Heute bricht tatsächlich schon der 21. und damit letzte Tag unserer USA Reise 2018 an. Morgen geht es zeitig in der Früh über Toronto zurück nach Wien. Das stimmt uns zwar ein wenig traurig, aber wir haben ja noch einen ganzen Tag zur Verfügung. Diesen beginnen wir aber ein wenig später als sonst und wollen noch im Hotel Frühstück essen. Dieses ist leider unter dem Durchschnitt. Es gibt zwar einiges, aber nichts davon kann uns so wirklich überzeugen. Abgesehen davon ist der Frühstücksraum viel zu klein für so viele Gäste. Wenn man dann mal für das Frühstück 15 Minuten anstehen muss ist das zu viel.
Koffer packen müssen wir ja heute nicht, also geht es direkt los in die Stadt. Wir fragten eigentlich an der Rezeption ob es in der Innenstadt genügend kostenlose Parkplätze gibt. Uns wurde gesagt, dass das kein Problem sein. Nunja … ist es doch. Es gibt eigentlich so gut wie keine kostenlosen Parkplätze. Alles ist eigentlich Kurzparkzone. Mit ein wenig Suchen gelingt es uns aber beim Capitol einen der extrem wenigen Gratisparkplätze zu finden. Generell würde es in Salt Lake City aber auch einige wenige öffentliche Verkehrsmittel geben.

Die Stadt hat nicht unbedingt viele Sehenswürdigkeiten. Man muss ihr aber auch zu Gute halten, dass sie mit 186.000 Einwohnern nicht unbedingt groß ist 😉
Eine dieser wenigen ist der “Temple Square”. Auf einem vier Hektar großen Grundstück, das mit einer 2 Meter hohen Mauer umgeben ist, befindet sich neben dem zentralen Tempel der Mormonen noch der Kongress sowie Verwaltungsgebäude dieser. Man kann sich das Ganze so in etwa wie den Vatikan der Katholiken vorstellen.
Unglaubliche 3 bis 5 Millionen Menschen kommen jedes Jahr hierher um den Temple Square zu besuchen. Damit ist er nicht nur die beliebteste Touristenattraktion in Utah sondern auch beliebter als der Yellowstone National Park (!).


Utah State Capitol

Bevor wir uns aber den Mormonen zuwenden, schauen wir uns noch die zweite große Sehenswürdigkeit in Salt Lake City an. Auf einem Hügel – dem Capitol Hill – kann man vom Capitol des Bundesstaates Utah Salt Lake City überblicken.

Dieser neoklassizistische Bau mit 5 Stockwerken beeindruckt sogar uns als Europäer. Unglaublich was sich Utah hier geleistet hat. Das Gebäude sieht aus als hätte es schon mindestens einige Jahrhunderte auf dem Buckel. In Wirklichkeit wurde es aber erst 1916 fertig gestellt und bereits 2008 generalsaniert.

Auch interessant, was hier aus den Stoppschildern gemacht wird 😉

Davor war dieses kleine Gebäude der Amtssitz der Regierung, das immer noch gegenüber des Capitols steht.

Auch der Innenbereich ist sehr beeindruckt und sehr touristenfreundlich eingerichtet. Man merkt richtig, dass man hier mit der Bevölkerung verbunden sein will. Es gibt noch nicht einmal irgendeine Sicherheitskontrolle, was wir aus den USA wirklich nicht gewohnt sind. Ich lasse davon mal ein paar Bilder sprechen:

Es gibt sogar einen Raum der eigens zum Empfang hochrangiger Persönlichkeiten gebaut wurde. Dabei orientierte man sich am Stil der Königshäuser in Europa. Diese wurden hier auch schon empfangen, genauso wie Präsidenten der USA. Der Raum hat somit einzig und alleine die Aufgabe „anzugeben“. Er passt absolut nicht in die sonst so geradlinige und beinahe kühle Architektur des Gebäudes. Schon irgendwie lustig …

Abgesehen davon sind die Leute hier wirklich verdächtig nett. Und dabei hat das hier glauben wir nur begrenzt mit der Religion der Mormonen zu tun. Aber wir versuchen sogar in einen Sitzungssaal rein zu schauen und werden dabei von einer Politikerin überrascht. Sie finde das aber sehr witzig und wünscht uns ganz freundlich einen schönen Tag – reinschauen dürfen wir aber nicht 😉 Auch alle anderen grüßen hier. Das ist man zwar in den USA sowieso gewohnt, hier ist es aber noch viel deutlicher.

Viel länger als eigentlich geplant halten wir uns hier auf. Es ist irgendwie faszinierend durch dieses Gebäude zu gehen. Es hat sehr viel von den Wiener Regierungsgebäuden.

Dann haben wir aber doch langsam alles gesehen und gehen ein paar Meter weiter zum „Pioneer Memorial Museum“. Diese haben es aber in sich, denn die Straßen hier können teilweise mit San Francisco mithalten:

Hier sind wir uns wegen der Aufmachung des Museums nicht mehr ganz sicher ob es wirklich kostenlos ist. Wir werden aber quasi hereingebeten und es ist wirklich völlig gratis. Auf mehreren Stockwerken (und mit einem Verbindungsgang zum „Carriage House“) werden Fundstücke und Gegenstände aus der Zeit der ersten Pioniere ausgestellt. Man merkt richtig die Liebe zum Detail. Fotografieren ist darin aber nicht erwünscht und es wäre auch zu dunkel dafür. Daher muss euch die Erzählung davon genügen.

Ich persönlich fand es wirklich nett und jeder der in SLC ist sollte dort mal drin gewesen sein. Teilweise werden dann aber immer gleiche Dinge ausgestellt, die einfach keinen wirklichen historischen Nutzen haben. Es gibt beispielsweise nicht eine bedeutende Puppe, sondern gleich 100 davon. Nicht einen Löffel einer wichtigen Person, sondern 500. Das ist einfach zu viel und wird irgendwann uninteressant. Ein Museum sollte halt schon den historischen Nutzen bewerten und dem Besucher näherbringen und nicht alles einfach in Glasvitrinen verstauen.

Wir spenden aber natürlich etwas und machen uns jetzt auf zum Regierungsviertel und Hauptstadt der Mormonen, die einige Straßenblöcke in SLC einnimmt.
Mittlerweile ist die Hitze schon unerträglich. Es hat 36°C und die Luftfeuchtigkeit ist auf Grund der Gewitter gestern Abend extrem hoch. Es herrschen also tropische Zustände. Nicht optimal für eine Stadtbesichtigung.

Trotzdem müssen wir vorher noch etwas essen. Und da bietet sich ein Test einer neuen Burgerkette an, die wohl hauptsächlich hier in Salt Lake City vertreten ist.
Wir betreten die Filiale von „Crown Burger“ die so gar nicht aussieht wie die typischen Burgerläden in den USA. Keine auffällige Reklame vor der Tür und auch sonst hat man irgendwie versucht das ganze wie eine „Burg“ wirken zu lassen.

Im Inneren findet sich vom Anzugträger, über Pensionisten (Rentner) bis zum Bauarbeiter von nebenan wirklich jeder.
Die Burger sind aber nicht so wirklich der Hit. Zwar sind sie auf sehr hohem Niveau, aber wir kennen mittlerweile einfach zu viele die einfach besser sind.


Temple Square

Jetzt aber endlich zu den Mormonen, die sich eigentlich in mehrere Kirchen aufteilen. Wenn man von Mormonen spricht meint man aber zumeist die mit 15 Millionen Mitgliedern größte Kirche der „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ (eng.: The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints). Neben der Bibel beruft sich die Religion auf das Buch „Mormon“, dass der Überlieferung nach der Prophet Joseph Smith, jr. fand und übersetzte. Es gibt jedoch noch viele weitere Lehren die ebenfalls Grundlage der Religion sind.
Dabei stellt das Buch „Mormon“ quasi die Fortsetzung der Bibel dar, in der es um die Besiedelung Amerikas geht.

Ihr erinnert euch noch an den gestrigen Blogbeitrag, in dem ich erklärt habe wie diese Stadt gegründet wurde? Jedenfalls suchte der Anführer der Mormonen – Brigham Young – eines Tages einen Ort im Wüstenboden und sagte “Hier werden wir einen Tempel für unseren Gott bauen.”. Es sollte aber exakt 40 Jahre Bauzeit brauchen bis der Tempel fertig gestellt wurde. Grund dafür war vor allem die Verfolgung der Mormonen in dieser Zeit, die den Bau völlig stillgelegt hatten. Außerdem kam ihnen der Bau der Eisenbahn (der vielen im Anschluss aber erst ermöglichte), sowie Dürre und Hungersnöte dazwischen.
In dieser Zeit entstand jedoch mit einer Höhe von 64 Metern und einer Grundfläche von 23.500m² der beeindruckendste und größte Tempel der “Tempel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage”, wie sich die Mormonen eigentlich nennen.

Wir suchen erst einmal einen Eingang in der schon erwähnten 2 Meter hohen Mauer die den gesamten Block umkreist:

Aus religiösen Gründen ist der Zutritt zum Tempel (wie zu allen Tempeln dieser Kirche) nur Mitgliedern gestattet die ein Empfehlungsschreiben ihres Bischofs mitbringen. Es ist also quasi eine Ehre diesen betreten zu dürfen. Damit ist er natürlich für uns absolut tabu.
Leider ist der Tempel so gut in die Stadt integriert und so groß, dass Bilder davon wirklich schwer zu machen sind.

Aber irgendwie sehen wir den Tempel doch noch von innen. In einem Visitorcenter gibt es nämlich ein Modell vom Innenbereich des Tempels. Und jetzt wird es euch genauso überraschen wie uns:

Ja der Tempel ist kein Tempel in dem Sinn wie wir es kennen. Es gibt keinen großen Raum für Gottesdienste. Mehr ist es einfach ein Verwaltungsgebäude mit sehr vielen Räumen die unterschiedlichen Zwecken dienen.
Ein Beispiel ist dieser blau beleuchtete Raum:

Ja richtig – wenn man genau hinsieht erkennt man Kühe. Keine Sorge die sind nicht echt. Es handelt sich dabei um ein Taufbecken, dass auf 12 Kühen (die die zwölf Stämme in Jerusalem repräsentieren) ruht.
Weiters gibt es einen Raum für Hochzeiten und so weiter. Eine Besichtigung wäre wirklich nett gewesen, aber man muss das natürlich respektieren.

Jetzt spule ich ein bisschen zurück. Den ersten Kontakt mit den Mormonen hatten wir nämlich im Visitorcenter von dem es gleich zwei gibt. Kurz nach dem Betreten werden wir schon angesprochen. Klar … es ist ja nicht so ganz sicher ob wir nun quasi Pilger oder nur Touristen sind.

Irgendwie muss ich die Stimmung jetzt mal allgemeiner beschreiben, weil das so verwirrend war. Es laufen hier hunderte Guides der Kirche herum. Insgesamt sprechen diese weit über 100 Sprachen, die auf Namensschildern ausgewiesen sind. So soll sichergestellt werden, dass Zitat „jedem Besucher in seiner Heimatsprache die Religion näher gebracht wird“. In jedem Gebäude (außer dem Tempel) gibt es Führungen. Man muss gar nicht lange warten und wird sofort darauf angesprochen.
Das Ganze klingt zwar wirklich nett, hat aber auch etwas Eigenartiges. Es ist ein wahrer Kult der hier veranstaltet wird. Außerdem sind die Führer ausschließlich Frauen, die alle denselben Kleidungsstil tragen. Selbst die Gärtner, Reinigungskräfte, etc. tragen alle eine Uniform. Es wird also insgesamt in allen Bereichen sehr auf die Außendarstellung geachtet. Auf uns wirkt das beinahe surreal.

Wir verneinen also eine Konvertierung und begeben uns in eine … ja ich habe keine Ahnung was das war. Ein Raum in dem eine gigantische Christusstatue (4-5 Meter hoch) steht. Dazu spielt wirklich kitschige Musik und es stehen Bänke davor.

Ok das ist an sich noch nicht so wild. Das hier scheint aber eine Pilgerstätte für gläubige Mormonen zu sein. Denn ständig lassen sich diese mit der Statue ablichten und sitzen dann bedächtig davor. Bevor wir wieder angesprochen werden oder hier jemanden mit unserer Anwesenheit belästigen gehen wir lieber.

Neben dem Tempel ist das auffälligste Gebäude sicher der „Tabanacle“. Ein extrem großes Haus mit einer Metallkuppel. In ihm findet 2x jährlich die Generalversammlung statt. Dazwischen steht das Gebäude auf seiner großartigen Akustik für Konzerte zur Verfügung.

Beeindruckend an dem Gebäude ist jedoch seine Akustik, die uns demonstriert wird. Selbst in 50 Metern Entfernung hören wir wie eine Nadel (!) am Rednerpult runter fällt. Das klingt wie durch ein Mikrofon verstärkt – ist es aber nicht.
Die Guides erklären aber auch, dass sich die Erbauer nicht sicher waren ob so ein Gebäude möglich ist. Sie haben einfach mal angefangen zu bauen. Ab da wird es wieder seltsam: sie waren sich nämlich sicher es zu schaffen, weil sie es ja für Gott tun.
Nunja … jedenfalls funktionierte das Ganze bei der Fertigstellung mal so gar nicht. Der Schall wurde dermaßen verstärkt, dass man nichts mehr verstehen konnte. Man baute dann noch eine Tribüne ein, die etwas des Schalls schluckte. Damit entstand erst die Akustik die man heute vorfindet.

Direkt daneben steht noch die „Assembly Hall“, in heutzutage ebenfalls für Konzerte verwendet wird, weil sie für Versammlungen zu klein geworden ist.

Bei dem folgenden Gebäude handelt es sich um das „Church Office Building“ in dem mehr als 1.500 Angestellte der Kirche arbeiten. Alle männlichen Angestellten tragen hier übrigens Anzug und Krawatte.

Das Gebäude an sich ist nun nicht so beeindruckend. Katrin hat aber bei ihrer Recherche gelesen, dass es hier eine Aussichtsplattform gibt – da sind wir natürlich sofort dabei.
Wir hätten dazu irgendein Schild oder sowas erwartet, aber als wir das Gebäude betreten ist da nur der Empfang.
Mehr zufällig läuft uns eine Frau über den Weg die eben auch diese Plattform sucht. Sie hat die Info bekommen, dass man dazu am Empfang nach einer Führung fragen muss. Die wollen wir aber irgendwie nicht so wirklich mitmachen und so fragen wir ob wir nur auf die Plattform können.
Natürlich geht das. Im Land der Mormonen ist alles möglich, wenn man nur freundlich fragt 🙂 Es ist beinahe unglaublich. Wir fahren also mit einer „Privatführung“ auf die 26. Etage und haben dort einen fantastischen Rundumblick auf die Stadt und die umliegenden Berge.
Die Bilder habt ihr oben schon vom Capitol und dem Temple gesehen. Hier aber noch ein Bild von einem Verwaltungsgebäude der Mormonen (sieht irgendwie fast wie ein Modell aus oder?):

Und von den Bergen die Salt Lake City umgeben:

Direkt neben dem Temple Square stehen die beiden Häuser des Gründers. Diese können normalerweise auch besichtigt werden. Nur heute findet hier eine pompöse Hochzeit statt.

Bei diesem Thema möchte ich noch einmal abschweifen. Schon wie wir vor 2 Wochen nach Utah gefahren sind, ist uns aufgefallen, dass es hier ungewöhnlich viele Familien mit einer sehr hohen Kinderzahl gibt. Ich rede hier von 4-6 Kindern, und das ist keine Ausnahme.
Relativ schnell haben wir dies eben der Religion zugeschrieben. Ich wollte dem auf den Grund gehen um hier kein Vorurteil zu haben. Und so habe ich mich im Visitorcenter nach der Einstellung der Religion zu Familie und Kindern erkundigt.
Es sollte nicht überraschen, dass diese im absoluten Mittelpunkt (neben den Propheten) stehen. Und so erlebt man die Familien der Mormonen auch. Sehr ausgeglichen, extrem freundlich und eben kinderlieb. Ob das nun auf die Mehrheit zutrifft oder nur oberflächlich so ist, kann ich nach so kurzer Zeit nicht beurteilen.

Für uns ist es jetzt aber genug mit den Mormonen. Nicht weil es nicht interessant wäre, sondern weil die Hitze einfach nicht mehr erträglich ist.

Am Heimweg nehmen wir noch das „Eagle Gate“ mit von dem wir uns aber deutlich mehr erwartet hätten. Früher bildete es das Tor zum Anwesen von Brigham Young, dem Kirchengründer.

Danach fahren wir ins Hotel wo ich noch für die Flüge morgen einchecken will. Hier gibt es (natürlich!) wieder massive Probleme. Das Check-In System der AUA versagte komplett und meinte es gibt keine Buchung zu dieser Nummer. Nach mehrfachen Versuchen wurde ich aus dem System gesperrt … das kenne ich ja schon 😀 Ich habe es dann mühsam über das System von Air Canada geschafft für beide Flüge einzuchecken. Auf sowas muss man mal kommen, denn beide Flüge wurden bei der AUA gebucht und diese wäre eigentlich für uns zuständig. Na gut alles bis auf die Bordkarten hat funktioniert. In beiden Mails war nämlich nur meine Bordkarte angehängt. Katrin ihre wurde uns nicht geschickt. Aber das müssen wir eben am Flughafen aufklären.

Dann lassen wir den Tag und somit auch den Urlaub ausklingen. Die Koffer müssen aber noch effizienter gepackt werden, damit wir morgen früh um 5:30 gleich wegfahren können.

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Auf dieser Etappe kamen unter anderem folgende Dinge zum Einsatz: