Die Nacht war leider nicht besonders erholsam. Jede Stunde fuhr einer dieser 200 Wagonzüge direkt an unserem Fenster vorbei. Aber ok das hätte man sich vielleicht bei so einer Stadt denken können.

Beim Motel war ein Frühstück inkludiert … nunja eigentlich eher ein Gutschein für das benachbarte Diner. Ich mag ja wirklich fast alles aus den USA, aber das dortige Frühstück ist wirklich nicht meins. Ich brauche eigentlich meinen Zucker in der Früh. Deftiges Essen bekomme ich da nicht wirklich hinunter.
Katrin wollte unbedingt einmal in so einem Diner Eier, Speck, usw. essen. Soll so sein . Ich habe mich allerdings mit Cornflakes begnügt, weil …. Eier und Speck in der Früh? Wie gesagt: Bäh!
Unterm Strich war das Essen aber ganz nett und Katrin hat alle 2.000kcal verdrückt .


Jetzt geht es aber los … also alle noch einmal aufs Klo und dann reiten wir los .

Great, Greater, Grand Canyon – ist das Motto dieses Tages und der Weg zum großen Graben sollte uns über die Route 66 führen. Und diesmal nicht die aktuelle (die wir ja am Tag zuvor gefahren sind), sondern die sogenannte Historic Route 66 … also jene die ursprünglich gebaut wurde bevor daneben eine hochmoderne Interstate entstand.

Wenn man auf dem Weg raus aus Needles die Umgebung genauer beobachtet, wird man ein bisschen traurig. Viele Geschäfte, die Zeugen von besseren Zeiten sind, sind verlassen. Sie verfallen langsam und werden maximal als Plakatwand benutzt. Offensichtlich ist es hier nicht anders als auch bei uns: alle wandern langsam aber kontinuierlich in die großen Städte.
Hier blieben nur noch Motels und Tankstellen übrig, woran auch klar die Zielgruppe erkennbar ist: Trucker und Touristen auf der Durchreise, so wie wir welche sind.

Aber genug des schweren Gelabbers … wir sind bereits auf der Historic Route 66. Ich glaube nicht wenige Menschen träumen davon diese einmal gesehen zu haben. Man merkt zuerst gar nicht so recht wann diese beginnt … aber spätestens beim ersten „Logo“ auf der Straße ist alles klar. Wir haben dieses sofort fotografiert, da ich öfters gelesen habe, dass es nicht viele davon gibt.


Die erste Ortschaft nennt sich „Oatman“ und ist sehr touristisch hergerichtet. Die alten Gebäude wurden erhalten und es reiht sich ein Restaurant an Souvenirshop nach dem anderen. Das wirkliche Highlight dieses Dorfes sind jedoch die frei lebenden Esel. Um diese zu sehen benötigt man ein wenig Glück. Es gibt Touristen die sehen gar keine und bei anderen wiederrum sind duzende auf den Straßen verteilt.
Wir haben Glück! Direkt vor dem Ortseingang stehen – natürlich mitten auf der Straße – zwei adulte Tiere. Ich fuhr also langsamer und blieb gute 20 Meter vor ihnen stehen. Als sie dies bemerkten kamen sie sofort im Schnellschritt auf uns zu – was im ersten Moment ein wenig beängstigend war.

Bei uns angekommen schleckten sie tatsächlich unsere Seitenscheibe sauber! Ich vermute jetzt einmal, dass diese normalerweise von Touristen gefüttert werden. Nun so etwas machen wir auf keinen Fall.

 


Nachdem sie kein Futter bekommen haben, lehnten sich die Tiere gegen unser Auto (um sich aufzuwärmen?). Als hinter uns der nächste Touristen-SUV ankam hatte ich meine liebe Mühe das Auto in Bewegung zu setzen ohne die Tiere zu verletzten. Echt störrisch diese Esel .

In Oatman hielten wir uns (leider) nicht sehr lange auf. Wir sind irgendwie davon ausgegangen, dass es an der Route66 in diesem Bereich mehrere solcher Dörfer gibt. Leide weit gefehlt. Es war das Einzige und ich bereue es wirklich hier nicht zumindest ein wenig geblieben zu sein. Doch unser Zeitplan war straff und die Strecke vor uns noch lange.

Und so fuhren wir weiter – immer entlang der Route66. Diese führte nun über einen Berg und wurde dabei sehr kurvig. Extrem lustig zum Fahren und ich kann gut verstehen wieso Biker aus aller Welt hier fahren wollen!


Nächster Stopp: Heckberry General Store. Hier dann gleich die nächste Überraschung: ich dachte eigentlich, dass dieses Gebäude mitten in einem Dorf (eben Namens „Heckberry“) liegt. Aber weit gefehlt: dieser Store liegt einsam und verlassen an der Route66 mitten in der Wüste. Heckberry selbst kann man hier nur am Horizont sehen.


Dieser Store gehört einem sammelwütigem Herrn. Abgesehen von seiner Leidenschaft alles zu sammeln was rostet, hat es sich eingebürgert, dass Touristen Abzeichen und Geldscheine aus aller Welt mitbringen. Da aber Euro gut vertreten waren und wir an keine Abzeichen kommen, konnten wir leider nichts dazu beitragen.
Man kann sich hier frei am Gelände bewegen und es gibt wirklich sehr viel zu sehen. Viele liebevolle Details veranlassen einen zum Verweilen – für das wir aber leider zu wenig Zeit haben.

 


(übrigens: das Bild mit der Flagge ist auch das Coverfoto von unserem Fotobuch ).

Da jetzt die längste Fahrstrecke dieses Tages vor uns lag, gingen wir natürlich noch einmal aufs Klo . Diese sind hier im Heckberry Store übrigens sehr liebevoll eingerichtet und ich würde jedem empfehlen sich diese anzusehen. Auch wenn man gerade nicht muss .
Dabei kommt es dann zu einer witzigen Geschichte. Katrin hat es doch tatsächlich geschafft sich in der Toilette einzusperren. Das doch sehr in die Jahre gekommen Schloss wollte sich nicht mehr öffnen lassen und so mussten wir den Storebetreiber holen. Auch dieser brachte die Tür nur mit Werkzeug auf . Aber Katrin fand das nicht so schlimm – gab es doch jede Menge im Klo zum Ansehen .

Wieder in Freiheit, gaben wir dem Betreiber noch ein Tip, kaufen einen Magneten und machten uns auf. Grand Canyon wir kommen!

Die Strecke zieht sich aber unglaublich. Es gibt wenig bis gar nichts zu sehen. Die Wüstenlandschaft weicht langsam Gräsern, Bäumen und dann schließlich Wald. Die Temperaturen fallen, was ein untrügliches Zeichen dafür ist, dass wir an Höhe gewinnen.

Und dann ehe wir es uns versehen stehen wir im Stau …


Nein es war nicht weiter schlimm, aber es war das einzige Mal, dass wir vor einem Nationalparkeingang warten mussten.
Kurz darauf das obligatorische Eingangsschild, das hier sehr gut zu erreichen ist. Es besitzt sogar einen eigenen Parkplatz! Das haben wir sonst nur beim Yosemite NP erlebt.


Hier sind wir also. Am Grand Canyon … der Traum vieler Millionen Menschen. Aber zunächst heißt es schnell einchecken und Koffer aufs Zimmer bringen. Wir machen das eigentlich immer zuerst, weil es uns zu unsicher ist diese im Auto zu lassen.
Wir fahren also das kurze Stück zu den öffentlichen Parkplätzen und da es schon recht spät ist, bekommen wir auch sofort einen.

Jetzt geht es auf zu „der Kante“. Zunächst ist es so wie es jeder beschreibt: da der Canyon ja (wie ein Canyon nun einmal ist) in den Boden „gegraben“ wurde, ist er von vorne nicht zu erkennen. Also ganz anders als ein Berg den man schon kilometerweit vorher sieht.
Wie sollte dieser Moment nun sein? Aus vielen Erzählungen weiß ich, dass es zwei Gruppen gibt. Die einen sind sprachlos und fangen zu weinen an und den anderen gibt dieser Blick gar nichts.

Also wir gehen auf die Kante zu und … ja ok wir sind sprachlos! Immer wieder kommt mir das Gefühl von „das ist nicht echt“. Das Ganze sieht tatsächlich eher aus wie in einer Computeranimation. Beinahe zu kitschig um wahr zu sein. Und dieses Gefühl hatten wir jedes Mal aufs Neue, wenn wir die Schlucht gesehen haben. Tränen sind uns aber keine gekommen .


Damit wollten wir uns aber heute noch nicht zufriedengeben. Es waren noch ein paar Stunden bis zum Sonnenuntergang und so entschieden wir noch ein Stück in den Canyon hinab zu gehen. Dazu gibt es im Großen und Ganzen zwei Trails. Einen davon, den „Bright Angels Trail“ wollten wir heute zumindest ein paar Hundert Meter wandern.
Man kann vor dem Trailhead auf einem kleinen Parkplatz parken, was ich aber nur empfehle, wenn kaum Leute hier sind, da er sehr klein ist und noch dazu ein Hotel daneben. Wir haben mit Müh und Not noch einen Parkplatz bekommen, zogen uns die Wanderschuhe an, Rucksack um und los ging es. Ich lasse hier einfach Bilder sprechen …


Wie auf dem letzten Bild zu sehen, ist hier für europäische Verhältnisse so gut wie nichts abgesichert. An jeder Stelle kann man bis zur Kante vorgehen, was auch nicht verboten ist. Ich frage mich wie viele Leute hier herunterfallen? So selten kann es nicht sein, denn immer wieder hingen Vermisstenanzeigen an Tafeln.

Ich kann nur jedem empfehlen diese paar Meter zu gehen. Die Sicht auf den Canyon verändert sich total und man kann hier noch viel mehr erahnen wie gigantisch Groß dieser ist.
Langsam bekommen wir aber Stress, denn es ist nicht mehr lange bis zum Sonnenuntergang den wir unbedingt am Hopi Point sehen wollen. Wir hatten Glück, denn das Wetter war vielversprechend.

Am Hopi Point standen wir dann weit über eine Stunde und warteten mit sehr vielen anderen, dass die Sonne unterging. Das einzige was wirklich schnell sank waren jedoch die Temperaturen. Und obwohl wir von L.A. gelernt haben und dicke Jacken mit hatten, war uns sehr kalt. Der Wind stürmte über die Kanten des Canyons und es war kaum möglich die Kamera ruhig zu halten.
Aber dann war es so weit … ein Traum! Leider war schlussendlich alles in Sekunden vorbei.

Wir fuhren also zurück zum Hotel und begaben uns dort zur Rezeption um ein paar WhatsApp Nachrichten zu verschicken. WLAN gab es nämlich ausschließlich hier. Nur ich habe es geschafft mit meinem Handy rein zu kommen. Leider war das Internet so langsam, dass sogar WhatsApp seine Probleme hatte und so schrieben wir nur die wichtigsten Nachrichten und warnten vor, dass wir uns auch die nächsten Tage nicht melden können. Immerhin fuhren wir noch viel weiter ins Niemandsland und ich habe schon geahnt, dass es dort nicht einfach mit dem Funk wird  … ich sollte Recht behalten!
Mir ist es echt unverständlich wie man in einem Land wo Mobilfunk und WLAN so bedeutend ist, es einfach vernachlässigen kann an einem touristischen Hotspot keinen Hotspot zu haben (hehe). Erst hier merkte ich dann auch, wie sehr ich das Internet auf der Reise benötige. Erschreckend!

Nun zu unserem Hotelzimmer: WLAN gibt es keines, das wisst ihr bereits.
Wir hatten ein bisschen Angst wie das Zimmer aussehen würde. In einem Nationalpark gibt es nicht wirklich eine Konkurrenz und so können sich die Anbieter eigentlich alles erlauben. Zu unserer Überraschung waren die Zimmer aber in Ordnung. Ein bisschen abgewohnt und nicht so sauber wie die letzten Tage aber wirklich ok. Das Preis-Leistungsverhältnis ist aber natürlich schlecht. Im Yosemite sollten wir aber noch ganz andere Dinge erleben …

 

Hotelbewertung: Yavapai Lodge
Location: Mitten im Nationalpark und ca. 15 Gehminuten von der Kante des Canyons entfernt. Absolut gute Location und kann nur noch von einem Hotel direkt am Abgrund getoppt werden.

WLAN: In der Lobby gratis, aber kaum zu gebrauchen.

Preis pro Nacht/Zimmer: EUR 144,72 (Innerhalb des Parks ein guter Preis. Ein Zimmer ist hier wirklich schwer und nur Monate vorher zu bekommen)

Parkplatz: Sowohl vor der Lobby als auch (direkt) vor den Zimmern gibt es mehr als genug kostenlose Parkplätze. Echt ungewöhnlich für so einen stark frequentierten Nationalpark.

Bemerkung: Innerhalb des Parks findet man, glaube ich kein besseres Hotel für diesen Preis. Die Location ist einfach top und die Zimmer sind mehr als in Ordnung. Die Preis-Leistung hinkt im Gegensatz zu den Hotels davor aber ziemlich. Das ist aber verständlich und hält sich auch im Rahmen.

Unsere Bewertung: 4 von 5 Sternen

 

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