale …

Jetzt geht es aber endlich weiter nach Springdale, ein kleiner Ort direkt vor dem Zion Canyon National Park gelegen.
Bevor der Tag zu Ende geht muss ich noch aufklären was es mit 20 Uhr auf sich hat. Wir wollen morgen sehr zeitig in der Früh am Observation Point sein. Einerseits weil es sehr heiß werden soll und die Wanderung dorthin extrem mühsam ist und andererseits wollen wir den Touristenmassen entgehen. Im Sommer fahren im Zion aber nur Shuttlebusse (eigenen Autos sind nicht erlaubt) und diese erst ab 7 Uhr. Viel zu spät bei diesen Temperaturen und einer geschätzten Aufstiegsdauer von 2-3 Stunden.

Somit hatte ich die Idee, dass wir uns mit einem Shuttle eines Anbieters hier im Ort an einen Trailhead bringen lassen von dem aus wir schneller am Observation Point sind. Da das Shuttle aber schon um 6:15 AM wegfährt, müssen wir es heute noch buchen. Und dieses Unternehmen ist nur noch bis 20 Uhr da. Und den Nationalpark Pass müssen wir morgen früh vorzeigen. Daher mussten wir diesen bereits kaufen. So einfach ist das. Ich wette viele von euch haben sich nun was Interessanteres gewünscht. Naja gibt’s aber nicht :p

Unser Hotel ist eine wirklich sehr schöne Anlage und das Einchecken funktioniert wieder ohne Probleme. Wir bekommen ein Zimmer ganz vorne neben der Straße. Das beunruhigt uns zuerst ein bisschen, aber in der Nacht haben wir davon nichts mitbekommen. Springdale ist dann wie ausgestorben.

Leider wird es jetzt aber nichts mit Ausruhen, denn ich mache mich noch auf die Suche nach Superkleber. Wieso?
Wie geschrieben, war es im Snow Canyon SP extrem heiß. So heiß, dass sich der Kleber meiner Wanderschuhe ganz einfach verabschiedet hat (oder besser gesagt er ist weich geworden). Jetzt hatte ich vorne an der Sohle ein großes Loch in dem sich wie lustig Sand sammelte. Würde besonders lustig werden, wenn ich damit ins Wasser steigen muss.

Jetzt war guter Rat teuer. Ich hatte einige Möglichkeiten. Zur Auswahl steht: nichts tun, neue Schuhe kaufen oder versuchen die alten zu kleben. Ersteres vermiest mir die Laune und kommt nicht in Frage. Zweiteres eigentlich auch nicht, denn ich habe schon in Österreich kaum Wanderschuhe gefunden die mir wirklich passen. Wie sollte ich das dann hier innerhalb von 30 Minuten? Und dann auch noch nicht eingegangene Schuhe für den bevorstehenden Trail? Never!
Somit bleibt nur Option 3: reparieren. Also auf in den hiesigen General Store und nach Superkleber gesucht. Hier greife ich gleich mal zur Marke – Loctite 😉 Jetzt ist nicht die Zeit zum Sparen!
$2,75 ärmer verlasse ich den Store und gehe in eine kleine Tiefgarage wo unser Auto parkt und sehe … dass es läuft?! Ok dazu muss man jetzt wissen, dass man unser Auto aus der Ferne starten kann. Ja das ist cool! Und nein das ist nicht umweltfreundlich. So kann es aber nicht gewesen sein, weil das Auto würde dann „remote start“ anzeigen. Es hat sich einfach so gestartet. Das ist verrückt und ein wenig beunruhigend. Es wird in den kommenden Tagen noch ein paar Mal vorkommen, aber wir bemerken es immer. Bis zum Schluss haben wir nicht herausgefunden wieso das passiert.

Achja der Superkleber: Eine gute halbe Stunde war ich damit beschäftigt die Stelle irgendwie zu reinigen und Kleber aufzutragen. Bei einem Schuh musste ich das ganze sogar mit Klettband (man muss dazu mal was finden) fixieren damit es hält. Ich kann schon einmal so viel verraten: unzählige Kilometer in Wasser, Salz, Sand, Erde, Wald, Schotter, … später halten die Schuhe immer noch. Sie stehen auch immer noch zuhause im Kasten, aber mittlerweile sind sie alles andere als Dicht und werden wohl bald ihren Weg in die Tonne finden.

Jetzt fallen wir beide aber wie Steine ins Bett. Morgen müssen wir ja zu einer unmenschlichen Zeit aufstehen … gute Nacht.

Hotelbewertung: La Quinta Inn & Suites at Zion Park/Springdale

Location: Die Lage mitten in Springedale ist für einen Besuch im Zion National Park sehr gut. Das Hotel liegt direkt im Dorfzentrum und einige Geschäfte sind sogar zu Fuß zu erreichen. Vor dem Hotel ist direkt eine Busstation, mit dem man direkt zum Eingang vom Nationalpark kommt.

WLAN: Gutes WLAN

Preis pro Zimmer/Nacht: EUR 207

Parkplatz: Am Gelände gibt es genügend Parkplätze. Direkt vor dem eigenen Zimmer einen zu bekommen ist aber eher Glückssache.

Bemerkung: Egal welches Hotel – in Springdale muss man sehr zeitig reservieren. Die guten Hotels sind bereits Monate vorher ausgebucht.
Das Frühstücksbuffet gehörte zu einen der besten. Es war sehr umfangreich und es wurden sogar frische Waffeln zubereitet. Die Zimmer sind verhältnismäßig groß und sehr sauber. Die Anlage ist generell sehr schön und sauber gestaltet und erinnert schon fast an eine Ferienanlage. Hier könnte man es auch länger aushalten.

Unsere Bewertung: 7 von 10 Sternen (Abzug vor allem auf Grund des Preises)